LONGWY
CHRISTIAN SPIELMANN

„Grâce à Dieu“ behandelt ein aktuelles Thema

Der französische Regisseur François Ozon hat oft heikle Themen in seinen Filmen behandelt, wie in „Sous le Sable“, „Swimming Pool“, „Dans la Maison“, „Frantz“ oder „L’Amant Double“. Sein neuester Film „Grâce à Dieu“ riskierte sogar nicht in die Kinos zu kommen, da er auf wahren Ereignissen basiert, und die darin implizierten Geistlichen hatten ihn und den Produzenten gerichtlich angesucht. Das Gericht entschied jedoch zugunsten der Filmemacher. Der Film basiert auf der Affäre „Barbarin“. Der Kardinal Philippe Barbarin wurde von einer Reihe Männer angeklagt, nichts gegen den pädophilen Pfarrer Bernard Preynat unternommen zu haben, obwohl er von der sexuellen Perversion des Geistlichen wusste. Zum Thema Pädophilie äußerte sich kürzlich die katholische Kirche bei einem Gipfel im Vatikan, in dem viel über das Thema diskutiert wurde. Somit ist der Film, der in Berlin mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde, mehr als aktuell, obwohl im Prozess gegen Barbarin und Preynat das Urteil erst am 7. März gefällt wird.

Auf der Suche nach Geschädigten

Alexandre Guérin (Melvil Poupaud) ist ein gottesfürchtiger Mann, mit Marie Guérin (Aurélia Petit) verheiratet und Vater von fünf Kindern. Der sonntägliche Besuch der Messe in Lyon ist Pflicht. Doch dann erfährt Guérin, dass der Pfarrer Bernard Preynat (Bernard Verley) zurück ist. In ihm werden schreckliche Erinnerungen an die 1980er Jahre wach, wo Preynat ihn sexuell belästigte in der Zeit, als er in der Schule oder bei den Pfadfindern war. Er versucht herauszufinden, warum Preynat wieder Umgang mit Kindern hat und kontaktiert daher die Diözese in Lyon. Zuerst redet er mit deren Psychologin, Régine Maire (Martine Erhel). Dann begegnet er seinem Peiniger, der zwar nichts abstreitet, sich auch nicht entschuldigt. Guérin will vom Kardinal Philippe Barbarin (François Marthouret) wissen, warum er Preynat gewähren lässt. Er merkt, dass Barbarin nichts daran gelegen ist, dieser Affäre nachzugehen, geschweige denn Preynat seines Amtes zu entheben. Die Affäre wird mediatisiert und nach und nach melden sich weitere Geschädigte, wie François Debord (Denis Ménochet), Emmanuel Thomassin (Swann Arlaud), der ganz schlimm unter den Übergriffen zu leiden hat, oder Gilles Perret (Éric Caravaca). Sie gründen den Verein „La Parole libérée“. Es melden sich noch viele Männer, an denen sich Preynat vergriffen hat. Schließlich ziehen sie vor Gericht.

Sicher nicht Gottes Wille

Wenn Barbarin Guérin sagt, dass er das Wort „pädophil“ nicht im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen hören will, weil es eigentlich „Freund des Kindes“ heißt, so wird ersichtlich, dass ihm nichts an der Aufklärung der Attacken des Priesters liegt, ja, dass er sogar vielleicht selbst einmal der „Freund“ eines Kinds war. Guérin benutzt alsdann das Wort „pädosexuell“, was Barbarin im Kontext besser findet. Während einer Pressekonferenz meint Barbarin, dass „Dank Gottes“ (grâce à Dieu) nichts Schlimmeres passierte. Ein Reporter antwortet, ob er denkt, dass alles im Namen Gottes geschah, was sicher nicht der Fall war oder ist.

Ozon arbeitet stilistisch mit dem Off-Voice-Lesen von Briefen und Emails, die Guérin an die Diözese schreibt. Somit zeigen die Bilder lediglich, was Guérin alles unternimmt. Im Verlauf des Films nimmt der Briefverkehr ab, und die Bilder passen dann immer zu den Dialogen. Ein paar Szenen zeigen ganz dezent, wie Preynat die Kinder ausnutzte. Schlimm ist die Tatsache, dass diese Kindesmisshandlungen fast alle verjährt waren, als es zur Anklage kam. Mittlerweile hat das Gesetz in Frankreich geändert.

„Grâce à Dieu“ ist von der Thematik her ein wichtiger Film, der klar macht, dass selbst die heiligsten Geistlichen keinen Heiligenschein haben, sondern Triebe, die sie zu perversen Vorlieben für Kinder treiben. Solche Priester gehören einfach nur weggesperrt. Der Film kommt erst Anfang April in unsere Kinos, läuft aber zurzeit im „Kinepolis Longwy“ und „Kinepolis Saint-Julien-lès-Metz“.

Informationen auf www.kinepolis.fr