LUXEMBURG
NATASCHA EWERT

Wenn Shopping nicht glücklich macht

So, ich möchte jetzt, dass jeder sich vorstellt und sagt, was er gerade in seiner Freizeit tut.“ So verlief der Anfang meines ersten Schultages im Gymnasium. Wir schreiben Mitte September 2004 und ich war gerade zwölf Jahre alt, eine kleine Leseratte, die auch gerne in der Freizeit malt. Nachdem ich meinen zukünftigen Klassenkameraden von meinem Hobby, malen, erzählte, kamen die anderen dran. Freunde treffen und Sport waren Freizeitbeschäftigung Nummer eins in meiner Klasse. Schließlich kam ein Mädchen dran, das etwas sagte und wie eine Bombe im Klassensaal einschlug: „Ich liebe Shopping!“ Viele Mädchen lachten und konnten sich gut mit ihr identifizieren. Ich jedenfalls nicht. Sie ignorierte mein entsetztes Gesicht, als ich mich zu ihr drehte. Jetzt spulen wir 14 Jahre weiter und wir befinden uns im Jahr 2016. Ich bin jetzt mehr als ein Jahrzehnt älter und mein Lieblingshobby neben Musik hören ist noch immer lesen. Aber malen tu ich seit langem nicht mehr.

Neues Hobby, neues Glück?

Doch ich genieße das Shoppen und hätte nie gedacht, dass es mir einmal Spaß bereiten würde. Ich hasse noch immer das Umziehen in den Kleiderkabinen: Das grelle Licht, der Mangel an Bewegungsfreiheit und die Unzufriedenheit, wenn mir ein schönes Kleid nicht passt. Aber ich besuche gerne kleine Boutiquen im Ausland und in Luxemburg findet man mich oft bei „Promod“ oder „Only“. Manchmal gehe ich auch zu „H&M“ und „Zara“. Trotz allem bin ich kein großer Fan von Kaufhäusern und Marken. Manche Klamotten stammen auch von Flohmärkten. Es hat lange gedauert bis ich Gefallen daran fand, Kleider zu kombinieren und einen Stil zu entwickeln, den ich noch immer nicht gefunden habe.

Ich habe mit dreizehn angefangen, Modezeitschriften wie „Elle“ und „Vogue“ zu lesen, dann bald damit aufgehört. Ich weiß nicht mehr, ob es an dem teuren Preis lag oder dass es nicht viel zu lesen gab, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt, hörte ich auf, diese Zeitschriften zu konsumieren. Heute lese ich ab und zu eine Frauenzeitung, aber Modezeitschriften enttäuschen mich immer noch.

Shoppingqueen trifft Büchernärrin

Meine Inspiration bekomme ich aus vielen Bereichen und ich gestehe: Ich habe in den letzten drei Jahren sehr viel Geld ausgegeben, nicht nur für Klamotten aber auch für meine Reisen, Bücher und Zeitschriften. Wenigstens habe ich alle meine Kleider einmal getragen, aber das mit den Büchern hat sich zu einem Teufelskreis entwickelt. Ich lese unheimlich gerne, aber manchmal finde ich nicht die Zeit dazu, weil ich noch andere Hobbys und Verpflichtungen habe, ich habe mittlerweile drei volle Kisten mit ungelesenen Büchern. Je interessanter und billiger die Bücher waren, desto mehr Geld gab ich aus.

Pause einlegen

Hat denn niemand dieses Gefühl gehabt, dass ein Besuch in einen Kleiderladen keinen mehr Spaß bereitet? Dieses Gefühl bekomme ich mindestens zweimal im Jahr, und ich finde, dass das nicht unbedingt etwas Schlechtes bedeuten muss. Denn es bedeutet, dass ich eine Pause einlegen muss und Abstand brauche von dem vielen Einkaufen.

Shopping macht nicht unbedingt glücklich und ich pfeif‘ auch auf Blair Waldorfs Worte: „Whoever said money doesn’t buy happiness, didn’t know where to shop.“ Das Problem mit dem Shoppen ist, dass wir uns durch den Einkauf vormachen und somit belügen, dass wir glücklich sind, wenn wir es haben. Aber dieses Glück ist nicht von langer Dauer. Seid mal ehrlich, ein Treffen mit Freunden oder ein gelungenes Konzert wird eher länger in unserem Gedächtnis bleiben als der Einkauf einer teuren Handtasche. Deshalb werde ich für das kommende Semester mehr sparen und somit viel Zeit in Theaterbesuche investieren. An den nächsten Kaufrausch will ich jetzt nicht denken.