LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Nicole Kuhn-Di Centa, neue Präsidentin der LASEP, über die Rolle des Schulsports und ihre Zielsetzungen

Sie kennt die „Ligue des Associations Sportives de l’Enseignement Fondamental“ (vormals: „Primaire“) in- und auswendig: Nicole Kuhn-Di Centa ist seit 1985 in der Liga engagiert. Seit 1990 trägt sie Verantwortung im Komitee der LASEP, war lange Vizepräsidentin, Ende Februar wurde sie anlässlich der 54. Generalversammlung zur Vorsitzenden der Liga. Ein Gespräch über ihre Zielsetzungen und die Bedeutung des Schulsports.

Frau Kuhn-Di Centa, Sie sind seit Jahrzehnten in der LASEP engagiert und sind eine wichtige Schaltstelle in der Organisation. Was hat sie nun motiviert, für den Vorsitz zu kandidieren?

Nicole Kuhn-Di Centa Also zunächst war eine externe Lösung ins Auge gefasst worden, nachdem der Präsident Marcel Rath angekündigt hatte, sein Amt zur Verfügung stellen zu wollen. Als sich aber keine solche Lösung anbot, gab es Gespräche im Komitee, um seine Nachfolge zu organisieren. Das Amt ist mit großer Verantwortung und viel Einsatz verbunden und ich habe zunächst mal mit meiner Familie darüber gesprochen, ob sie mich dabei unterstützt, diese Last zu tragen. Die LASEP ist ein bedeutender Teil unseres Lebens. Mein Mann war jahrelang Generalsekretär. Ich habe mich stets sehr viel investiert. Am Ende kamen wir zur Schlussfolgerung, dass ich die neue Mannschaft anführen werde.

„Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen“, zitierten Sie Aristoteles beim Kongress. Wie möchten Sie die Segel denn setzen?

Kuhn-Di Centa Vor allem möchte ich dafür sorgen, dass die LASEP noch deutlich präsenter in den Köpfen wird. Mit der Zielsetzung, eine Präsenz in allen Gemeinden zu erreichen und mehr Kursleiter, Kinder und Eltern für die Bewegung zu begeistern.

Die LASEP hat derzeit Sektionen in 68 Gemeinden. Der Weg zu 102 ist also noch weit. Wo wollen Sie dabei ansetzen?

Kuhn-Di Centa Wie gesagt, muss man unablässig vor Ort sein. Das heißt auch bei den Schöffen- und Gemeinderäten vorsprechen und sie davon überzeugen, wie wichtig der Sport für die Kinder ist. Und darüber hinaus dafür sorgen, dass Sportstätten für LASEP-Aktivitäten zur Verfügung stehen. Die Koordination ist nicht immer so einfach.

Aber auch wenn die Gemeindeverantwortlichen die LASEP unterstützen, benötigen Sie noch viel mehr Kursleiter. Wie schwierig ist es, diese anzuwerben?

Kuhn-Di Centa Wir leben in einer Gesellschaft, in der viel Zeitdruck herrscht und es wird in der Tat immer schwieriger, Menschen für Aktivitäten zu begeistern, die zu ihrem Arbeitspensum und ihrem Familienleben hinzukommen. Manchmal braucht es aber auch nicht außergewöhnlich viel Motivation, damit Leute sich engagieren. Oft reicht dazu die Unterstützung von erfahrenen Menschen. Ich setze deshalb neben unseren In-House-Aus- und Weiterbildungen auf das Coach-Konzept: Wir wollen den neuen Kursleitern sechs Wochen lang einen erfahrenen Kursleiter zur Seite stellen. Außerdem arbeiten wir an einem Pool von Ersatzkursleitern.

Koordination ist ja auch mit anderen Akteuren unerlässlich. Zum Beispiel mit dem Bildungsministerium und den Betreibern der Maisons-Relais. Wie wollen Sie das verbessern?

Kuhn-Di Centa Wir haben bereits gemeinsam mit dem Bildungsministerium, dem Syvicol und der „Fédération des acteurs du secteur social au Luxembourg“ eine Plattform gegründet, in der wir uns regelmäßig treffen, um Probleme zu besprechen und die Koordination zu verbessern. Die Idee einer solchen Plattform kam nicht zuletzt während der Verhandlungen über unsere Konvention mit dem Bildungsministerium auf den Tisch. Diese wurde bereits im April 2019 beschlossen, seit Ende Januar ist sie unter Dach und Fach und die Beziehungen zwischen den Maison-Relais und der LASEP haben endlich einen legalen Rahmen.

Die Beziehungen mit dem Bildungsministerium sind also gut? Wie reagiert es auf Forderungen für zusätzliche Unterstützungsgelder?

Kuhn-Di Centa Ich muss sagen, dass wir einen sehr guten Draht zu Minister Claude Meisch haben, dem unsere Sache wichtig ist und der unserem Engagement mit viel Respekt begegnet. Ich glaube nicht, dass die Konvention so schnell ins Rollen gekommen wäre, wenn wir nicht dieses offene Ohr beim Minister gehabt hätten. Die Fördergelder sind natürlich immer heikle Punkte. Fakt ist allerdings, dass die LASEP-Kurse etwas kosten und logischerweise mehr, wenn man sie ausdehnen möchte. Wir haben die Transportkosten, aber auch die Entschädigungen der Kursleiter, die bei 25 Euro liegen und seit 2009 nicht mehr angepasst wurden. Würden wir sie an die Indexentwicklung anpassen, müsste unser Budget um rund 60.000 wachsen. Darüber diskutieren wir derzeit und diese Diskussion hat auch viel mit Anerkennung einer wichtigen Arbeit zu tun.

Es wird oft gesagt, dass sich die Kinder in unserer Bildschirmgesellschaft immer weniger bewegen, was zu zahlreichen Problemen führt. Können Sie das im Alltag feststellen?

Kuhn-Di Centa Man merkt in der Tat, dass die motorische Koordination bei den Kindern abgenommen hat. Die Regelmäßigkeit der Bewegung muss deshalb groß geschrieben werden. Dafür setzt sich die LASEP ein, aber auch die Bildung, die mit ihrem Konzept der bewegten Schule viel leisten kann. Zehn bis 15 Minuten Bewegung in der Klasse, Sitzbälle und Stehpulte, das bringt enorm viel. Ich würde mir eine Stunde Sport täglich in den Schulen wünschen. Dass das schwierig ist, in den Stundenplan zu packen, ist mir bewusst. Aber wenn der politische Wille da ist, würde auch das klappen.
Die 1964 gegründete „Ligue des Associations Sportives de l’Enseignement Fondamental“ komplettiert das schulische Sportangebot für die 3- bis 12-Jährigen.

Sie bietet stetig eine ganze Palette an Sportmöglichkeiten,

um die unterschiedlichen sportlichen Begabungen, Neigungen und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler optimal zu berücksichtigen mit folgenden Zielen:
die Gesundheit und Leistung zu fördern und vor allem soziale
Verhaltensweisen einzuüben.

Seit Februar 2009 ist die LASEP fest im Schulgesetz verankert.

Rund 7.000 Schüler haben heute eine LASEP-Lizenz, die Liga zählt 723 Kursleiter und hält wöchentlich 765 Kurse ab.

Derzeit finden allerdings wegen der Coronavirus-Krise keine LASEP-Aktivitäten statt, und das voraussichtlich bis zum 29. März.

www.lasep.lu