LUXEMBURGCLAUDE KARGER

Die Ermittler haben das Wort - Sie werden es noch einige Zeit behalten

Die Ermittler haben nun das Wort im „Bommeleeër“-Prozess. Gestern begann „Commissaire en chef“ Carlo Klein im Detail mit der chronologisch geordneten Darlegung der Ermittlungsergebnisse zu den Sprengstoffanschlägen, die zwischen Mai 1984 und März 1986 das Land erschütterten. Der Chefermittler begann mit den Sprengstoffdiebstählen in Helmsingen und Wasserbillig Anfang 1984 (s. unten). Klein war damals übrigens Gendarm in Bereldingen und nahm die Klage der Gipsstollenbetreiber wegen des Einbruchs in Helmsingen auf.

Zahlreiche Ungereimtheiten und mangelnde Spurensicherung

Der Beamte aus der Sektion organisierte Kriminalität der Kriminalpolizei wurde bei seinen Ausführungen durch eine Menge Fragen der Verteidigung unterbrochen. Me Gaston Vogel hakte etwa nach, ob denn bei den Einbrüchen keine Fingerabdrücke gefunden wurden und ob überhaupt danach gesucht wurde. Aus den Ermittlungsberichten gehe nicht hervor, dass Fingerabdrücke gefunden wurden, erklärte Klein. Der Verteidiger des Angeklagten Marc Scheer hakte noch einmal nach, wo denn der Bericht sei, wo das festgehalten sei. Das werde er überprüfen, entgegnete Klein, der seine Erklärungen am kommenden Montag fortsetzen wird. Denn als die vorsitzende Richterin Sylvie Conter die Sitzung um Punkt 18 Uhr aufhob, hatte der Chefermittler erst den Anschlag auf die Gasleitungen in Hollerich am 23. Juni 1985 abgehakt. Auch in diesem Zusammenhang hatte die Verteidigung zahlreiche Fragen. Etwa über den Umgang mit der Aussage eines Zeugen, der eine Person mit einem Koffer und etwas das in seinen Augen wie ein Minensuchgerät aussah, aus einem Gulli steigen sah. Der Zeuge hatte das nach der Explosion in Hollerich bei der Gendarmerie gemeldet. Allerdings habe er keinen Bericht zur Unterschrift bekommen, es sei ihm lediglich gesagt worden, man werde die Angelegenheit überprüfen. Das erklärte der Zeuge in einem späteren Verhör. Me Vogel wollte wissen, ob diese Überprüfung denn auch erfolgt sei. Ermittler Klein erklärte dass dort, wo der Zeuge den verdächtigen Mann hatte aus einem Kanal steigen sehen, keine Verbindung zu dem Ort möglich sei, an dem später die Bombe hochging. Dass der Mann einer der „Bommeleeër“ hätte sein können, konnte er allerdings nicht ausschließen.

Im Zusammenhang mit dem Attentat in Hollerich liegt auch die Aussage einer Zeugin vor, die unmittelbar nach dem Anschlag einen Wagen mit französischen Kennzeichen beobachtet hatte, der ihr verdächtig vorkam. Nach dem Knall hatte das Auto kurz gehalten, bevor der Fahrer schnell wieder einstieg und losbrauste. Die Spur - sogar ein Phantombild war von dem Mann angefertigt worden - habe nichts ergeben, so Klein, der annimmt dass der Fahrer des französischen Autos wohl von dem spektakulären Anschlag genau so verdutzt war, wie die Zeugin. Der Chefermittler, der während seiner Ausführungen zahlreiche Bilder von den Tatorten und den sicher gestellten Beweisstücken zeigte, ging abschließen ebenfalls auf die Aussagen von vier Jugendlichen ein, die bereits am Vortag des Anschlags eine Art schwarzen Koffer und eine braune Kiste am späteren Tatort erblickt zu haben.

Die Ermittler haben ihre Ausführungen in zwei große Kapitel eingeteilt. Zunächst nehmen sie die Attentate selbst unter die Lupe sowie die Ermittlungen dazu in den ersten Jahren. In einem zweiten Kapitel werden sie dann die Ermittlungen ab der Relance im Jahr 1998 erklären. Die Ausführungen dürften das Gericht noch mindestens eine Woche lang beschäftigen.