LUXEMBURG
NATALIA SLIOUTOVA

Angespielt: „Tears to Tiara II: Heir of the Overlord“

Ein böses Imperium überrennt ein armes kleines Königreich und muss sich jetzt mit Rebellen herumplagen. Die Geschichte von „Tears to Tiara II: Heir of the Overlord“ klingt im ersten Moment sehr simpel. Ein Eindruck, der sich in meiner Spielerfahrung auch bestätigte. Da ich „Tears to Tiara II“ nur angespielt habe und auch der erste Teil nur vom Hörensagen kenne, konnte ich mit der Geschichte herzlich wenig anfangen. Nichts ergab Sinn und auch Zusammenhänge waren Mangelware. Ein „Aha!“-Gefühl wollte sich einfach nicht einstellen. Da das Spiel zum größten Teil aus eben dieser Geschichte besteht, die man als Spieler in den ersten fünf Stunden überhaupt nicht kontrollieren kann, sondern dazu verdammt wird, dumpf die „X“-Taste zu drücken, entwickelte sich das Ganze für mich zu einem puren Frusterlebnis.

Warum rennst du die ganze Zeit gegen eine Mauer?

Es gab aber auch ein paar lichte Momente, wie zum Beispiel die drei Kämpfe, die die fünf Stunden „X“-Drücken unterbrochen haben. Die Kampfmechanik erinnerte dabei stark an die älteren „Final Fantasy“-Spiele gemischt mit „YU-GI-OH: Duelists of the Rose“. Die Figuren werden auf einem Areal bewegt, das in Quader unterteilt ist und dürfen abwechselnd Aktionen ausführen. Nicht besonders strategisch meiner Meinung nach, wo es doch angeblich ein Strategiespiel sein soll.

Abgesehen von den Abwechslung bringenden Kämpfen, sind mir vor allem die schön gezeichneten Kulissen und Figuren aufgefallen. Während den Dialogsequenzen wurden einzelne Charaktere im Vordergrund eingeblendet um ihre Gesichtsausdrücke besser zum Vorschein zu bringen. Man konnte dabei auch die Figuren und ihre Kleider besser ausmachen, da diese ansonsten nicht gut zu sehen sind.

Leider erscheinen die Sequenzen, in denen nicht gesprochen wird, eher fad und verpixelt. Die Figuren auf dem Bildschirm bewegen sich in einem immer gleichen Muster und ähneln eher Puppen als Personen. Ich habe mir einen Spaß daraus gemacht, fünf Minuten lang einem Pixelmännchen zuzusehen wie es immer wieder gegen die Mauer gelaufen ist, während um ihn herum andere Figuren mit irgendwelchen Bauarbeiten beschäftigt waren.

In Anbetracht der Tatsache, dass ich bis jetzt nie die Gelegenheit hatte, ein „Visual Novel“ wie dieses zu spielen, scheint „Tears to Tiara II“ nicht gerade die beste Einsteigerwahl gewesen zu sein. Der Umstand, dass ich praktisch fünf Stunden lang damit zugebracht habe, mir ein Bilderbuch auf meiner PlayStation anzuschauen, trägt auch nicht unbedingt zur Verbesserung meiner Meinung über das Spiel bei.

Für Hardcore-Fans, die mit dem Genre und dem Spiel vertraut sind, mag es vielleicht interessant sein, jedoch nicht für Neueinsteiger wie mich. Zusammengefasst hat „Tears to Tiara II: Heir of the Overlord“ zwar ganz hübsche Charakterdesigns vorzuzeigen, aber die mediokre Grafik und Kampfsequenzen machen das positive Bild schnell zunichte.