BETTENDORF
CORDELIA CHATON

Seit 1970 führen Ferd und Marie-Thérèse Kraemer ihre Schreinerei

Als Ferd Kraemer mit seiner Frau Marie-Thérèse den 1928 gegründeten Schreinerei-Betrieb seines Vaters übernahm, stand darin eine Schreibmaschine, eine Rechenmaschine und ein Telefon. „Wir hatten drei Mitarbeiter“, erinnert sich Marie-Thérèse Kraemer. Das war 1972. Ferd Kraemer war ein junger Schreinermeister, Marie-Thérèse Buchhalterin und Sekretärin.

Die Menuiserie Kraemer aus Bettendorf gibt es immer noch. Sie befindet sich auch noch an der gleichen Adresse. „Aber mittlerweile ist alles anders“, sagt Marie-Thérèse Kraemer. Ihr Mann nickt.

Statt drei arbeiten heute 30 Mitarbeiter für Marie-Thérèse und Ferd Kraemer. Vorn, in den älteren Gebäuden, zeigt eine Ausstellung, was die Schreinerei bieten kann: Treppen, Türen und Küchen nach Maß, Designmöbel, edle Hölzer aus Europa und exotischen Ländern. Auf der Rückseite ist das Unternehmen gewachsen. In der angebauten Halle stehen moderne CNC-Maschinen. In der Lackspritzkabine legt ein Mitarbeiter letzte Hand an. „Alles ist mit der Informatik verbunden, sonst geht gar nichts mehr“, sagt Marie-Thérèse Kraemer.

Klare Arbeitsteilung

Meist ist sie es, die spricht. Ihr Mann ist als Schreinermeister der Techniker und Designer, während sie sich als Buchhalterin um die Verwaltung und die Finanzen kümmert. „Aber wichtige Entscheidungen treffen wir immer zusammen“, betont die Geschäftsführerin. Sie haben ihre ganz eigene Art, miteinander umzugehen, Meinungsverschiedenheiten zu klären und den anderen zu überzeugen. Beide kennen sich so lange, dass sie die Sätze des jeweils anderen beenden können. Hin und wieder machen sie das auch.

Marie-Thérèse Kraemer trägt eine glänzend schwarze Hose mit modischem Blazer und Wildlederstiefletten. Ihr Mann ist elegant in schwarz mit hellem Blazer. Sie wirkt sehr energisch, er ausgeglichen und verschmitzt.

„Wir haben viel gesehen“, erzählt Ferd Kraemer. „Früher hatten wir hauptsächlich Massivholz bei Treppen und Türen. Wir können das immer noch, aber heute ist der Trend anders. Jetzt gibt Kombinationen mit Holz, Glas, Metall sowie neuen Materialien wie MDF, Mineralstoffe, Kunststoff, Melanine, Pressspan, Sperrholz oder Metall und Beton. Viele Platten sind leichter, dadurch handhabbarer und populärer.“ Hinter ihm im Regal des Showrooms stehen mehr als hundert verschiedene Holzmuster von einheimischen bis exotischen Holzarten.

Trends auf Messen suchen

Der Schreinermeister erzählt: „Wir haben gerade in einem Restaurant Massivholz verbaut, das sieht sehr modern aus, überhaupt nicht rustikal.“ Die Kraemers beschäftigen auch eine Innenarchitektin und achten auf Trends. „Wir besuchen regelmäßig Messen in Köln, Frankfurt Paris oder Mailand“, erzählt Marie-Thérèse Kraemer.

Das Bettendorfer Unternehmen arbeitet für Schulen, Unternehmen und öffentliche Auftraggeber. Mal schreinert Kraemer Dressings, Küchen, Schlafzimmer, Schreibtische, Trennwände und Funktionstüren, mal Schallschutz und Bankschalter mit eingefrästem Logo. Ein Lieblingsprojekt haben sie nicht. Aber komplizierte Treppen haben sie schon bis nach Dubai geliefert.

Viele Kunden kommen über Empfehlung oder über die Herbst- und Frühjahrsmesse, Architekten oder Kontakte; längst nicht alle sind Luxemburger. Sprachkenntnisse der beratenden Mitarbeiter sind daher wichtig. Die Kraemers selbst sind viel unterwegs. Gerade beispielsweise waren sie mit einer Wirtschaftsdelegation der Handelskammer in London, um sich die neuesten Trends in Sachen „circular economy“ anzusehen. „Und ob Messen im In- oder Ausland oder Wirtschaftsmissionen, es war noch nie umsonst und hat uns und dem Betrieb immer was gebracht“, unterstreicht Marie-Thérèse Kraemer.

Trotz der langen Tage, trotz der vielen Schwierigkeiten: „Uns hat es nie leid getan, dass wir den Betrieb übernommen haben“, sagen beide. Jetzt sprechen sie darüber, wie es mal weitergehen könnte. Denn die Schreinerei ist nicht alles für die beiden. „Wir können uns auch ohne den Betrieb beschäftigen“, kommentiert Ferd Kraemer lächelnd. Die Kraemers sind Mitglied in einem Serviceclub und sie haben viele Freunde und Bekannte. Ein Sprichwort sagt: Wer Schreiner werden will, muss auch harte Bretter bohren lernen. Die Kraemers haben viel gebohrt. Jetzt, nach 42 Jahren, müssen sie das niemandem mehr beweisen.