LUXEMBURG
FRÉDÉRIC HAUPERT

Welche humanitären Krisen schaffen es kaum in die Schlagzeilen? Wo leiden Millionen Menschen unbeachtet von der Weltöffentlichkeit? Der Bericht „Suffering in Silence“ von CARE liefert die Antworten und listet die Top 10 der vergessenen humanitären Krisen auf. Zuvor waren weltweit mehr als 2,4 Millionen Online-Artikel in mehreren Sprachen ausgewertet worden.

„Im vergangenen Jahr erschienen über 2,7 Millionen Artikel über den Fußballklub Paris St Germain. Real Madrid wurde gar in 3,1 Millionen Artikeln weltweit erwähnt.

Um diese Zahlen einzuordnen, reicht ein Blick auf die Artikel, die 2019 über die größte humanitäre Tragödie nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben wurden: Der Krieg in Syrien, der hunderttausende Menschenleben forderte und das Zuhause von Millionen zerstörte, kommt auf 425.000 Artikel. Immerhin, denn damit ist Syrien, die humanitäre Krise, die 2019 am meisten Beachtung erhielt.

Der CARE-Bericht ,Suffering in Silence‘ identifizierte in diesen Tagen jene humanitären Krisen, die 2019 kaum Erwähnung fanden. Trauriger Spitzenreiter ist Madagaskar. Extreme Armut und der menschengemachte Klimawandel führten dazu, dass fast eine Million Menschen dringend Lebensmittelhilfe benötigten. Erwähnt wurde dies weltweit in 612 Artikeln.

Ähnlich in Vergessenheit gerieten die Menschen, die in der Zentralafrikanischen Republik, in Sambia, Burundi, Eritrea, der DR Korea, Kenia, Burkina Faso, Äthiopien und der Region Tschadsee Not litten. In diesen zehn Krisen benötigten 51 Millionen Menschen Hilfe. Neun der zehn Krisen sind in Afrika verortet. Ihnen gemein ist, dass sie weder touristisches noch strategisches Interesse wecken, und dass sie den Folgen des menschengemachten Klimawandels in besonderem Maße ausgesetzt sind.

Die Ergebnisse des CARE-Berichtes sind jedoch keine Schuldzuweisung an die Medien. Kostendruck, der beschränkte Zugang und die Gefahren für Journalisten in Krisengebieten nehmen weiter zu. Und doch ist der Bericht ein Appell, sich nicht nur an Klickzahlen zu orientieren, um einer Berichtserstattung zu entgehen, die zwischen spektakulären Eilmeldungen und weithin gefälligen Informationen hin und her pendelt.

Auch Hilfsorganisationen müssen hierzu ihren Teil beitragen, um für jene da zu sein, die von der Welt vergessen wurden. Groß ist auch für sie die Versuchung, sich immer gerade der Katastrophe zu widmen, die in den Medien Beachtung findet.

Innovative Partnerschaften zwischen Hilfsorganisationen und Medien können eine Lösung sein. Sie stehen jedoch vor der großen Herausforderung, dass sowohl humanitäre Helfer, als auch Journalisten ihre Unabhängigkeit bewahren müssen. Die in diesem Jahr erstmals von CARE mit der Unterstützung des luxemburgischen Ministeriums für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe realisierte Initiative CORRESPONDANTS HUMANITAIRES wagt genau diesen Drahtseilakt. In Zusammenarbeit mit Medien und Akteuren der luxemburgischen humanitären Hilfe wird sie versuchen, Jugendliche aus Luxemburg zu Korrespondenten der Krisen und damit zu Kämpfern gegen das Vergessen zu machen.“

Mehr zum CARE-Bericht „Suffering in Silence“ und zur Methode der Datenerhebung finden Sie hier: www.care.lu/suffering-in-silence-2019