LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Erster nationaler Aktionsplan vorgestellt: 51 Maßnahmen für bessere Prävention, Überwachung und Behandlung

Zum ersten Mal gibt sich Luxemburg einen nationalen Hepatitis-Aktionsplan. Mit dem „Plan d’action national de lutte contre les hépatites au Grand-Duché de Luxembourg“ (PANHEL) sollen die Prävention, die Überwachung und die Behandlung von chronischer Hepatitis über den Zeitraum von 2018 bis 2022 verbessert werden. Außerdem will Luxemburg so einen Beitrag zur Agenda 2030 leisten, Hepatitis C bis 2030 auszurotten. „Wir wollen eines der Länder sein, das eine aktive Rolle dabei spielt, sich diesem Ziel anzunähern“, sagte gestern Gesundheitsministerin Lydia Mutsch (LSAP). Insbesondere im Drogenmilieu ist die Lage besorgniserregend. „Es geht in die Richtung einer reellen Notsituation bei Drogenkonsumenten“, sagte Mutsch. Diese Situation habe in den vergangenen Jahren zur einer „regelrechten Epidemie“ neuer HIV- beziehungsweise Hepatitis-Infektionen geführt. Das ist insbesondere der Verlagerung des Konsums von Heroin zu Kokain geschuldet, das häufiger konsumiert wird, womit auch das Infektionsrisiko steigt. Zwischen 5.000 und 10.000 Menschen sind in Luxemburg chronisch an Hepatitis erkrankt. Hepatitis C, für das es keine Impfung gibt, wird über Blut übertragen. Auf die Frage hin, ob sie Bedarf für weitere Drogenkonsumräume im Land sieht, gab die Gesundheitsministerin folgende Antwort: „Wir sind jetzt mal froh darüber, dass wir einen zweiten Drogenkonsumraum in Esch/Alzette bekommen, der 2018 eröffnen wird.“ Was danach komme, sei Aufgabe der neuen Regierung.

Besonderer Schwerpunkt Prävention

Der Aktionsplan legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Prävention. Durch sie soll die Inzidenz, also die Anzahl neuer Hepatitis-C Erkrankungen reduziert werden. Die Präventionsarbeit soll sich sowohl an die breite Öffentlichkeit als auch auf bestimmte Zielgruppen wie Drogenabhängige richten. Da viele Menschen aufgrund ausbleibender Symptome nicht über eine mögliche Infektion Bescheid wissen, soll die Früherkennung ausgebaut werden. Auch bei der sich in Arbeit befindlichen gesetzlichen Regelung von Tattoos und Piercings spielt das Thema eine Rolle, insofern dieses Gesetz hohe hygienische Standards festlegt. Hepatitis C kann nämlich etwa durch unsterile Tätowiernadeln übertragen werden.

Daneben soll sich aber auch die Datenlage verbessern. In diesem Sinne laufen im parlamentarischen Ausschuss die Arbeiten an einer Gesetzesvorlage, mit der bestimmte Krankheiten gemeldet werden müssen. Allerdings soll es auch ein permanentes Monitoring geben.

Ein weiterer Schwerpunkt des Aktionsplans: den Zugang zur medizinischen Versorgung verbessern. Viele Menschen mit Hepatitis C leben in prekären Verhältnissen, verfügen nicht über eine Wohnung und/oder sind nicht sozialversichert. Nachgedacht wird über eine „Wohnungsstruktur“, die es erlauben würde, diese Menschen aufzunehmen und sie individuell zu begleiten. Es fehle derzeit an Kapazitäten in diesem Bereich.

Mutsch legte gestern noch Wert auf größtmögliche Synergien mit anderen Aktionsplänen wie dem neuen HIV-Aktionsplan. Für die Umsetzung des Aktionsplans, den der Regierungsrat in seiner Sitzung vom 1. Dezember angenommen hat, sind etwa zehn Millionen Euro auf fünf Jahre angesetzt. Der Aktionsplan beinhaltet 51 Maßnahmen.