LUXEMBURG
SVEN WOHL

Der „Niklosdag“ kommt auf die nationale Liste immaterieller Kulturgüter

Kultur befasst sich nicht nur mit den dinglichen Elementen. Auch wenn die „Gëlle Fra“, die Kasematten und die zahlreichen Schlösser, die sich im Großherzogtum finden, durchaus die kulturelle Basis bilden, so gehören auch Sitten und Bräuche zum kulturellen Gut der Nation. Dieses Identifikationspotenzial und deren kultureller Gehalt sollen Bestand haben, weshalb die UNESCO auch eine Liste für immaterielles Kulturerbe führt.

Drei neue Elemente sollen derweil Einzug in des nationale Register des immateriellen Kulturerbes erhalten: Der „Niklosdag“, Haus und Flurnamen wie auch die Hebammenkunst. Dies verkündete die Kulturministerin Sam Tanson (déi gréng) in einer gestrigen Pressemitteilung. Die Einschreibung erfolgte bereits zum 29. Juli diesen Jahres.

In Zusammenarbeitmit der Bevölkerung

Erstmals wurde dieses nationale Register im Jahr 2008 geschaffen. Seit 2017 zeichnet sich Patrick Dondelinger für die Führung dieses Inventars für das Großherzogtum verantwortlich. Zwei neue Elemente wurden erst vergangenes Jahr hinzu gefügt: Einmal die „Haupeschbléiser“ und die „Konscht vum Dréchemauerbauen“.

Die Ministerin betont weiter, dass diese Liste der immateriellen Kulturgüter nur in Zusammenarbeit mit den Gemeinschaften entstehen könnte. Wie bereits die UNESCO beschreibt, müsse jeder Staat Sorge tragen, diese immateriellen Kulturgüter in Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft und einzelnen Personen zu pflegen. Dementsprechend kann man online auf iki.lu ein Formular herunterladen, um eine Kandidatur zu beantragen. Die angenommenen Güter werden in verschiedene Kategorien untergliedert.

Solche immateriellen Kulturgüter müssen nicht einzigartig für ein Land sein. Bestes Beispiel ist der „Niklosdag“: In Nancy etwa wird traditionell ein großes Fest rund um diese Figur gefeiert. Das nächste große Fest findet hier am 7. und 8. Dezember statt.

Die Liste der immateriellen Kulturgüter gründet auf der UNESCO-Konvention aus dem Jahr 2003, die zwei Jahre später in Luxemburg umgesetzt wurde. Ein einziges Element dieser Liste wurde seitens der UNESCO auf die Liste der immateriellen Kulturgüter der Menschheit aufgenommen: Die Echternacher Springprozession. Erst im vergangenen Jahr wurde vom damaligen Kulturstaatssekretär ein Guy Arendt ein Aktionsplan für das immaterielle Kulturerbe vorgestellt, aus dem die aktuellen Ergänzungen hervorgegangen sind.

Mehr Informationen finden Sie auf www.iki.lu

ZUR LISTE

Immaterielle Kulturgüter

Neben der nationalen Liste der immateriellen Kulturgüter führt die UNESCO eine Liste der immateriellen Kulturgüter der Menschheit. Neben der Springprozession in Echternach finden sich hier insgesamt noch 513 weitere Einträge aus der ganzen Welt. Deutschland ist hier mit der Genossenschaft, der Falknerei, dem Orgelbau und dem Blaudruck vertreten. Belgien unter anderem mit der Heilig-Blut-Prozession in Brügge, dem Krabbenfischen auf Pferden in Oostduinkerke und dem Bierbrauerhandwerk. In Frankreich sind unter anderem die französische Reitkunst, der Karneval von Granville und die Reluiquienfeiern in Limousin vertreten.