MÜNCHEN
INGO ZWANK

32 Millionen Fluggäste: Ein Blick hinter die Kulissen des Münchner Flughafens

Es sind schon etwas andere Dimensionen gegenüber dem luxemburgischen Flughafen Findel, die sich da am Rande der bayerischen Landeshauptstadt präsentieren - und der vielseitige Wachstumstrend am Münchner Flughafen hält unvermindert an, wie uns im Rahmen einer Besichtigungstour auf Einladung der Fluggesellschaft „Condor“ vor Ort nähergebracht wurde.

Für den Flughafen war das laufende Betriebsjahr 2016 - soweit man es jetzt schon bewerten kann - in den ersten neun Monaten ein recht erfolgreiches: Alleine in diesem Zeitraum wurden knapp 300.000 Starts und Landungen gezählt. Dies stellt einen Zuwachs von rund 3,4 Prozent gegenüber 2015 dar, wie der Besucherservice des Flughafens stolz aus dem Geschäftsbericht vorträgt. Bezogen auf das gesamte Kalenderjahr rechne man mit einem Plus von rund vier Prozent, wie es heißt. Der stärkste Zuwachs wurde - bisher - im Monat September registriert. Hier hatten sich die Flugbewegungen gegenüber 2015 um 6,7 Prozent auf insgesamt 36.690 gesteigert. Die Anzahl der Fluggäste stieg so verständlich entsprechend in den ersten drei Quartalen - „um knapp drei Prozent auf die Rekordzahl von rund 32,2 Millionen“, erzählt Ann-Kathrin Seuß von der Marketing-Abteilung des Flughafens.

150 Millionen Euro für den Klimaschutz

Ein besonderes Augenmerk hat der Flughafen bereits seit einigen Jahren auf den Aspekt Klimaschutz und Umweltverträglichkeit gelegt. Als erster „Five-Star-Airport“ Europas habe man sich weitreichende Klimaziele gesteckt. „Der Betrieb als auch die Entwicklung des Airports sollen mit Blick auf die nachfolgenden Generationen fortgeführt werden“, sagt Seuß. Vor allem mit dem Ziel, einen CO2-neutralen Betrieb des Flughafens zu ermöglichen, habe man den Weg zu einem nachhaltigen und ressourcenschonenden Luftverkehr eingeschlagen.

Als erster Flughafen in Deutschland soll der Münchner Airport so CO2-neutral betrieben werden. Dies haben sich Flughafen München GmbH als auch die bayerische Landesregierung auf die Fahne geschrieben. Der Projektplan sieht vor, dass der Flughafen „die ihm direkt zurechenbaren CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 um 60 Prozent reduziert und die verbleibenden 40 Prozent durch geeignete, möglichst regionale Kompensationsmaßnahmen ausgleicht“, so der offizielle Tenor von der GmbH. Für dieses Klimaschutzprogramm sollen bis zum Stichjahr 2030 insgesamt 150 Millionen Euro aufgewendet werden.

Mit dieser Politik mache man deutlich, welche enorme Bedeutung sowohl Staatsregierung als auch der Flughafen dem Klimaschutz beimessen. Man rede nicht nur, sondern handle und setze am Flughafen innovative Maßnahmen zur Einsparung von Emissionen wirksam um, betont die Marketingabteilung. Damit sei der Flughafen München absoluter Vorreiter und ein Vorzeigemodell. Dieses Maßnahmenpaket zur Erlangung der CO2-Neutralität am Flughafen berücksichtige alle Bereiche, insbesondere auch Maßnahmen für einen besonders umweltfreundlichen Fuhrpark. „Wenn man sich die aktuelle Wintersaison ansieht, so kann man unseren Winterdienst hier als Vorzeigebeispiel präsentieren.“ Insgesamt bearbeitet dieser am Flughafen München eine Fläche von vier Millionen Quadratmetern, was in etwa 700 Fußballfeldern gleichkommt. Einen wichtigen Beitrag leisten seit dem Winter 2014 neun Kehrblasgeräte: Diese 19 Meter langen und zwölf Tonnen schweren Giganten verfügen über acht Meter breite Schilder. „Eine vier Kilometer lange und 60 Meter breite Startbahn kann in einem einzigen Durchgang geräumt werden, indem diese Kehrblasgeräte und Schneepflüge seitlich gestaffelt fahren“, erklärt der Besucherdienst.

In 30 Minuten ist die Startbahn wieder frei

Die komplette Räumung und Enteisung einer Startbahn dauere so knappe 30 Minuten. Einen störungsfreien Flugbetrieb auf den Start- und Landebahnen, Rollwegen und Vorfeldern gewährleisten pro Schicht rund 180 Mitarbeiter mit ihren Spezialfahrzeugen. Insgesamt stehen für den Winterdienst am Münchner Airport 640 Mitarbeiter zur Verfügung. „Das personelle Rückgrat des Winterdienstes stellen Landwirte und Fuhrunternehmer aus dem unmittelbaren Flughafenumland dar: Diese fast 400 Mitarbeiter, mit ihren rund 155 eigenen Fahrzeugen werden für die Räumung und Schneeabfuhr eingesetzt. Insgesamt verfügt der Fuhrpark des Winterdienstes für den nichtöffentlichen und öffentlichen Bereich über 196 Fahrzeuge“, wie ausgeführt wird.

Die mechanische Säuberung der Verkehrsflächen genießt wegen des Umweltschutzes Priorität. Nur bei Vereisungsgefahr der Betriebsflächen greife man auf den Einsatz von Enteisungsmitteln zurück. Auf großen Teilen der Flächen werde anstatt Enteisungsflüssigkeit Quarzsand ausgebracht. „Die rechts wie links der Startbahnen verlaufenden Rinnen aus Stahlbeton fangen die abtauende Flüssigkeit auf und leiten sie zum Schmelzwasser-Rückhaltebecken.“ Von hier aus werde das Schmelzwasser kontrolliert an das Klärwerk in Eitting weitergeleitet - „alles mit Sinne der grünen Flughafenpolitik“, erklärt der Besucherdienst des Flughafens.