PASCAL STEINWACHS

Auch wenn sich die Abgeordnetenkammer seit gestern wieder intensiv mit der Geheimdienstaffäre befasst, so liegt das politische Leben in Luxemburg in diesen ersten Tagen nach Neujahr doch immer noch mehr oder weniger brach und befindet sich ein Großteil der großherzoglichen Politikerkaste weiterhin im Urlaub.

Dabei wird 2013 ein ganz besonderes Jahr, denn spätestens im Februar will Jean-Claude Juncker seinen Eurogruppenchefposten endgültig an den Nagel hängen, um sich nach acht langen Jahren endlich wieder ausschließlich der Luxemburger Politik widmen zu können. Dass zur gleichen Zeit in China ausgerechnet das Jahr der Schlange eingeläutet wird, ist natürlich nur ein dummer Zufall, gilt die Schlange ja nicht umsonst als sehr weise und listig, aber auch als Wesen, das nach außen hin etwas anderes zeigt, als sich im Inneren verbirgt.

Wenn Juncker, der seit unglaublichen 30 Jahren ununterbrochen in der Regierung sitzt - darunter 18 Jahre als Premier (am 20. Januar steht das nächste Jubiläum an) - nun also im nächsten Monat definitiv in die Luxemburger Politik zurückkehrt, dann hat er zwei Möglichkeiten: Entweder er bekommt endlich wieder richtig Lust an seinem Job als Regierungschef und geht die ihn hierzulande erwartenden Baustellen mit aufgekrempelten Ärmeln und als Baumeister an. Oder aber - und das steht zu befürchten - er wird noch grantiger, als er das bislang sowieso schon war, und überlässt das Regieren weiterhin seinen diversen Dauphins, um nur dann einzugreifen, um deren gröbsten Patzer auszubügeln (so geschehen zuletzt bei der Budgetvorstellung seines Finanzministers). Wer nämlich so lange mit den Großen dieser Welt an einem Tisch saß, wie Juncker das in seiner Eigenschaft als Eurogruppenchef getan hat, und - angeblich - mehrmals täglich mit den Merkels und Van Rompuys dieser Welt zwecks Euro- und Griechenlandrettung telefonierte, der dürfte mit Sicherheit gehörige Entzugserscheinungen bekommen, wenn er jetzt auf einmal nur noch viermal pro Jahr als einfacher Regierungschef nach Brüssel fahren darf und die internationale Presse nicht mehr Schlange steht.

Bleibt abzuwarten, wie Juncker mit diesem Machtverlust umgehen wird, aber da dieser bekanntlich freiwillig war, bleiben wir erst einmal optimistisch. Dabei ist 2013 ja auch das Jahr vor 2014, und was das bedeutet, muss an dieser Stelle wohl nicht mehr erklärt werden, werden sich die beiden Regierungsparteien doch hüten, sich vor den Wahlen die Finger zu verbrennen - da kann die Lage noch so ernst sein.

Besonders ist das neue Jahr aber auch deswegen, da das irgendwie immer noch unter Minderwertigkeitskomplexen leidende Luxemburg erstmals in seiner Geschichte für zwei Jahre Mitglied im illustren Kreis des Weltsicherheitsrats ist, was für ein Land mit der Einwohnerzahl einer mittleren Großstadt einen enormen Prestigegewinn bedeutet und den Verlust des Eurogruppenpostens etwas erträglicher machen dürfte.

Schließlich könnte 2013 auch die Implosion der adr mit sich bringen, und das ist doch irgendwie mal ne gute Nachricht...