LUXEMBURG
LAURENT WEISGERBER

In den letzten Jahren hat man immer wieder von Masern-Ausbrüchen in Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten gehört. Erst kürzlich auch in Belgien und Luxemburg. Ebenso wurde von einzelnen einhergehenden Todesfällen oder bleibenden Gesundheitsschäden von Kleinkindern berichtet, die entweder ungeimpft waren oder zu jung zum Impfen. „Auch Erwachsene sind nicht ungefährdet“, sagt Laurent Weisgerber, der eine entsprechende Petition für eine Impfpflicht eingereicht hat, die noch in der Prüfungsphase ist.

„Nach zwei Jahrzehnten ohne Auffrischung kann der Impfschutz ungenügend sein, und die Verläufe vieler Kinderkrankheiten sind noch schlimmer und gefährlicher als bei Kindern. Es gibt sicherlich Argumente, die gegen Impfungen sprechen. Der triftigste Grund dürfte wohl eine Autoimmunerkrankung sein, die ein Impfen daher unmöglich macht. Diese Kinder sind theoretisch dadurch geschützt, dass alle Kinder um sie herum geimpft sind.

Natürlich gibt es auch Eltern, die, aus welchem Grund auch immer, nicht impfen wollen. Gerne werden Autismus und Impfverschwörungen sowie Aluminiumsalz als Adjuvanz (Impfverstärker) erwähnt. Die meisten dieser Punkte sind jedoch widerlegt oder beruhen auf mangelnder Aufklärung. Aber dies ist meine Meinung - jeder kann tun und machen, was er will, solange er niemand anderes schädigt.

Genau hier setzt meine Petition an. Ich werde nächsten Monat Vater, nach dem Mutterschutz geht meine Frau wieder halbtags arbeiten. Dann hat das Kind vier Monate, wenn es in die ‚Crèche‘ kommt. Gegen Masern, Mumps und Röteln kann jedoch erst ab dem neunten Lebensmonat, üblicherweise zwischen dem elften und 14. Lebensmonat geimpft werden. Diese Kinder sind somit ungeschützt. Sollte sich nun ein älteres ungeimpftes Kind oder jemand vom Personal infizieren, sind diese Kinder der Erkrankung ungeschützt ausgesetzt, inklusive aller potenziellen Folgen und Nebenwirkungen.

Somit hat die freie Wahl der einen Eltern indirekt die Kinder anderer geschädigt. Die Vorstellung, eventuell sein Kind zu verlieren durch die Überzeugung oder auch einfach durch die Nachlässigkeit eines anderen, ist für mich jedoch kaum ertragbar. Umso mehr, weil es einfach zu verhindern wäre. Daher sollte, wie nun auch in einigen Bundesländern Deutschlands, eine Impfpflicht gelten für Einrichtungen, in denen auch Kleinkinder betreut werden. Die Eltern, die nicht impfen, können dies weiterhin tun, aber sie müssen dann eine andere Lösung für ihre Kinderbetreuung finden. Wenn der Markt es hergibt, kann man ja sicherlich auch eine Kindertagesstätte öffnen, die ausschließlich ungeimpfte Kinder betreut.

Auf jeden Fall ist die Zeit gekommen, dass die Politik sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt - im Sinne des Schutzes von allen.“