LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Staatsanwaltschaft fordert 42 Monate Haft für hyperaktiven Kleinkriminellen

Am Mittwoch wurde der Prozess gegen Joé W. fortgesetzt. Mit auf der Anklagebank sitzen vier seiner mutmaßlichen Komplizen. Die Richter kämpften auch in dieser Verhandlung gegen Aktenberge an…

Dass der 21-jährige Joé W. um eine Freiheitsstrafe nicht herum kommen wird, liegt an seinen Vorstrafen und an seinen vielen Delikten.

Wegen eines Falls von vorsätzlicher Körperverletzung stand W. gestern vor der 12. Strafkammer. Dabei ging es auch um Raub und vieles mehr. In der Nacht vom 13. August 2017 überfiel W. zwei junge Männer in der Großgasse. Beide kamen von einem Fest und hatten sich gut amüsiert. Dann tauchte W. auf. Er fragte nach dem Handy, müsste schnell telefonieren, weil seine Mutter in der Klinik lag. Weil diese dem Täter das Handy aber nicht geben wollten, entriss dieser das Handy und rannte weg. Die Jugendlichen hinterher. Ein Nepalese kam ihnen zu Hilfe. Am Ende entstand eine Schlägerei. Aggressiver Diebstahl sei aggressiver Diebstahl, sagte die Anklagevertreterin.

Eine Tat wird eingeräumt

Am 14. September 2016 wurde einem Opfer das Handy und eine Kappe entrissen. Diese Taten bestreitet er nicht.

Das Gericht kam dann zu einem Fall, in dem W. und drei andere Männer impliziert sind. Die drei mutmaßlichen Komplizen waren in Begleitung von Joé W., als sie im September 2016 am Pariser Platz auf der Terrasse in einem Restaurant den Kellner belästigen.

Der Kellner wurde in eine Schlägerei verwickelt. Er wurde unter anderem auch mit einer zerbrochenen Flasche und einer Kette geschlagen. Als er zu Boden stürzte, wurde er auch noch getreten. Dem Kellner wurde mit dem Tode gedroht. Die Bande bestreitet die Tat. Das Opfer war zehn Tage lang krankgeschrieben. In seiner Nebenklage beantragt der Kellner 3.400 Euro Schadenersatz.

Philippe Stroesser verteidigt einen der mutmaßlichen Komplizen. Er wies darauf hin, dass das Opfer im Prozess widersprüchlich ausgesagt hätte. Das Opfer hatte nämlich behauptet, mit einer Eisenkette geschlagen worden zu sein. Das hätte sich im Prozess aber nicht bestätigt. Er beantragte einen Freispruch. Für die Schlägerei beantragte der zweite Verteidiger ebenfalls Freispruch für seinen Mandanten. Das mutmaßliche Opfer übertreibe. Für all die anderen Delikte beantragt Eric Says mildernde Umstände.

Die Verteidigerin Nicky Stoffel nahm Akte für Akte von W. auseinander. Vieles sei konfus in diesen Affären, sagte die Verteidigerin. Stoffel plädierte bei vier Beschuldigungen auf Freispruch. Mit ihrem Antrag blieb sie im unteren Bereich und plädierte auf eine milde Strafe.

Für die Staatsanwältin ist die rasante Rückfallgeschwindigkeit des Angeklagten Joé W. bedenklich. Er sei überall dabei gewesen, doch bestreite er stets die Taten. Im Straffall „Hotel und Handyklau“ beantragte sie einen Freispruch. Diese Sache sei zu konfus. Die Vielzahl der Delikte sowie die erheblichen Verletzungsfolgen wogen allerdings für sie schwer. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von 42 Monaten. Für die vier weiteren Beschuldigten forderte die Anklagevertreterin Freiheitsstrafen zwischen neun und 24 Monaten.

Das Urteil fällt am 22. März 2018.