LUXEMBURG
DANIEL OLY

Erste nationale Drohnenmeisterschaft steht kurz vor ihrer Feuertaufe

Drohnenfliegen ist ein rasantes Hobby; besonders in der Ego-Perspektive, wenn eine auf der Drohne verbaute Kamera eine Direktübertragung in eine Brille sendet, kommt ein echter Geschwindigkeitsrausch auf. „FPV“, stehend für „First Person View“, nennt sich der Spaß, der vom ehemaligen Extremsportler, der noch immer einen Adrenalinschub braucht, über Kids und Tüftler eine immer größere Zahl an Menschen fasziniert. Das „Journal“ hatte bereits im vergangenen Jahr über den hierzulande für das Drohnen-Hobby einstehenden Verein „FPVNation“ über den Trend im Großherzogtum gesprochen - damals hieß es noch, dass schon in diesem Jahr eine erste nationale Meisterschaft mit den kleinen rasenden Coptern abgehalten werden könnte. Den Worten folgen jetzt sehr bald Taten: Am 21. Juli wird es soweit sein.

Eigener Parcours vor großem Publikum

„Wir haben schon lange versucht, eine Meisterschaft abzuhalten“, erklärt Präsident Roy Ostrowski. „Wir hatten auch den Standort Belval schon im Blick, bekamen dann aber lange keine Rückmeldung.“ Jetzt steht das Event: Im Rahmen der „Luxembourg Balloon Trophy“ in Mersch wird der Verein ein Teil der Organisation sein, um ein zweitägiges Drohnen-Rennen samt nationaler Meisterschaft und internationalem, offenen Rennen zu bieten. „Wir waren bereits einmal dabei und wurden erneut gefragt, ob wir mitmachen wollten; da haben wir direkt ja gesagt“, meint er. Die Aufteilung in zwei Rennen erklärt sich folgendermaßen: „Wir haben einerseits die Meisterschaft, aber geografisch gibt es viele in Luxemburg aktive Piloten in der Szene, die keine luxemburgischen Staatsbürger sind“, weiß der Präsident. Auch Vorstandsmitglied Christian Fischer meint: „Größere Teile unserer Mitglieder stammen aus Frankreich oder Belgien; sie auszuschließen wäre unfair.“

Im Rahmen des Heißluft-Ballon-Events dürfen die kleinen ferngesteuerten Flitzer damit an beiden Tagen ran. „Natürlich müssen wir darauf achten, nicht in der Flugbahn der Ballons zu sein“, meint Saskia Schmitt lachend. Sie wird als „Race-Direktor“ die Streckenführung festlegen, diese wird wohl erst knapp zwei Wochen vor dem Event bekannt. Ostrowski pflichtet ihr bei: „Wir haben da unseren eigenen Bereich und dürfen unseren eigenen Parcours aufbauen; als Partner des Events sind wir aber verpflichtet, auf alles Rücksicht zu nehmen.“ „FPVNation“ stellt deshalb auch das Übertragungssignal der Drohnen-Kameras frei, sodass die Ausrichter des Ballon-Rennens auch auf den Video-Feed zurückgreifen können. „Das ist interessant für die Zuschauer“, meint auch Vorstandsmitglied Luc Wirtz. Apropos Parcours: Bei der ersten Meisterschaft wird nicht auf Zeit geflogen. „Wir haben uns gegen einen teuren Zeitmesser entschieden, und für einen eigenen aufblasbaren Hindernisparcours, den wir immer wieder neu verwenden können“, erklärt Fischer. Die großen Tore, die es immer auf den Drohnen-Wettbewerben zu umfliegen gilt, bestehen sonst meist aus Fahnenstoff oder dünnem Plastik. „Wenn das Event dann fertig ist, kann man die meist wieder wegwerfen“, weiß Ostrowski. Aus einem einfachen Grund: Die Propeller der Copter machen mit dünnem Material kurzen Prozess.

Deshalb hat sich der Vorstand von „FPVNation“ für den Kauf eines mitunter recht teuren, aber auch mehrfach verwendbaren Parcours entschlossen. Die aufblasbaren Hindernisse besitzen eine dickere Haut und stecken so Propeller-Schnitte eher weg. „Das war keine leichte Entscheidung“, meint Fischer. „Aber wenn wir sie mehrfach verwenden können, lohnt es sich auf jeden Fall.“ Außerdem könne man darauf vergleichsweise einfach für Sponsoren werben.

Copter-Tuning für den entscheidenden Vorteil

Die Hindernisse bilden zusammen einen Parcours, den die Copterpiloten mit ihren manövrierfähigen Rasern bezwingen müssen. Sieger ist, wer den ersten Platz belegt - logisch. Ein komplexes Hochrechnen auf Rundenzeiten entfällt damit. Auch das entspricht den offiziellen Regeln der Weltföderation für Luftsport („Fédération Aéronautique Internationale“, FAI), die zwar ein Mindestmaß an festen Regeln aufstellt, den Ausrichtern der Meisterschaften aber Freiraum für Interpretation bietet. „Das offizielle Regelbuch sieht etwa eine satte Menge an Positionslichtern durch LEDs vor“, meint Wirtz - das entfalle aber bei der Meisterschaft im Juli. „Normalerweise ist das vorgesehen, weil es die Drohnen leichter identifizierbar macht. Das ist besser für den Zuschauer, aber für unsere Bedürfnisse ist das überdimensioniert“, meint Ostrowski. Zudem könne man unmöglich von den Teilnehmern verlangen, ihre Copter den neuen Regeln gebührend anzupassen. „Die Saison startet im Frühling, und so baut sich jeder seine Maschinen über den Winter zusammen“, erklärt er. „Wir können jetzt nicht mitten in der Saison umstellen.“ Apropos Copter: Die FAI schreibt zwar bestimmte Dinge wie die Maximalleistung der Batterien vor, viele einzelne Faktoren kann der Pilot aber selbst nach seinen Stärken einstellen. „Der richtige Copter macht viel aus“, weiß deshalb auch Wirtz; und mit größeren Budgets komme dann auch schnell der messbare Unterschied. Quasi wie in den Glanzzeiten des Motorsports. Geflogen wird dann immer zu viert; „das liegt vor allem an den Funkfrequenzen“, weiß Ostrowski. „Weil wir ansonsten nicht genügend Frequenzen zur Verfügung haben, um störungsfrei zu übertragen, beschränken wir es auf Gruppen von vier.“ Die wechseln bei den nationalen Meisterschaften im fliegenden Wechsel während der Vorrunde. „Auf diese Weise kommt jeder einmal gegen jeden ran, und wir eliminieren das Losglück“, meint Fischer. Das soll für die beste Fairness sorgen und praktisch garantieren, dass auch wirklich die besten Piloten in die Finalrunden einziehen.

Damit in den Rennen dann alles mit rechten Dingen zugeht, braucht es reichlich Freiwillige, die darauf achten sollen, dass auch wirklich jeder innerhalb der Strecke bleibt und keine Abkürzungen nimmt. „Jeder Pilot bekommt dann jemanden, der wortwörtlich über die Schulter schaut“, meint Schmitt. Auch beim offenen Wettbewerb, an dem praktisch jeder eingeschriebene Pilot teilnehmen darf, wird das so sein. „Da geht es ja auch um Sachpreise und Prestige“, betont Fischer.

Während an der nationalen Meisterschaft wohl zwölf Piloten teilnehmen, werden es im offenen Schlagabtausch bis zu 32 sein - maximal wären 48 möglich. „Das sind auch die Größen, die wir uns vorgestellt haben“, erklärte Fischer. Mit Luft nach oben? „Wir würden uns natürlich erhoffen, das jetzt jährlich zu machen“, meint er. Optional auch in Zusammenarbeit mit anderen Clubs in der Großregion und vielleicht auch in einer nochmals größeren Ausführung mit Platz für mehr Piloten. Das gehe natürlich am besten, wenn „FPVNation“ das Event in Eigenregie ausrichtet. Die nötigen Sponsoren - insgesamt über 20 an der Zahl, national (der Stromanbieter „Electris“ zum Beispiel) wie international (der französische Drohnenspezialist „Drone FPV Racer“) - scheint es ja bereits zu geben „Unser Sponsor für die Copter-Frames kommt etwa aus Österreich“, meint Ostrowski. Das zeigt, wie gut der Trend zum Dronenrennen schon jetzt ankommt.