LUXEMBURG
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61. Ingenieurstag im Zeichen von Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Selten zuvor in ihrer Geschichte stand die Menschheit vor derartig schnellen Umbrüchen wie heute. Die Digitalisierung aber auch die nachhaltige Nutzung der Ressourcen vor dem Hintergrund des Erhalts der Umwelt und des Kampfes gegen den Klimawandel seien enorme Herausforderungen, die neue Arbeitsmethoden mit sich bringen und sogar neue Lebensweisen, sagte Marc Solvi, der Präsident der da Vinci asbl am Samstagnachmittag in der Handelskammer vor rund 165 Gästen beim 61. Ingenieurstag. „Und bei all diesen Strömungen und Entwicklungen haben die Ingenieure natürlich ihre Rolle zu spielen“.

Der Ingenieur und Metallurgiespezialist 
Marc Solvi steht seit fast zehn Jahren an der
Spitze des Ingenieursverbands. Bis 2014 war 
er Generaldirektor des Hochofenbauers
Paul Wurth - Lëtzebuerger Journal
Der Ingenieur und Metallurgiespezialist Marc Solvi steht seit fast zehn Jahren an der Spitze des Ingenieursverbands. Bis 2014 war er Generaldirektor des Hochofenbauers Paul Wurth

Problemen auf den Grund gehen

Eine gewichtige Rolle, seien sich doch die Ingenieure „wohl am besten der Mittel bewusst, um die nachhaltige Entwicklung zu erreichen“. Ingenieure seien durch ihre Ausbildung und ihre Praxis fähig, sich mit komplexen Problemen auseinander zu setzen und ihnen auf den Grund zu gehen, um die verschiedenen Aspekte zu beherrschen.

Dabei seien längst nicht nur technische Fähigkeiten gefragt, sondern auch Management- und Teamkompetenz, Sprachen und klare Kommunikation, so der Vorsitzende der da Vinci asbl, die derzeit alles in allem 3.000 Mitglieder zählt, davon 320 Frauen.

Für Solvi steht die Bildungsfrage im Mittelpunkt der erwähnten Herausforderungen. „Die Vielfalt und den Reichtum der wissenschaftlichen und technischen Berufe von heute und morgen zu fördern, ist eine unserer Prioritäten, umso mehr diese Berufe zukunfts- und beschäftigungsträchtig sind“, sagte der Präsident der Vereinigung, die in diesem Sinne eine Reihe von Initiativen ergriffen hat.

Zum Beispiel die „Wëssens-Ateliers“ oder die „Engineering Training Days“ (in Zusammenarbeit mit den „Jonk Entrepreneuren“), bei denen junge Menschen ganz konkret entdecken können, wie Wissenschaft funktioniert und welche Anforderungen an einen Ingenieur gestellt werden.

Innovationsförderpreis

Aber da Vinci will auch die Ingenieurs-Leistungen stärker in den Vordergrund stellen. Marc Solvi sprach in diesem Sinne vom „Grand Prix Armand Delvaux“, ein Preis für konkrete Ingenieursleistungen, die Antworten auf die Bedürfnisse der Gesellschaft liefern. Der mit 10.000 Euro dotierte Innovationsföderpreis, der alle zwei Jahre verliehen werden soll, soll in diesem Jahr definitiv gestartet werden.

INGENIEURSVEREINIGUNG

Seit 1897

Die Gründung der Ingenieursvereinigung geht auf den 27. März 1897 zurück. Damals versammelten sich 47 der rund 110 Ingenieure, die ihre Mitgliedschaft in der „Association des Ingénieurs Luxembourgeois“ anstrebten, im „Grand Café de la Place d’Armes“. Georges Wittenauer war der erste Präsident der Vereinigung, die 1903 in „Association des Ingénieurs et Industriels Luxembourgeois“ umfirmierte. Dass die junge Vereinigung schnell auf den Radar der Politik kam, belegt etwa der Umstand, dass der damalige Staatsminister Paul Eyschen sie zur Beratung über die Modernisierung der Fabriken in Luxemburg und die Schaffung neuer Industrien heranzog. Im Laufe der Jahre gründeten sich mehrere spezialisierte Ingenieursvereinigungen. 2014 beschlossen „Association Luxembourgeoise des Ingénieurs, Architectes et Industriels“, „Association Luxembourgeoise des Ingénieurs Industriels“ und „Technology Managers.lu (tema.lu)“ den Zusammenschluss in der „Association da Vinci“. Den Namen des Universalgelehrten aus der Zeit der Renaissance trägt auch das 2011 fertig gestellte und von den drei Vereinigungen sowie dem „Ordre des Architectes et Ingénieurs-Conseils“ erbaute gemeinsame Hauptquartier am „Boulevard Grande-Duchesse Charlotte“. Hier ist auch die „Association Nationale des Etudiants Ingénieurs Luxembourgeois (ANEIL) a.s.b.l.“ angesiedelt.

www.davinciasbl.lu
Bildungsminister Claude Meisch (M.) war dieses Jahr Ehrengast beim Ingenieurstag Fotos: Editpress/Anne Lommel - Lëtzebuerger Journal
Bildungsminister Claude Meisch (M.) war dieses Jahr Ehrengast beim Ingenieurstag Fotos: Editpress/Anne Lommel

Von Coding und Coaches

Wie das Bildungssystem der Digitalisierung begegnet

Man könne noch nicht genau absehen, welche Veränderungen die rasante technologische Entwicklung bringt. Die Zukunft „wird aber digitaler sein, als wir uns das heute vorstellen können“, ist sich Claude Meisch sicher. Der Bildungs-, Jugend-, Hochschul- und Forschungsminister war der Redner des Abends beim 61. Ingenieurstag und skizzierte, wie die Bildung junge Leute auf die digitale Herausforderung vorbereitet.
So wird zur kommenden „Rentrée“ das „Coding“ im vierten Zyklus der Grundschule eingeführt. Auch in den unteren Klassen der Sekundarschule soll verstärkt das Programmieren von Computerprogrammen gelehrt werden. Es gehe darum, zu verstehen, was sich hinter diesen Programmen verbirgt, die wir im Alltag nutzen, „algorithmisches Denken“ soll vermittelt werden, Fähigkeiten, IT-Probleme zu lösen. Kompetenzen, die im digitalen Zeitalter genauso wichtig seien wie Lesen, Schreiben oder Mathe. „Coding“ früh verstehen zu lernen erleichtere später auch die Entscheidung für eine Studienrichtung in einer Welt, in der händeringend nach Programmierern und anderen IT-Spezialisten gesucht wird.
Die jungen Menschen sollen sich auch unbedingt an eigenen Projekten versuchen können. Deshalb wurden „Makerspaces“ in den Lyzeen eingerichtet, wo die Schüler Computer-Material vorfinden, mit dem sie unter Aufsicht experimentieren können. Angespornt werden sollen auch Kontakte zwischen dem schulischen und dem Startup-Umfeld.

Problemlösungskompetenz, Kreativität, Teamfähigkeit und emotionale Intelligenz
Die Schule nutze die neuen Technologien natürlich auch selbst. iPads in Klassen und der Zugang zu Ressourcen im Netz würden die pädagogische Arbeit verändern. Schüler könnten sich leichter im Vorfeld vorbereiten und Lehrer würden mehr zu „Coaches“ um mit den Kindern in der Klasse konkrete Probleme zu lösen statt Frontalunterricht abzuhalten.
Genau diese Problemlösungsfähigkeit sei wichtig im digitalen Zeitalter, in der die Kompetenzen unterstützt werden müssten, die Computer nicht haben. Dazu zählt Claude Meisch auch die Kreativität, die Teamfähigkeit und die emotionale Intelligenz.
Abschließend bedankte sich der Minister herzlich bei der Vereinigung da Vinci, die hinter der Initiative „Wëssensatelier Lëtzebuerg“ steht, die vor allem junge Leute stärker dazu motivieren soll, technische und wissenschaftliche Berufe zu ergreifen. LJ