SIMONE MOLITOR

Postkartenidylle. Von wegen! Ist Ihnen dieser Gedanken während Ihres Urlaubs gelegentlich durch den Kopf gegangen? Statt weißem Puderzuckerstrand und saftig grüner Natur so weit das Auge reicht, trübt störender Abfall die Ferienlaune. Plastikflaschen schaukeln munter im Takt der Wellen auf der Meeresoberfläche. Die Plastiktüte wickelt sich beim Baden in der Traumbucht störrisch um das Bein, als würde sie um ihr Leben kämpfen. Auspuffabgase erschweren das Atmen, eine dichte Smog-Wolke hängt über der Skyline. Nein, schön ist das nicht. Aber was kümmert es uns? Wir sind wieder zuhause, wo wir brav Müll trennen, nur noch mit der Öko-Tut in den Supermarkt gehen und die Fahrzeuge mit Katalysator ausgestattet sind. Dass wir mit dem Flugzeug in ein fernes Land geflogen oder mit dem Kreuzfahrtschiff über die Weltmeere geschippert sind und dadurch eine Mitschuld an der Verpestung der Umwelt tragen, vergessen wir gerne. Und dass in anderen Ländern kein Wert auf Müllvermeidung gelegt wird, kann man doch nun wirklich nicht uns Touristen ankreiden.

Nicht unser Problem also? Ist es doch. Aber nicht unsere Schuld? Nein, so leicht kann man es sich heute nicht mehr machen. Der ein oder andere wird sich im Urlaub möglicherweise gefragt haben, warum er seine Plastikflaschen und Konservendosen stets artig in die Valorlux-Tüte packen soll, wenn doch in weniger fortschrittlichen Ländern alles auf einem großen stinkenden Haufen landet. Ist unser bescheidener Beitrag in Sachen Recycling tatsächlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn nicht die ganze Welt am gleichen Strang zieht? In der Tat habe ich mir diese Frage bereits während Reisen in die Ferne gestellt, nur um sie im nächsten Moment gleich wieder zu verwerfen, denn, wie heißt es doch so treffend, wir sind Teil eines Ganzen. Gleichzeitig bedeutet das wiederum, dass wir Mitverursacher von aktuellen Problemen sind.

Besonders aktuell ist die momentane Diskussion um das ganze Ausmaß des Plastikmülls in den Meeren. Es geht längst nicht mehr nur um die einzelne widerspenstige Einkaufstüte, die sich beim Schwimmen ums Bein wickelt, sondern um regelrechte Plastikstrudel und noch dazu Abermillionen winziger Kunststoffpartikel, die mit bloßem Auge überhaupt nicht zu erkennen sind. Ist das immer noch nicht unser Problem? Ist es eben doch. Denn ja, auch unser Plastikmüll kann sich seinen Weg - über die Flüsse nämlich - in den Ozean bahnen. Deshalb können auch wir unseren Beitrag leisten, indem wir das Problem bei der Wurzel packen und zumindest dafür sorgen, dass die Entstehung von Plastikmüll künftig eingedämmt wird.

Die Politik muss sich ihrer Verantwortung ebenfalls stellen. Dass dies durchaus möglich ist, hat zuletzt die französische Regierung gezeigt und ein entsprechendes Gesetz auf den Weg gebracht: Ab 2020 sollen Plastikbecher und -geschirr in Frankreich verboten sein. Auch die LSAP spricht sich in ihrem Wahlprogramm „für ein klares Ausstiegsszenario aus, was den Gebrauch von Plastikverpackungen und -einwegutensilien angeht“. Bis zum Ende der kommenden Legislaturperiode soll dieses Vorhaben in einem gesetzlich verankerten Verbot münden. Wir können aber auch einfach ohne Gesetz anfangen, es besser zu machen. Jeder Einzelne.