LUXEMBOURG
DR. CAROLE DEVAUX

Morgen ist Welt-AIDS-Tag. 2017 stieg die Zahl der neu registrierten Infektionen in Luxemburg im Vergleich zum Vorjahr, für 2018 sind es bislang nicht ganz so viele neue Registrierungen. Besonders die Zahl der Infektionen bei der Risikogruppe der Drogenkonsumenten gingen weiter zurück – eigentlich ein positives Signal. Zudem hat der nationale HIV-Plan und das Programm zur Präexpositionsprohylaxe (PREP) erste Erfolge. Dass die Zahl der Infektionen aber insgesamt kaum sinkt, sollte dennoch zu denken geben und darauf deuten, dass noch viel Aufklärungsarbeit nötig ist, wie Dr. Carole Devaux erklärt.

„Wir haben nur noch sehr wenige neue Fälle, die aufgrund eines Drogenkonsums entstanden. Damit haben wir eine stabilisierte Situation erreicht, die auch zeigt, dass die Informationsprogramme und die Unterstützung, die wir den gefährdeten Nutzern bieten, vor Ort greift. Seit Jahren sinkt die Zahl der Infektionen bei Drogenkonsumenten weiter auf ein stabil niedriges Niveau – wir haben also eine gute, flächendeckende Beratung und Unterstützung.

Auch bei der Prophylaxe PREP sind wir solide aufgestellt und befinden uns auf dem Pro-Kopf-Niveau von Frankreich, indem bei uns 101 Nutzer beim CHL registriert sind. Dass das noch besser werden kann, ist uns aber auch bewusst – und deshalb müssen wir die PREP weiter stärken. So sprechen wir derzeit noch nicht gezielt auch alle Frauen als mögliche Nutzer an. Bedenklich ist jedoch, dass immer öfter neue Fälle registriert werden, bei denen sich die Menschen infolge eines Geschlechtsverkehrs mit dem Virus infizieren. Gerade homosexuelle Paare und ausgerechnet junge Menschen sind hier stark gefährdet; das ist einerseits ein Zeichen für eine fehlende Sensibilisierung und Information, andererseits könnte es auch ein Resultat eines laxeren, sorgenfreieren Umgangs mit dem Thema HIV sein – der Virus wird unter Umständen nicht mehr als große Bedrohung wahrgenommen. Das ist auch ein besorgniserregender Trend in ganz Europa.

Eine weitere Rolle dürfte ein ganz spezifisches Problem Luxemburgs spielen: Die Angst davor, bei der Anmeldung zur PReP ‚geouted‘ zu werden, könnte im kleinen Großherzogtum ein Thema sein. Gefährdete Menschen könnten sich gegen die Behandlung entscheiden, weil sie befürchten, jemand könnte es herausfinden.

Allgemein sind die Zahlen aber nicht im Vakuum zu betrachten. So fließen bei den Neuinfektionen eben auch jene Fälle ein, die im Ausland bereits registriert wurden. Zudem sank die Zahl der registrierten Patienten von 101 auf 80 (Stand zum heutigen 1. Dezember). So belaufen sich die reinen Neuinfektionen auf 35 – und das wäre wiederum weniger als die 60 vom Vorjahr. Ein gutes Zeichen, das zeigt, dass der nationale HIV-Plan bislang positiv angelaufen ist. Aber es bleibt noch sehr viel zu tun. Deshalb ist es auch wichtig, dass gerade am Welt-AIDS-Tag daran erinnert wird: Lassen Sie sich testen – denn nur wer um seinen persönlichen Status weiß, kann Komplikationen vermeiden.“