LUXEMBURG
DAMLA KAYAKIRAN

„American Fugitive“: In seinem neuesten Top-Down-Sandboxspiel reißt Fallen Tree Games den Spieler in die Realität eines Gefängnisflüchtlings

Mittelamerika, 1980. Das Abenteuer des Protagonisten Will Riley beginnt, als er eines Nachts einen dringenden Anruf von seinem Vater erhält und diesen bei einem anschließenden Besuch brutal ermordet in seinem Anwesen vorfindet. Als die Polizei genau in diesem Moment die Szene stürmt, wird Will als Hauptverdächtiger festgenommen und kommt unschuldig hinter Gitter - doch nicht für lange, denn nun möchte Will nicht nur den Mord seines Vaters aufklären, sondern auch seinen eigenen Namen wieder reinwaschen. Als Resultat findet sich der Spieler in seiner ersten Mission mitten in einem Gefängnisausbruch wieder und erforscht nach der erfolgreichen Flucht die Welt von „American Fugitive“.

Kurz darauf wird klar, dass auch Will kein Unschuldsengel ist. Autodiebstähle, Einbrüche, Schießereien, Entführungen und Ermordungen stehen in Wills Suche nach „Gerechtigkeit“ an der Tagesordnung. Die gestaltungstechnische Umsetzung dieser Dinge erinnert stark an die „Grand Theft Auto“-Titel. Begeht Will eine Gesetzwidrigkeit, wird die Polizei auf ihn aufmerksam. Das Spiel signalisiert den Grad seiner Fahndung mittels eines Maximums an fünf Sternen. Während die Polizei bei einem Stern kaum eine Verfolgung aufnimmt, ist bei fünf Sternen ein volles Einsatzkommando mit bewaffneten Wagen und Helikopterreihen zu erwarten.

Alles in allem ein bekanntes und faires Prinzip, wenn die Fahndungsbedingungen nicht so überempfindlich wären. Jeder verursachte Kratzer auf einem Straßenschild, jede leichte Beschädigung eines Zauns und jeder noch so leichte Zusammenstoß mit einem anderen Auto erhöhen sofort den Fahndungsstatus und machen eine Konfrontation mit der Polizei unausweichlich. Zieht man jetzt auch noch die an sich schon problematische Steuerung in Autos und die absolute Prägnanz der Verfolgungsjagden in Betracht, erweist sich ein bedeckter Spielstil als äußerst schwierig. Begünstigt wird das auch durch die automatischen Alarmanlagen in den Häusern, die trotz Leerstand nach wenigen Sekunden die Polizei anlocken und der Tatsache, dass viele Hauptmissionen die teilweise korrupte Polizei selbst als Zielscheibe haben.

Vorgetäuschte Entscheidungsfreiheit

Mit dem aus den Missionen verdienten Geld kann man diverse Fähigkeiten erwerben. So sind hier Möglichkeiten für ein effektiveres Schleichen, längeres Sprinten, das Tragen mehr Gegenstände, eine Erweiterung der Munitionskapazität und vieles mehr gegeben. Diese Upgrades sorgen vor allem gegen Ende des Spiels für ein absolutes Überlegenheitsgefühl im Vergleich zu den ersten Spielstunden. Weniger gelingt das bei anderen Aspekten wie die Antwortoption in Gesprächen. Dem Spieler wird bei Unterhaltungen eine Entscheidungsfreiheit vorgetäuscht, die aber nicht den geringsten Einfluss auf den Ausgang der Konversation oder der Handlung an sich bietet.

Trotz der Kritikpunkte ist „American Fugitive“ aber ein Augenschmaus. Das Spiel überzeugt durch die wunderschöne Optik, dem überraschend guten Soundtrack und durch die vielen kleinen Details, die es dem Spieler bietet. Sei es die Möglichkeit, sich umzuziehen und den Cops zu entkommen oder sei es die Zeit, die man in den Shops verbringt. Der Spieler hat trotz den repetitiven Aufträgen alle Hände voll zu tun und die Suche nach der Auflösung des Mordfalles an sich - mit dem Einblick in die Vergangenheit und der tatsächlichen Persönlichkeit des Hauptcharakters - bietet eine kontinuierliche Spannung, die sich über das Spiel zieht.

Erhältlich für PC, Xbox, PS4 und Switch.