HAMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Furiose Premiere von „Rocky-Das Musical“ in Hamburg

Im Jahr 1976 war der Film „Rocky“ ein großer Erfolg; Hauptdarsteller und Drehbuchautor Sylvester Stallone wurde zum Superstar. Der Film von John G. Avildsen gewann drei Oscars: bester Film, bester Regisseur und bester Schnitt. Es folgten noch fünf Fortsetzungen, wovon allein Teil zwei und drei interessant waren.

Sly Stallone, die boxenden Brüder Vitali und Wladimir Klitschko, sowie Stage Entertainment produzieren nun das Bühnenmusical „Rocky das Musical“, mit einem Budget von rund 15 Millionen Dollar, das am vergangenen Sonntag seine Premiere im TUI-Operettenhaus in Hamburg feierte. Die Musik komponierte Stephen Flaherty („Ragtime“), die englischen Songtexte schrieb von Lynn Ahrens, das Buch stammt von Thomas Meehan. Nach ersten Proben im Yorker Lincoln Center 2011 kam das endgültige „Ja“ für die Weiterentwicklung der Show. Wolfgang Adenberg übersetzte die Songtexte und Ruth Deny die Dialoge; Alex Timbers inszenierte
das Spektakel.

Musical = Film

Die Geschichte des Films wurde integral beibehalten, mit der Kühlhalle und den Rinderhälften, die Rocky als Sparringspartner dienen sowie der Treppe in Philadelphia, auf der Rocky zu Höchstform aufläuft.

Rocky Balboa (Drew Sarich) ist ein drittklassiger Boxer, der in die hyperscheue Adrian (Wietske Van Tongeren), der Schwester von Paulie (Patrick Imhof), verknallt ist. Apollo Creed (Terence Archie) ist der amtierende Weltmeister im Boxen. Als sein Gegner den Meisterschaftskampf absagt, wird ein neuer Gegner gesucht. Weil Apollo den Namen „Italian Stallion“, das Pseudonym von Rocky, gut findet, entscheidet er sich für ihn als neuen Gegner. Rocky kann es kaum glauben und ihm bleiben nur noch ein paar Wochen Zeit, sich in Form zu bringen. Mickey (Uwe Dreves), der Coach der Boxhalle soll ihn nun trainieren. Der Rest ist Film- und nun auch MusicalGeschichte. Rocky übersteht 15 Runden gegen den Meister. Er wird aber nicht der neue Weltmeister, kann aber gegen Adrian endgültig gewinnen.

Multimediashow der absoluten Superlative

Das Bühnenbild von Chris Barreca - die Wohnungen von Rocky und Paulie oder das Büro von Creeds Manager Jergens (Frank Logemann) ist zum Teil sehr klassisch.

Was Barreca aber mit dem drei Tonnen schweren Ring anstellt, ist einfach grandios. Mal steht er auf der Bühne, mal schwebt er darüber; für den Schlusskampf wird er in den Zuschauerraum gefahren: die Zuschauer aus den ersten fünf Reihen nehmen dann auf der Bühne Platz, wo sie die beiden Boxer anfeuern. Das Bühnenbild vervollständigen Videoprojektionen von Pablo N. Molina und die Beleuchtung von Christopher Akerlind.

Speziell die Trainingseinheiten Rockys im zweiten Akt sind meisterliche Kombinationen aus Video, Licht und Musik, die hier aus dem legendären Survivor-Song „Eye Of The Tiger“ aus „Rocky 3“ besteht. Der finale Kampf ist ein weiteres geniales Zusammenspiel dieser drei Elemente in Kombination mit TV-Einspielungen und den Kommentaren zweier Moderatoren, die den Kampf zum absoluten Höhepunkt der Show machen. Überhaupt vermitteln die Boxszenen den Eindruck, als würden sich wirklich zwei Boxer die Köpfe einschlagen. Steven Hoggett hat sie auf eine perfekte Art und Weise koordiniert, so dass selbst das Blut nicht fehlt.

Bekannte Themen, 20 neue Songs und tolle Schauspieler

Aus dem „Rocky“-Soundtrack von Bill Conti ist das Hauptthema „Gonna Fly Now“ integriert worden. Stephen Flahertys 20 neue Songs klingen sehr gefällig.

Am besten gefallen „Die Nase hält noch“, „Patriotisch“, „Adrian“, „Vorbei“ und „Mehr als ich und du“. Mit Drew Sarich steht ein extrem begabter Schauspieler mit einer fantastische Stimme auf der Bühne, der dem Original-Rocky stark ähnelt. Auch Adrian wird von einer der besten Musical-Darstellerinnen Europas gesungen, Wietske Van Tongeren, die der Film-Adrian (Talia Shire) wie eine Zwillingsschwester ähnlich sieht.

„Rocky das Musical“ ist musikalisch nicht der ganz große Wurf, doch gleichen Bühnentechnik, die unzähligen Effekte und Ideen dieses Manko meisterlich aus.


Informationen und Tickets:
www.stage-entertainment.de