Nina studiert in Trier. Eine ganz normale Frau, denkt man, doch die 24-Jährige ist ein Mann. Nina war bis zu ihrem 23. Lebensjahr Markus, bis sie sich entschlossen hat, zu sich zu stehen. Dem „Journal“ erzählt Nina, warum sie für ihre Weiblichkeit kämpft. Da das Gespräch sehr intim ist, haben wir den Namen geändert.
Wann hast Du gemerkt, dass Du im falschen Körper steckst?
Nina Schon sehr früh. Als Kind habe ich immer mit Puppen gespielt. Mit den Mädchen verstand ich mich besser als mit den Jungen. In der Pubertät merkte ich, dass ich mich mehr von Männern angezogen fühlte als von Frauen. Ich fand Frauenkleidung immer viel schöner als die der Männer. Irgendwann habe ich angefangen, weibliche Kleidungsstücke zu tragen, am Anfang nur bei mir zu Hause, wenn ich alleine war. Dann verließ ich auch mal in Frauenklamotten das Haus. Ich fühlte mich darin endlich „ ich selbst“. So beschloss ich, nur noch Frauenkleider anzuziehen. Mein Umfeld fing an, komisch zu reagieren, und ich isolierte mich komplett.
Dein Körper war aber immer noch männlich?
Nina Der Bart war noch immer da, ich hatte keinen Busen, auch klang meine Stimme dunkel.
Du bist dann zum Arzt gegangen?
Nina Ich suchte meinen Hausarzt auf. Das Gespräch dauerte ewig lang. Er verstand meine Gefühle jedoch sehr gut. Es war das erste Mal, dass ich überhaupt mit jemandem darüber geredet habe. Er schickte mich zu einem Psychiater. Der fragte mich aus und leitete mich an einen Spezialisten weiter. Es verging fast ein halbes Jahr, bis ich endlich bei einem Facharzt einen Termin bekam. Dieser hat mir dann weibliche Hormone verschrieben. Dadurch lässt der Bartwuchs nach, die Stimme wird heller.
Wie fühlst Du Dich jetzt?
Nina Da ich einen „Push-up“ trage, werde ich vom Äußeren her immer als Frau wahrgenommen. Ich fühle mich auch als Frau. Nur das Geschlecht ist halt immer noch männlich.
Willst Du Dich um operieren lassen?
Nina Das ist nicht so einfach, die OP ist gefährlich. Außerdem habe ich schon Dutzende Ärzte aufgesucht und jeder sagt mir etwas anderes. Dann kommen noch die vielen psychologischen Tests hinzu. Im Moment bin ich mit meinem Zustand zufrieden, vielleicht lasse ich mich doch eines Tages operieren
Wie reagierten Deine Familie und Freunde auf die Umwandlung?
Nina Es war ein enormer Schock für alle. Meine Eltern akzeptieren mich jetzt als Frau. Viele Freunde wollten nichts mehr von mir wissen, ich war ihnen zu exotisch: Kein richtiger Mann und keine richtige Frau. Seitdem ich Nina bin, habe ich einen neuen Freundeskreis aufgebaut. Viele meiner Bekannten wissen nicht, dass ich eigentlich ein Mann bin.
Wie ist es, wenn Du einen Mann kennen lernst?
Nina Das ist schwer. Die meisten glauben ja, dass ich eine Frau bin. Aber sobald sie mich anfassen, muss ich ihnen die Wahrheit gestehen. Ich will vermeiden, dass sie eine böse Überraschung erleben. Bis jetzt habe ich keinen gefunden, der mich so akzeptiert, wie ich bin.
Was ist das Schlimmste für Dich?
Nina Ich würde gerne Kinder bekommen, das ist aber leider unmöglich. Auch frage ich mich oft, warum ich nicht einfach als Mädchen geboren wurde. Naja, ich versuche das Beste aus meiner Situation zu machen. Ich bin nicht krank, nur im falschen Körper.



