Alexis Tsipras ist zu Jahresbeginn als idealistischer Rowdy gestartet, hat sich im Amt des griechischen Regierungschefs aber immer mehr zum gewieften Machtpolitiker gewandelt. Nach monatelangem Hickhack flossen gestern die ersehnten ersten Milliarden des neuen Hilfsprogramms - und nur Stunden später warf sich der Chef des Linksbündnisses Syriza in einen neuen politischen Kampf, diesmal im Inland. Tsipras erklärte in einer Ansprache im griechischen Fernsehen gestern Abend seinen Rücktritt. So wird der Weg für Neuwahlen frei, die am 20. September stattfinden sollen. Das Ziel: Die Ausschaltung seiner innerparteilichen Opposition.
Wie es aus ihm nahestehenden Kreisen heißt, soll das Volk nun in Neuwahlen entscheiden, wie viel politische Bedeutung der fundamentalistische linke Syriza-Flügel tatsächlich beanspruchen kann. Die abtrünnigen Genossen lehnen seine mit den internationalen Gläubigern verabredete Sparpolitik ab und haben ihm mit Nein-Stimmen im Parlament wiederholt Knüppel zwischen die Beine geworfen - und zwar gleich drei Mal seit Anfang Juli.
Die Taktik, den Gegner ständig zu überraschen, beherrscht Tsipras seit jungen Jahren. Er durchlief einen klassisch linken Werdegang. Die ersten politischen Schritte machte er als Anführer rebellischer Schüler. Er wurde Mitglied der Kommunistischen Jugend Griechenlands (KNE). Dann folgte der Weg zur Anti-Globalisierungsbewegung und dem damals unbedeutenden Linksbündnis Syriza. Unter Tsipras‘ Führung erlebte das Bündnis der Radikalen Linken (Syriza) einen fulminanten Aufstieg - von 4,6 Prozent im Jahr 2009 auf 26,9 Prozent 2012. Am 25. Januar gewann er die Wahlen klar mit 36,3 Prozent der Stimmen. Alle Umfragen deuten nun darauf hin, dass er auch die anstehenden Wahlen - wahrscheinlich am 20. September - gewinnen wird. Unklar ist jedoch, ob er die absolute Mehrheit erreichen kann. Zurzeit regiert er in einer schwierig zu führenden Koalition mit Rechtspopulisten.


