JERUSALEM
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Lage in Jerusalem weiterhin dramatisch - Auch im Westjordanland kommt es zu Unruhen

Nach Tagen der Gewalt in der Altstadt von Jerusalem und einem verheerenden Konflikt im Westjordanland hat die israelische Polizei Möglichkeiten zur Beruhigung der Lage abgewogen. Um die Spannungen zu reduzieren, würden bald „Alternativen“ zu den Metalldetektoren rund um den Tempelberg aufgestellt, berichtete der israelische Fernsehsender Channel 2 am späten Samstag. Am Abend kam es in der Nähe der Altstadt von Jerusalem abermals zu Auseinandersetzungen.

Der Militäroffizier Yoav Mordechai sagte, Israel sei offen für Alternativen zum Schutz der heiligen muslimischen und jüdischen Stätten in Jerusalem, solange „die Prävention eines nächsten Angriffs“ sichergestellt werde. Er leitet die Abteilung für zivile palästinensische Angaben innerhalb des israelischen Verteidigungsministeriums. Regierungsvertreter haben zwar zugesagt, muslimischen Gläubigen weiterhin Zutritt zur Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom zu gewähren. Jedoch haben sie nicht mitgeteilt, wie sie große Massen zu belebten Zeiten schnell durch die derzeit installierten Metalldetektoren schicken wollen.

Derweil hielten Hunderte Muslime in der Nähe der Hochfläche in der Jerusalemer Altstadt demonstrativ ihre Abendgebete ab und setzten ihren Protest gegen die von Israel erhobenen Sicherheitsmaßnahmen fort. Im Anschluss kam es zu Zusammenstößen, bei denen die Polizei Tränengas und Wasserwerfer einsetzte, um die Demonstranten zu vertreiben. Berichte über Verletzte gab es zunächst nicht, doch zuvor war ein Palästinenser unter unklaren Umständen bei einer anderen Ausschreitung getötet worden.

Gewalttat sorgt für Entsetzen

Am Freitag hatte eine Gewalttat in der Siedlung Halamisch nordwestlich von Ramallah für Entsetzen in Israel gesorgt, als ein junger Palästinenser eine jüdische Familie angriff und drei Menschen tötete. Der Vater des Attentäters sagte, sein Sohn sei durch den Wunsch motiviert gewesen, den heiligen Stätten in dem Al-Haram Asch-Scharif, dem edlen Heiligtum, „Ehre“ zu erweisen. Von dort aus soll nach islamischem Glauben Mohammed in den Himmel gefahren sein. Der Berg, auf dem die Stätten stehen, ist als Tempelberg auch Juden heilig, weil dort in der Antike der jüdische Tempel stand.

In einem Facebook-Eintrag hatte der 20-jährige Angreifer vor der Tat erklärt, er erwarte, dabei zu sterben. Sein Körper solle anschließend in ein Banner der radikalen Palästinenserorganisation Hamas gehüllt werden. Er hatte eine Familie mit einem Messer attackiert, als diese gerade die Geburt eines Enkelkindes gefeiert hatte. Dabei tötete er den Angaben zufolge einen Mann und zwei seiner erwachsenen Kinder. Die Ehefrau des Mannes wurde schwer verletzt. Der Angreifer kam mit Schussverletzungen ins Krankenhaus.

Als das israelische Militär am Samstag das Haus des Attentäters überprüfte, warfen laut Behördenangaben rund 50 Menschen in der Ortschaft Kobar Steine auf die Soldaten. Im Zuge der Durchsuchungen wurde ein Bruder des Angreifers festgenommen. Anwohner berichteten, die Soldaten hätten Gummigeschosse abgefeuert und Tränengas eingesetzt.

Metalldetektoren für Palästinenser ein Versuch der Kontrollübernahme

Israel hatte nach einem Attentat Ende vergangener Woche Metalldetektoren an den Zugängen zu den muslimischen Heiligtümern in Jerusalem aufgestellt. Palästinenser sehen darin einen Versuch, die Kontrolle über den Berg an sich zu ziehen. Aus Protest gegen die Detektoren beteten am Freitag Zehntausende Muslime auf den Straßen Jerusalems. Anschließend kam es zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und Sicherheitskräften, bei denen drei Palästinenser getötet wurden. Dutzende erlitten Verletzungen.

Das Nahost-Quartett für die Friedensverhandlungen zwischen Palästinensern und Israelis zeigte sich angesichts der eskalierenden Spannungen besorgt. In einer gemeinsamen Erklärung forderten Gesandte Russlands, der Vereinigten Staaten, der UN und der EU am Samstag, die Lage müsse sich schnell entspannen.

Indes besuchte der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman den Tatort in Halamisch. Den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas rief er auf, die Attacke zu verurteilen, die er als „Gemetzel“ bezeichnete. Auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu fand klare Worte für die Tat. Es habe sich um „einen Terrorakt“ gehandelt, der „von einem Tier ausgeübt wurde, das mit unergründlichem Hass aufgehetzt wurde“, erklärte er am Samstagabend in seinem ersten öffentlichen Kommentar zu dem Angriff.