Nach einer langen Fahrt, von einem Ende des Landes zum anderen erreiche ich den Hof der Familie Schiltz und das bei schönstem Sonnenschein. Ich bin an diesem Samstagnachmittag aber nicht der einzige, der sich für die Produkte der Familie Schiltz interessiert. An der Eingangstür verabschiedet sich gerade ein Kunde von Marie-Anne Schiltz. Sie führt mich in das kühle Bauernhaus hinein und ruft ihren Sohn Georges Schiltz, der im elterlichen Haus seine kleine Brennerei betreibt.
Viel Handarbeit
„Bereits mein Großvater hat Schnaps gebrannt“ erklärt Georges Schiltz, als er mich in seine Schatzkammer führt, wo ein Großteil seiner Spirituosen, Liköre und Säfte lagert. Der 27-Jährige hat schon in jungen Jahren durch seinen Großvater die Kunst des Brennens kennen und lieben gelernt. Seit 2011 stellt der 27-jährige unter dem Namen „Tudorsgeschter“ nun selbst verschiedene Spirituosen und andere alkoholische und nicht-alkoholische Getränke her. Der Name seines Unternehmens setzt sich aus dem Namen der Straße, in der er wohnt, „Rue Henri Tudor“, und dem Schnaps als solchem zusammen. „Die Brennerei stammt noch aus dem Jahr 1954“, meint Schiltz. In den 70er Jahren sei ein neuer Brennkessel installiert worden. „Und bis heute habe ich jetzt das Vergnügen mit dieser Anlage, die noch mit Holz befeuert wird, zu arbeiten.“
Im Lager, das auch gleichzeitig Verkaufsraum ist, stehen sieben oder acht große Behälter, in denen die Brände lagern. Auf jedem Behälter sind keine Aufkleber angebracht, die verraten, welche Sorte in den 330-Liter-Behältern sind. Auf dem Tisch vor den Behältern ist ein weiterer Tisch, auf dem sich neben vielen Flaschen auch eine Etikettiermaschine samt Etiketten befindet. Nicht nur das Brennen, sondern auch das Abfüllen ist hier Handarbeit. Die ganze Arbeit macht der junge Brenner aber nicht alleine. „Sowohl meine Familie als auch viele Freunde helfen mir, sei es nun bei der Ernte oder beim Abfüllen“, meint er und reicht mir ein Gläschen von seinem Pflaumenschnaps.
Das möglichst beste Produkt
Ohne Hilfe wäre das alles auch nicht möglich, da Schiltz zum Großteil in Deutschland ist, wo er in Geisenheim Önologie und Weinbau studiert. Denn auch der Weinbau gehört zu seinen Leidenschaften. Er besitzt seit einigen Jahren auch einen Hektar an Rebstöcken. Wie Schiltz erklärt, könne man von einem Hektar bis zu 8.000 Liter Wein erhalten. Da er aber nach dem Motto „Qualität geht vor Quantität“ arbeitet, stellt er nur 4.000 bis 4.500 Liter Wein her, die dafür aber qualitativ hochwertiger seien. „Für mich als Produzent ist es faszinierend, auf welch vielfältige Weise ich Einfluss auf das Endprodukt nehmen kann und es ist ein Ansporn, das möglichst beste Produkt zu erreichen.“ Der Jahrgang 2014 ist sein Erster und reift aktuell noch, wird aber im Laufe des Jahres, wenn der Wein soweit ist, abgefüllt und verkauft.
Alte Schätze wiederentdecken
Als nächstes fahren wir raus aus Rosport, zu den Weinreben von Schiltz. Links und rechts der Straße zeigt er mir, wo einige seiner Streuobstbäume stehen. Es ist überraschend, wie viele es davon noch gibt und wenn man nicht wüsste, dass es Obstbäume sind, würden sie einem nicht auffallen. Wie Schiltz mir erklärt, gibt es vor allem in der Gegend rund um Rosport noch viele Obstbäume, die aber zum Teil seit Jahren nicht mehr bewirtschaftet werden. Durch Leute wie Georges Schiltz werden diese alten Schätze des Landes wiederentdeckt und genutzt.
Auf dem Weinberg von Schiltz angekommen, bietet sich mir ein wunderschönes Panorama auf das Sauertal. „Es ist ein wunderschöner Arbeitsplatz und es ist meiner“, meint Schiltz und lässt seinen Blick über das grüne Tal schweifen. Bei den Reben handelt es sich neben den für Luxemburg typischen Elbling und Auxerrois auch um die seltene Rebsorte des roten Elbling. Das Besondere ist, dass die Reben teilweise schon älter als 30 Jahre alt sind. Eines der nächsten Projekte, die er angehen will, ist ein eigener Crémant.
Gut Ding will Weile haben
Für den angehenden Winzer scheint der wirtschaftliche Erfolg aktuell eine untergeordnete Rolle zu spielen. Ihm ist etwas anderes wichtig. „Die Leute sollen Freude an meinen Produkten haben“ meint er. Erreichen könne er das am ehesten, wenn „ich ein Produkt anbiete, das einen echten Mehrwert hat und der besteht aus der Regionalität, Reinheit und der traditionellen Herstellung.“ Kurze Wege seien für ihn essentiell, da der Konsument so einen besseren Einblick in die Herstellung habe und nachvollziehen könne, wo das Ursprungsprodukt herstammt. Deswegen stammen auch alle Früchte und Blüten, die er verarbeitet, aus der Gegend. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Kaffee, den er für seinen besonderen Schnaps „Speedy“ benötigt. Dieser ist allerdings „Fairtrade“-Kaffee, was den Idealen von Schiltz entspricht.
Allgemein ist es Schiltz wichtig, den Produkten Zeit zu geben, um hochwertige Produkt zu bekommen. Das beginnt bei der Ernte. Er legt Wert auf reife Früchte, die aber auch gesund sein müssen. Auch der Maische gibt er genügend Zeit, zu gären, was einige Wochen bis Monate dauern kann. Nur so können komplexe Aromen entstehen. Und auch das eigentliche Brennen nimmt bei Schiltz mehr Zeit in Anspruch als vielleicht bei anderen Brennern, da er langsam brennt. Alles, damit das Endprodukt so gut wie möglich wird. Am Ende erhält er aus 100 Kilo Früchten etwa vier bis fünf Euro Liter Schnaps.
Alles, was das Herz begehrt
Wieder auf dem Hof angekommen, gibt er mir noch einen Apfel-Birnen Saft zu kosten, den er zusammen mit einem Freund ebenfalls herstellt. Die beiden stellen außerdem noch Apfelchips, Apfelsaft und Apfelwein her. Mir scheint, als ob die Liste seiner Produkte gar kein Ende mehr nimmt. Daraufhin zeigt er mir die Liste mit allen Produkten und ich fühle mich bestätigt. Neben den bereits genannten Produkten stehen auf der Liste auch noch weitere Säfte sowie Holunderessig und Sirup. Beeindruckt und mit etwas Apfelwein, Holundersirup und einigem mehr im Kofferraum mache ich mich wieder auf den Weg ans andere Ende des Landes.
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