LUXEMBURGCHRISTIAN SPIELMANN

„Gospel sur la Colline“, ein ungewöhnliches Musical

Benjamin Faleyras ist ein Fan der Gospel-Musik und gründete die Gruppe „Carribean Gospel“, mit der er zwei Alben aufnahm. Mit „Gospel sur la colline“ komponierte er das erste französische Gospel- und Jazz-Musical, das in einer konzertanten Form am 16. September 2012 im Casino de Paris präsentiert wurde, und erst jetzt am 4. September in den Pariser Folies Bergère als komplette Bühnenshow uraufgeführt wurde. Theaterschauspieler und -regisseur Jean-Luc Moreau inszenierte das Musical.

Gegen die Rassentrennung

Die mit einem fantasievollen Hut geschmückte Rebecca (Firmine Richards) erzählt von der sozialen Situation der farbigen Bevölkerung in Laplace im amerikanischen Bundesstaat Louisiana im Jahr 1954, wo sie nicht die gleichen Rechte wie die weißen Bewohner haben. Ihr Sohn Jeremy (Jade Mavoungou Bayonne) liebt Jessy (Iris Florentiny), die Tochter von Sarah (Dominique Magloire), und beide wollen heiraten. Die Hochzeit könnte vielleicht in der neuen Kirche stattfinden, die Pfarrer Gédéon (Ilan Evans) auf einem Hügel erbauen will, und wo alle menschlichen Rassen willkommen sind. Gédéon kauft zu diesem Zweck dem Besitzer des Musichalls „L’Alcazar“, Bob Turner (Philippe Vauvillé), ein Grundstück ab.

Das gefällt Bobs Bruder James (Olivier Constantin) gar nicht, da er die farbigen Arbeiter auf seinen Baumwollfeldern noch immer wie Sklaven behandelt. Die Sängerin Rosa l’Amour (Myra Maud) kehrt in ihre Heimatstadt zurück und wird von Bob engagiert. Sie begegnet John (Jean-Luc Guizonne) wieder, den älteren Sohn von Rebecca. John bekommt durch Rosas Unterstützung die Chance, im Klub von Bob seine gesanglichen Qualitäten zu beweisen, wie auch das leichte Mädchen Suzy (Carla Estarque). Als die Kirche endlich steht, kann die Hochzeit gefeiert werden, wenngleich noch einige Probleme gelöst werden müssen.

Flotte Rhythmen

Die Geschichte ist nicht sehr kompliziert, erfüllt aber den Zweck zu unterhalten, und das mit einem guten Schuss Kritik an der Rassentrennung, die es auch heute immer noch gibt, und dem damit verbundenen Hass. Weiße und Farbige versammeln sich jedoch zum Schluss unter dem Dach einer Kirche, die symbolisch auf einem Hügel steht und somit weitsichtiger ist, vergessen ihre Hautfarben und leben als Menschen zusammen. Der religiöse Glauben steht dabei komplett im Hintergrund. Die Bühnenbilder, wie das „Alcazar“, die Kirche oder die Baumwollfelder, werden auf den Bühnenhintergrund projiziert, vor dem ein 9-köpfiges Orchester live spielt.

Die Lieder dienen hier nicht wie in einem klassischen Musical dazu, die Geschichte zu erzählen, sondern handeln meist von den Gefühlen der Hauptfiguren. Die Mischung aus Jazz, Blues und Gospel ist durchaus gelungen und einige Songs bleiben sogar im Ohr hängen, wie „Septième Ciel Blues“ von Suzy, der extrem melodiös-rockige „Pasteur“ von Bruder Nickols (Marc Thomas), die Gospel-Titel „L’Amour“ von Rosa und Sarah und „Lève-toi“ von Gédéon und Bruder Bacari (Jean-Michel Vaubien). Sehr gefühlvoll klingt das Duett „A quoi ça sert“ zwischen John und Rosa und das starke Lied „Tant d’amour“, mit dem Sarah einsieht, dass sie ihren behinderten Sohn Fend la bise (Manu Vince) vernachlässigt hat. Stimmlich stechen speziell Myra Maud, Marc Thomas, Jean-Luc Guizonne und Dominique Magloire hervor, doch die ganze Truppe überzeugt voll und ganz. „Gospel sur la Colline“ gefällt mit seinem ganzen, sicher ungewohnten Konzept als Musical und ist den Weg in die ehrwürdigen Folies Bergère in der Rue Richer wert. Ab dem 4. November geht das Musical auf Tournée und kommt am 27. November auch in die „Arènes in Metz“.


Weitere Informationen und Tickets unter www.gospelsurlacolline.com