LUXEMBURG
SVEN WOHL

Die aufkeimende Videospielentwickler-Szene hat mit Alex Greenwood einen neuen Pionier

Nur zu gerne wird in Luxemburg vom Aufstieg der Filmindustrie gesprochen. Relativ selten wird die Tatsache erwähnt, dass im Großherzogtum gerade eine Indie-Videospielentwickler-Szene entsteht, der es an Kreativität nicht mangelt. Alex Greenwood ist einer jener kreativen Köpfe, die eine der Keimzellen dieser entstehenden Kreativ-Industrie darstellt. In einem Gespräch erklärt er uns, wie er dazu gekommen ist, welche Perspektiven sich bieten und was sich vor allem in Luxemburg noch alles verbessern könnte.

Aus Begeisterung aktiv

„Ich hatte mein ganzes Leben lang daran Spaß, Videospiele zu spielen“, erklärte Alex Greenwood auf die Frage hin, was seine Motivation dafür sei, Spiele zu programmieren. Als es so weit war, einen Studiengang zu wählen entschied er sich für das Spieleprogrammieren als Fach. Eine schwierige Entscheidung, denn 2004 war dies noch weitaus weniger üblich als heute. Nach dem Studium folgte der nächste Schritt: „Ich wollte sehen, was ich mit dem Abschluss in Luxemburg erreichen kann“. Aktuell arbeitet er Teilzeit bei der ASBL „ErwuesseBildung“, um sich so nebenbei dem Spieleprogrammieren widmen zu können. „Das größte Risiko ist letztlich, dass man alleine da steht, weil keine Infrastrukturen vorhanden sind“, hält er fest.

Bei der Spieleentwicklung setzt er aktuell noch auf Puzzle-Spiele. Das liegt zum einem daran, dass der Markt, den er auf den Smartphones anspricht, besser einfachere Spielkonzepte annimmt. Ein anderer wichtiger Aspekt ist, dass er auf abstraktere Grafiken setzen kann, die kaum Animationen brauchen und er somit mehr Zeit zum Programmieren hat. 2D-Spiele sind zudem beliebt, vor allem, weil sie damit auch den Nerv der Zeit treffen: Aktuell sind Spiele mit Retro-Optik und Konzepten durchaus beliebt. Das liegt unter anderem auch am Welthit „Minecraft“, das auf eine solche Retro-Optik setzt.

Kopier-Lawine

Jedoch gibt es auf den mobilen Plattformen auch einige Gefahren: Zwar ist es billiger und einfacher dort zu entwickeln, doch man läuft auch Gefahr, in der Masse an neuen Veröffentlichungen einfach unterzugehen. Das liegt auch an den zahlreichen „Clones“, also Kopien beliebter Spiele. Denn sobald ein neues Spiel erfolgreich ist, ist darauf Verlass, dass das Konzept tausendfach imitiert wird - wie etwa beim Riesenerfolg „Flappy Bird“, wo ein einfaches Konzept ohne große Änderungen kopiert wurde. Deshalb ist das richtige Marketing so wichtig, bestätigt Alex Greenwood: „Die Entwicklung des Spiels ist nur die Hälfte der Arbeit. Der Rest ist Marketing.“

Darin muss auch viel investiert werden, sonst wäre die ganze Entwicklungsarbeit umsonst. Während er nebenbei arbeitet, braucht Alex Greenwood ein ganzes Jahr, um ein Projekt abzuschließen. Allerdings zeigt er sich begeistert von den zahlreichen neuen Werkzeugen, die es einem einfacher machen, für mehrere Plattformen zu entwickeln. Bei einem in Luxemburg organisierten „Game Jam“ hatte er zudem die Möglichkeit, einige Kontakte zu knüpfen. Bei einem solchen „Game Jam“ versucht man, eine erste Version eines Spieles innerhalb von 48 Stunden zu schaffen. Dort lernte er unter anderen einen Grafiker und einen Musiker kennen, die eine wesentliche Hilfe darstellen. Doch leider waren auf der Veranstaltung nur drei Luxemburger anzutreffen - was auf ihn symptomatisch wirkt. „Da gibt es in Luxemburg scheinbar noch nicht genug Interesse dafür“, meint er.


Mehr Informationen zu Alex Greenwood und
seinen Spielen „Novoludo“ und „Cosmoludo“
finden Sie auf der Seite www.alfraprog.lu