LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

„Toys“ im „Trois C-L“ - Léa Tirabosso hält der Spaßgesellschaft den Spiegel vor

Feiern bis zum Umfallen, selbst in Stücke gehauen geht die Party immer noch weiter, auch wenn es eigentlich gar nichts zu feiern gibt. Das kann bizarr, absurd komisch, poetisch oder beängstigend sein. So oder so, die Spaßgesellschaft mit ihren Fantasien, ihren Exzessen und ihren Täuschungsmanövern sich selbst gegenüber treibt die Künstler in Museum, Kino, Theater und Literatur mannigfach und seit Jahren um.

Nun holt die 31-jährige Choreografin und Regisseurin Léa Tirabasso das Problem der menschlichen Tragödie als konstante Feier ins „Trois C-L“ nach Luxemburg. In ihrem Performancestück „Toys“ irren fünf junge Tänzer zwischen Liebeleien und Fremdflirten, Egoismus und Eifersucht, Gruppendruck und Einsamkeit hin und her.

Die Gruppe ist alles

Dabei geht es weniger anmutig und poetisch, als wild und frenetisch zu. Optisch bezaubernde Figuren sollte man in dem Stück also nicht suchen, denn für die gesellschaftskritische Thematik sucht sich die junge französische Choreografin andere Wege. Das Leben als ewige Party ist nur ein hohles Ablenkungsmanöver, das sich nicht mit Schönheit und Achtsamkeit verträgt. „Die Suche nach dem Vergnügen lässt das lebenslange Warten und den Gedanken an den Tod vergessen“, sagt Tirabasso zur Ausgangsidee von „Toys“. In dem wilden Stück stecken zwei Jahre Arbeit, Tirabasso und ihre fünf Tänzer haben in sieben Künstlerresidenzen, unter anderem in Frankreich und Finnland, an den Choreographien gearbeitet.

Um die erzwungene Selbstvergessenheit in Figuren umzusetzen, streift das Stück immer wieder das Absurde oder gar Lächerliche. Etwa wenn die große Liebe vom Abend am Morgen schon wieder vergessen ist, eine Tänzerin einen Orgasmus ganz mit sich selbst ausmacht oder Liebeslieder mit schiefer und brüchiger Stimme gesungen werden.

„Toys“ verlangt seinen Tänzern viel Energie und seinem Publikum etwas Nachsehen für kleine Albernheiten und viel Aufmerksamkeit ab. Oft liegt der Schlüssel in der schnell wechselnden Mimik der Tänzer. So klingen auch Ohnmacht, Müdigkeit oder Nachdenklichkeit in der Choreographie pointiert und kurz an, werden aber in dem konstanten Partymodus, in dem sich die Protagonisten befinden, durch die Rückkehr in die Gruppe ausgeschaltet. Ein gängiges Bild, aber die engagierten Tänzer lassen es gut funktionieren, beim großen Gruppentanz am Schluss gar mit hypnotischer Wirkung.

Überhaupt ist die Gruppe in dem Stück das alles dominierende Element, Solotanz kommt zwangsläufig fast gar nicht vor, dafür wird meistens zu fünft getanzt, mal synchron und kraftvoll, mal lächerlich und trunken wie in einem Nachtclub zu sehr später Stunde.


Die Premiere findet an diesem Freitag, 19.00, im“Trois C-L“, Banannefabrik, statt. Danach wird noch am Samstag, 20.00, und am Sonntag, 17.00, aufgeführt. Karten kosten 15 oder 8 Euro