LUXEMBURG
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Warum immer noch Millionen Menschen auf der Welt hungern, hat die "Fondation Bridderlech Deelen" am Internationalen Welternährungstag erklärt

Das zweite der 17 Globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals - SDG), die Ende September 2015 von der UNO angenommen wurden und bis 2030 erreicht werden sollen, lautet: „Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern“, wie Sophie-Anne Schaul von der „Fondation Bridderlech Deelen“ im Rahmen des Internationalen Welternährungstags präzisiert.

Seit 1990 ist die Zahl der Hungernden zwar um etwa 215 Millionen zurückgegangen, „jedoch sind immer noch 795 Millionen Menschen permanent unterernährt!“

Jeder neunte Mensch geht hungrig schlafen. Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. An den Folgen von Hunger und Unterernährung sterben jedes Jahr mehr Menschen als an HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen. „Mehr als eine Milliarde Menschen leiden zudem am sogenannten ‚versteckten Hunger‘: Ihr Essen ist zu einseitig oder enthält zu wenig lebenswichtige Nährstoffe. Insgesamt können also rund zwei Milliarden Menschen kein würdevolles und gesundes Leben führen, weil sie nicht genug oder zu nährstoffarmes Essen haben. Paradoxerweise passiert dies auf einem Planeten, der vor Reichtum überquillt.“

Der World Food Report der UNO informiert, dass die Weltlandwirtschaft heute problemlos fast 12 Milliarden Menschen, also fast das Doppelte der Weltbevölkerung, ernähren könnte. Jean Ziegler, ehemaliger UNO-Sonderbeauftragte für das Recht auf Nahrung, ist vehement: „Wer jetzt am Hunger stirbt, wird ermordet.“

Warum hungern also Menschen im Jahr 2015?

„Die Ursachen sind vielschichtig. Hunger und Armut gehen Hand in Hand: Der Teufelskreis der Mangel- und Unterernährung schwächt die Menschen und verhindert, dass sie produktiv arbeiten können“, sagt Schaul. Wahre Hungerlöhne und Ausbeutung, vor allem in den Entwicklungsländern, machen es vielen Menschen unmöglich, sich und ihre Familien mit den nötigsten Grundnahrungsmitteln zu versorgen. Klima und Wetter beeinflussen logischerweise die Nahrungsmittelversorgung. Der weltweite Klimawandel verändert Anbau- und Erntezeit. Extremes Wetter zerstört die Ernten: zu wenig Regen verursacht Dürren, zu viel Regen Überschwemmungen.

Die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen sind daher nicht zu unterschätzen: Die Überschuldung vieler Entwicklungsländer bremst die Investitionen in ihre eigene Landwirtschaft, wodurch nicht genug produziert werden kann. Es bedarf auch dringend der Vermittlung von Wissen über Anbautechniken, Bodenbearbeitung und Bodenfruchtbarkeit in diesen Ländern, damit die landwirtschaftliche Entwicklung und Ernährungssicherheit gewährleistet wird.

„‚Landgrabbing‘ ist ein weiteres Problem: Staatliche und ausländische Investoren sichern sich große Agrarflächen in Entwicklungsländern zum Anbau von Exportgütern, anstatt für die Ernährungssicherheit vor Ort zu sorgen. Pflanzen für Agrotreibstoff werden auf Millionen von Hektar angebaut, um unsere Tanks zu füllen“, erklärt Schaul.

Finanzspekulationen

Die Spekulation mit Nahrungsmitteln in der Finanzbranche mache Essen für Millionen Menschen unbezahlbar. „Die Industrienationen entscheiden über die Bedingungen des Agrarmarktes und dabei werden die Interessen der Entwicklungsländer im Welthandelssystem wenig berücksichtigt. Der Anstieg unseres Fleischkonsums führt dazu, dass mehr Nahrung an Nutztiere verfüttert wird (zum Beispiel Mais und Soja), anstatt den Menschen zur Verfügung zu stehen.“

Leider würden auch Korruption, mangelnde Demokratie sowie bewaffnete Konflikte und Bürgerkriege in manchen Entwicklungsländern dazu beitragen, dass die Zahl der Hungernden nicht abnimmt. Oft fehlt auch die Vorsorge vor Hungersnöten: „Es gibt meist keine strukturierte Vorsorge vor Hungerkrisen. Beispielsweise könnten Regierungen Hungersnöten vorbeugen, indem sie gemeinsam ausreichend Nahrungsmittelreserven aufbauen.“

Was tun? Ein Beispiel aus Guatemala

„Der langjährige Partner von Bridderlech Deelen im Guatemala, die Stiftung ‚Fray Domingo de Vico‘, bietet Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Maya Q’eqchi‘-Ethnie in Cahabón eine theoretische und praktische agroökologische Landwirtschaftsausbildung in zwei Schulen an. Nahrungssicherheit sowie Ernährungssouveränität stehen hier im Vordergrund.“ In der zweisprachigen (q’eqchi‘ und spanisch) Bauernschule für die ganze Familie werden 200 Jugendliche, in enger Zusammenarbeit mit ihren Familien, zu einem Sekundarabschluss begleitet, während die landwirtschaftliche Berufsschule es 250 jungen Erwachsenen ermöglicht, sich ein Diplom als Agraringenieur zu erarbeiten.


Weitere Informationen zu den Projekten und der Arbeit von „Bridderlech Deelen“ findet man auf der Internetseite: www.bridderlechdeelen.lu - Spendenkonto CCPL IBAN LU74 1111 1261 0097 0000