NIC. DICKEN

Das schlechte internationale Image, das sich Luxemburg über das letzte Vierteljahrhundert hinweg mit verschiedenen Orientierungen und Aktivitäten des Finanzplatzes redlich erworben hat, wird das Land so schnell nicht wieder los. Belege dafür gibt es in Monats-, manchmal sogar in Wochenabständen, die aufgrund einer von neidischen National- und Regionalpolitikern anderer EU-Staaten sorgsam gepflegten Negativkampagne konsequent ans Licht befördert werden. Die Eiferer stört dabei nur wenig, dass der deutlich überwiegende Teil der „Enthüllungen“ in Wirklichkeit nie als Hehl gelten konnten, weil alle Beteiligten, sachkundige Wirtschaftsjournalisten und pflichtbewusste Steuerkontrolleure inklusive, über die Vorgänge in Luxemburg sehr wohl im Bilde waren, die rechtliche Lage aber entweder keinen vollständigen Einblick erlaubte oder die Notwendigkeit zur Nachprüfung nicht mit letzter Konsequenz erkannt wurde. Die - durch die seit sechs Jahren schwelende Finanzkrise - klammen Staatskassen schufen da eine völlig neue Bewertungsgrundlage.

Dabei wird mittlerweile geflissentlich übersehen oder auch gar nicht erst mal zur Kenntnis genommen, dass Luxemburg schon sehr früh, noch in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, eindeutig „bande à part“ gemacht hatte, indem es Voraussetzungen für den Transit von hochvolumigen Dollartransaktionen vorwiegend aus dem Erdölgeschäft gelten ließ, während größere Nachbarstaaten ihre Schotten dicht gemacht hatten. Dass Investoren in ganz Europa am Ende von diesem „Schlupfloch“ profitieren konnten, wird heute gern ignoriert. Das seit 1929 geltende Bankgeheimnis, das in erster Linie heimische Vermögen vor allzu neugierigen Zeitgenossen schützen sollte, war ein Umstand, der seit den 80er Jahren zunehmend von ausländischen Privatvermögen genutzt wurde, um diskret zur Bestandsmehrung beizutragen, alles im Rahmen einer vollständigen Legalität, die irgendwelche moralischen Bedenken außen vor ließ. Mit diesem (steuer- und bankrechtlichen) Status stand Luxemburg übrigens keineswegs allein da, wie man es heute gerne glauben machen möchte. Es waren am Ende denn auch wohl die für die kleine Volkswirtschaft schier unvorstellbaren Volumen einerseits, andererseits aber vor allem die klammen Staatskassen in den Nachbarländern, die den Widerstand gegen Luxemburg schürten, dem sich mittlerweile ja auch das Nicht-EU-Land Schweiz beugen musste.

Das Geld, das weiterhin am Finanzplatz Luxemburg verdient werden dürfte, wird in Zukunft wohl etwas weniger üppig fließen, aber das dank starker Internationalität erreichte Kompetenzniveau lässt auf weitere Erfolgsaussichten hoffen. Die Unkenrufe, denen sich Luxemburg zunächst noch ausgesetzt sehen wird, dürften in absehbarer Zeit nachlassen, wenn keine alten Kamellen mehr neu aufgewärmt werden können. Mit dem weniger üppig fließenden Geld auskommen zu müssen, heißt das Gebot der Stunde, dem sich nicht nur die Politik, sondern auch andere in der Verantwortung stehende Kreise in besonderem Maße verpflichtet fühlen sollten, zumal sie sich am früheren Überfluss auch nicht sonderlich gestört haben.