LUXEMBURG
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Das Europäische Parlament ist am Gesetzgebungsprozess der Europäischen Union maßgeblich beteiligt. Es kann zwar keine Gesetze alleine erlassen, doch ohne seine Zustimmung geht fast nichts. Am 19. März 1958 trat das EU-Parlament zum ersten Mal zusammen.
In deutscher und niederländischer Sprache gab sich die Versammlung bereits nach ihrer Konstituierung den Namen Europäisches Parlament, für die anderen Sprachen (zunächst Französisch und Italienisch) wurde er von den Abgeordneten 1962 beschlossen.
Die Abgeordneten wurden zunächst von den nationalen Parlamenten der sechs und ab 1973 neun Mitgliedsstaaten entsandt. Ab 1979 wurden die Europa-Abgeordneten alle fünf Jahre von den Bürgern direkt gewählt. Zu dieser Zeit hatte das Europäische Parlament seinen Sitz bereits in Straßburg, jedoch vor allem eine beratende Funktion. Im Folgenden wurden seine Kompetenzen Stück für Stück erweitert. So erhielt es zunächst gesetzgeberische Kompetenzen und später das Recht, die Europäische Kommission zu kontrollieren.
Im Laufe der Verträge kam dem Europäischen Parlament eine immer wichtigere Rolle zu. Heute umfassen die Kompetenzen des Parlaments im Wesentlichen drei große Bereiche, nämlich Gesetzgebung, Haushaltsbefugnis, und demokratische Kontrolle und Überwachung.

Sitzverteilung

Die Sitzverteilung pro Mitgliedsstaat erfolgt nach dem Prinzip der „degressiven Proportionalität“, das heißt die Einwohnerzahl der Staaten fällt dabei ins Gewicht: Je höher die Bevölkerungszahl, desto mehr Abgeordnete entsendet ein Staat ins EU-Parlament. Mit zunehmender Bevölkerungszahl nimmt dieser Vorteil allerdings ab. Zum Beispiel stellt Luxemburg einen Abgeordneten auf 76.000 Einwohner, während in Deutschland ein Abgeordneter auf 860.000 Einwohner kommt.

Sitz und Arbeitsorte

Das Europäische Parlament hat seinen Sitz in Straßburg, verfügt aber über mehrere Arbeitsorte: Straßburg, Brüssel und Luxemburg. Die zwölf Plenartagungen im Jahr, eine pro Monat, außer im August (keine) und im September (zwei), werden in Straßburg gehalten. In Brüssel finden die parlamentarischen Ausschüsse sowie die sechs zusätzlichen kleinen Plenartagungen statt. In Luxemburg befindet sich das Generalsekretariat (Verwaltung, Übersetzungs- und Dolmetschdienste). Zusätzlich verfügt das Europäische Parlament über eine ständige Vertretung in jedem Mitgliedsstaat der EU.

Parlamentarische Ausschüsse

Zur Vorbereitung der Plenartagungen arbeiten die Abgeordneten des Europäischen Parlaments in ständigen Ausschüssen, die jeweils auf ein bestimmtes Sachgebiet spezialisiert sind. Diese Ausschüsse tagen ein bis zwei Mal im Monat öffentlich, um an Legislativvorschlägen mitzuarbeiten. Derzeit gibt es insgesamt 20 ständige Ausschüsse und drei Sonderausschüsse (Terrorismus, EU-Genehmigungsverfahren für Pestizide, Finanzkriminalität, Steuerhinterziehung und Steuervermeidung), die je zwischen 24 und 76 Abgeordnete umfassen.

Organisation

Das Europäische Parlament umfasst vier wesentliche Organe: Der Präsident Er leitet sämtliche Arbeiten des Europäischen Parlaments und dessen Organen; dabei wird er von 14 Vizepräsidenten unterstützt. Er wird für eine Dauer von zweieinhalb Jahren gewählt und ist wiederwählbar.
Die Konferenz der Präsidenten In der Konferenz der Präsidenten, dem politischen Organ des Europäischen Parlaments, versammeln sich die Vorsitzenden aller im Parlament vertretenen Fraktionen, um die Organisation der parlamentarischen Arbeiten und die Legislativplanung festzulegen.
Das Präsidium Es besteht aus dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, den 14 Vizepräsidenten und fünf Quästoren, die als Beobachter fungieren. Der Vorstand regelt alle verwaltungstechnischen und organisatorischen Fragen und stellt den Haushaltsvoranschlag des Europäischen Parlaments auf.
Das Generalsekretariat Unter Aufsicht eines Generalsekretärs stehen ca. 5.000 per Auswahlverfahren in allen Mitgliedsländern der EU eingestellte Beamte im Dienst des Europäischen Parlaments (parlamentarische Assistenten, Dolmetscher, Übersetzer…).