TOURS-SUR-MARNE
INGO ZWANK

Champagne Laurent-Perrier: Rund 13 Millionen Flaschen werden hier im Jahr produziert

Eine französische Weisheit besagt: Trink niemals Wasser! Und wo, wenn nicht in der Champagne, kann man diese Weisheit in die Tat umsetzen.

Vor einigen Tagen bot sich die Gelegenheit, im Haus Laurent Perrier in die tiefen und kilometerlangen Keller hinabzusteigen und sich vor Ort - bei klassischem Modergeruch, der nun einmal in solchen Gewölben herrscht -, über die Geschichte des Hauses und seine Produkte zu informieren, inklusive Verkostung natürlich. Ich weiß nun nicht, ob die Geschichten, die sich um das Haus Laurent Perrier ranken, wirklich alle stimmen oder nicht. Aber es sind durchaus erzählenswerte Geschichten.

Wie die aus dem Jahre 1812, als der Fassmacher André-Michel Pierlot sich beruflich nicht ausgelastet sah und sich dem Immobilienhandel widmete. Sein Geschäft lief gut, so dass er eines Tages Land mit Reben erwerben konnte. Er fand Spaß daran und mutierte vom Fass- zum Weinmacher -in der kleinen Gemeinde Tours-sur-Marne, die eine der 17 Grand Crus-Gemeinden in der Champagne ist. Pierlot begann mit dem Aufbau eines Weingutes.

1925 drohte der Konkurs

Nach seinem Tod übernahm sein Sohn das Weingut. Da dieser kinderlos blieb, entschied sich Pierlot noch zu Lebzeiten, einen Teil seines Vermögens seinem Kellermeister Eugène Laurent zu vermachen. Hartnäckigen Weinkeller-Gerüchte zufolge soll dieser sein illegitimer Sohn gewesen sein. Egal, denn Laurent heiratete 1871 Mathilde Perrier. 1887 kam es im Weinkeller zu einem Unfall und Laurent starb. Wie in vielen Winzerbetrieben in der Champagne entschied sich seine Frau, den Betrieb unter dem gemeinsamen Namen Laurent Perrier weiterzuführen. Und die Geschichte nahm ihren Lauf. Einen recht innovativen noch dazu. Musste die Witwe noch „Veuve“ vor dem Firmennamen setzen, war Mathilde aber die erste, die in der Champagne Stahltanks für die Lagerung der Weine einführte. Das hatte sie sich bei einem Kellermeister aus Belgien abgeschaut, der in der dortigen Bierherstellung tätig war. 1925 starb die „Veuve Laurent Perrier“ und der Konkurs drohte.

Um ihren Söhnen ein Einkommen zu ermöglichen, erwarb die Witwe Marie-Louise De Nonancourt das Weingut Laurent Perrier, mit, so die Überlieferung, gerade noch 12.000 Flaschen Champagner im Keller.

Ihr Sohn Bernard De Nonancourt erlernte Weinbau und Champagnerbetrieb von der Pike auf; als er nach vier Jahren das Haus Lanson als ausgelernter Winzer verließ, nahm er kurzerhand deren Kellermeister mit. Das Haus Laurent Perrier mauserte sich zu einem sehr erfolgreichen Champagnerhaus.

Das viertgrößte Champagner-Haus

Noch immer ist Laurent Perrier zu 60 Prozent im Besitz der Familie De Nonancourt. Seit 1999 ist das Unternehmen auf dem Aktienmarkt vertreten. Es wird - immer noch sehr traditionell - von zwei Frauen geführt, nämlich den beiden Töchtern von Bernard De Nonancourt. Laurent Perrier ist das viertgrößte Champagner-Haus, das zusammen mit seinen Tochtergesellschaften rund 13 Millionen Flaschen im Jahr produziert. Im Weinbau wird Wert auf nachhaltige Landwirtschaft gelegt.

Adresse: Champagne Laurent-Perrier - 51150 Tours-sur-Marne - www.laurent-perrier.com