LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Frühjahrsmesse startet - Schneider ruft zu Pflege des Sozialdialogs auf - Luxexpo mit Investprogramm

Die Weltwirtschaft sieht derzeit einem wahren Paradigmenwechsel entgegen, dem sich Europa und Luxemburg nicht entziehen können, betonte Wirtschaftsminister Etienne Schneider am Samstag bei der Eröffnung der Frühjahrsmesse. Schätzungen der EU-Kommission zufolge wird bis 2015 90% des globalen Wirtschaftswachstums außerhalb Europas generiert. „Wenn wir nicht mehr genügend Wachstum im Land haben, müssen wir es woanders suchen“, so Schneider mit Hinweis auf anstehende Wirtschaftsmissionen in die Türkei, nach China und Indien.

„An einem Punkt der Stagnationangekommen“

Luxemburg müsse allerdings auch verstärkt Flagge in den USA und in Europa zeigen. „Wir sind in Europa und auch in Luxemburg an einem Punkt der Stagnation angekommen und es ist an uns gemeinsam zu entscheiden, welchen Weg wir einschlagen möchten“, unterstrich der LSAP-Politiker, der davor warnte, im „Immobilismus“ zu verharren.

Die Konjunkturaussichten seien zwar alles andere als rosig, doch Luxemburg ziehe weiterhin Investoren an, während der Staat weiterhin in Infrastrukturen investiert. Allein für das laufende Jahr sein 1,7 Milliarden Euro vorgesehen. Kommende Woche wird Schneider gemeinsam mit Unternehmen, an denen der Staat beteiligt ist, einen „kleinen Marshall-Plan“ über 2,5 Milliarden Euro für die kommenden fünf Jahre vorstellen. Schneider wünscht sich, dass sich auch private Investoren an den Bemühungen beteiligen, die übrigens nicht Sache des Wirtschaftsministers allein, sondern der gesamten Regierung seien. So erwartet er sich beispielsweise, dass Mittel frei gemacht werden, um öffentliche Bauprojekte zu verwirklichen und die Ankündigungen in Sachen „simplification administrative“ umgesetzt werden. Auch die Frage der Energiepreise am Standort Luxemburg müsse diskutiert werden, so Schneider, der die rezente Entscheidung der Europäischen Zentralbank, den Leitzins zu senken, sehr begrüßte. Das sei ein wichtiges Zeichen für die Wirtschaft. Positiv sieht er ebenfalls die Bemühungen der EU-Kommission in Richtung gemeinsame Industrie- und Handelspolitik. Der Weg aus der Krise sei allerdings lang und steinig. Dass die weiterhin angespannte Konjunkturlage auch auf den Sozialdialog drückt, liegt auf der Hand. Das zeigt sich unter anderem anhand der außergewöhnlich hohen Zahl von Kollektivvertragsverhandlungen, die vor dem Schlichtungsamt landeten. Schneider appellierte an die Sozialpartner, den Sozialdialog trotz allem zu pflegen und gemeinsam Lösungen zu suchen. Manchmal müsse man etwas zurück treten, um besser springen zu können.

Messe bringt Wirtschaft jährlich rund 120 Millionen Euro

Eine Lösung gesucht hat auch der Verwaltungsrat der Luxexpo, der durch die Entscheidung der Regierung 2011, das Bauprojekt für ein neues Messegelände auch Kirchberg nicht mehr zu unterstützen, ziemlich kalt erwischt wurde.

Seit letztem Jahr ist auch klar, dass die Luxexpo voraussichtlich die nächsten 15 Jahre auf Kirchberg bleiben muss. Eine Situation, die notwendige Verbesserungen am Angebot für Aussteller und Besucher erschwert. Ein klarer Nachteil in einem sehr konkurrentiellen Umfeld in der Großregion sowie europaweit. Doch der Luxexpo-Verwaltungsrat will das Beste aus der Lage machen: Mit dem Programm „New Exhibition & Congress Center 2018“ sollen die zum Teil aus den 1970ern stammenden Infrastrukturen auf Vordermann gebracht werden. Flächendeckendes WiFi, zusätzliche Parkmöglichkeiten und die Erneuerung des Restaurants „Réimerwee“ sind dabei nur einige Baustellen, die in nächster Zeit in Angriff genommen werden sollen. Die Luxexpo könne sich schließlich nicht leisten, stehen zu bleiben, unterstrich Verwaltungsratspräsident Raymond Schadeck, der den Impakt der Messe auf die hiesige Wirtschaft mit 120 Millionen Euro jährlich bezifferte. Übers Jahr nutzen übrigens etwa 3.000 Unternehmen die Infrastrukturen, in denen 60 Veranstaltungen stattfinden und zirka 400.000 Besucher aus und eingehen.