LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Neuer Stundenplan in der Grundschule angedacht - Gewerkschaften gegen Erhöhung der „Tâche“

Das OGBL-Syndikat Erziehung und Wissenschaft (SEW) und das Nationale Lehrersyndikat (SNE) lehnen eine Anhebung ihres Arbeitspensums ab. Durch die mögliche Einführung eines neuen Stundenplans in der Grundschule würde sich das wöchentliche Arbeitspensum von Lehrern laut SEW um drei Stunden erhöhen. Dem OGBL-Syndikat zufolge hat Bildungsminister Claude Meisch den neuen Stundenplan bisher nur den Vorsitzenden der Schulkomitees vorgestellt. Der neue Stundenplan sieht 26 Unterrichtsstunden à 55 Minuten vor sowie zwei Stunden Förderunterricht für die ganze Klasse. Auch dadurch erhöhe sich der Arbeitsaufwand.

Zusätzlich zur Erhöhung der „Tâche“ würde die Schule durch den neuen Stundenplan in eine Tagesstätte verwandelt, befürchtet das SEW. Das SNE erinnert daran, erst 2009 mit einer Erhöhung des Arbeitspensums einverstanden gewesen zu sein. Außerdem seien die Anforderungen an die Lehrer in den vergangenen Jahren konstant gestiegen. Die „massiven Erhöhungen“ durch die geplanten Anpassungen am Stundenplan sind für das SNE „ein absolutes No-Go“. Das Syndikat werde sich mit allen Mitteln gegen eine Erhöhung des Pensums wehren, schreibt es in einem Schreiben an ihre Mitglieder. Durch die Änderungen sollen auch die Beratungsstunden für das Lehrpersonal um eine halbe Stunde auf eine Stunde reduziert werden. Die Weiterbildung auf 15 Stunden jährlich festgelegt werden.

Das SEW wirft die Frage auf, wann Lehrer noch Zeit haben sollen, um zu Korrigieren oder ihre Stunden vorzubereiten. Das SEW sieht außerdem keinen Nutzen für die Schüler, die länger von gestresst Lehrern betreut würden, als dass sie Zeit zuhause oder der „maison relais“ verbringen.

Meisch kann Rechnung des SEW nicht nachvollziehen

Bildungsminister Claude Meisch reagierte mit Unverständnis auf die Aussagen der Gewerkschaften. „Bei all den vorgeschlagenen Maßnahmen haben wir penibel darauf geachtet, die Belastung für die Lehrer nicht zu erhöhen“, sagte Meisch gestern gegenüber RTL. Er könne die Rechnung des SEW nicht nachvollziehen. Außerdem sei Meisch weiter gesprächsbereit, Änderungen nicht ausgeschlossen.

Was die Reform im Öffentlichen Dienst angeht, will das SNE weiter auf Dialog setzen. An ihren Forderungen, die sie kurz vor der Sommerpause an Meisch geschickt hat, habe sich indes nichts geändert. Eine Antwort habe das SNE noch nicht bekommen. Die Lehrer fordern unter anderem eine Änderung am Berechnungsmodus des Lehrerkontingents. Auch die „Fédération des Universitaires au Service de l’Etat“ (Féduse) attackierte gestern Meisch. Ausgehend von der Aussage von Premierminister Xavier Bettel, dass „am Enseignement Secondaire ginn an Zukunft nëmmen nach déi Stonnen ausbezuelt, déi och reell prestéiert ginn“, sei eine Büchse der Pandora geöffnet worden. Dabei würden die nicht geleisteten Stunden auf den Abiturklassen nicht einmal die zusätzliche Arbeit ausgleichen, die während des Schuljahres anfalle.