LUXEMBURG
NICOLAS WURTH

Handelsstreit, Flüchtlingskrise und die stärker sichtbar werdenden identitären Bewegungen lassen das Offensichtliche nicht mehr leugnen: Europa ist angeschlagen. „Unsere Union steht heute vermehrt vor Herausforderungen, die einzelne Staaten nicht alleine bewältigen können“, sagt Nicolas Wurth. Das alles passiere in einer Welt, die sich stark verändert habe, findet der junge Politiker, der für die DP mit in die Parlamentswahlen geht. Allianzen von gestern seien nicht mehr die Allianzen von heute. Wettbewerbsfähigkeit auf dem internationalen Markt, Digitalisierung und Klimawandel seien zu Herausforderungen geworden, die die nationalen Territorien überschreiten. 

„Gegenüber Euroskeptikern plädieren überzeugte Europäer wie Emmanuel Macron, Guy Verhofstadt und Xavier Bettel immer wieder: ‚Wir brauchen heute mehr Solidarität in der EU, mehr Verantwortung und mehr Kompetenzen für die europäischen Institutionen und vor allem mehr Mut im europäischen Diskurs.‘

Und ja, die Welt von heute braucht eine starke, handlungsfähige EU. Europa muss die Fähigkeit entwickeln, als Union eine Rolle bei der Gestaltung globaler Angelegenheiten zu spielen. Dabei bleibt die Frage nach der Europäischen Souveränität auschlaggebend. Wenn Europa die gesamte politische, wirtschaftliche und militärische Macht seiner Nationen bündelt, würde seine Rolle in der Welt gestärkt werden. Ein souveräner Akteur zu sein, würde der Union erlauben konkret zu handeln. Dies ist das Europa, das ich mir für die nächsten Jahre wünsche. Vergessen wir nicht, Europa hat Großes geleistet, was auch der Jugend zugutekommt: Europaweites Reisen, Studieren und Arbeiten sind Chancen, die unsere Eltern nicht hatten.

Welche Rolle spielt Luxemburg auf diesem Weg? Auf der Straße Europa muss unser Land weiterhin im Cockpit sitzen. Luxemburg hat seit dem Beginn der Europäischen Integration eine Vorreiterrolle gespielt. Wir müssen deshalb in der aktuellen Europadebatte eine klare Sprache sprechen. Die europäische Idee muss weiterhin verteidigt werden. Dies müssen wir nicht stur und selbstzufrieden tun, sondern kritisch, konstruktiv und vor allem im Dialog mit den Bürgern. Ich begrüße deshalb die Initiative von Xavier Bettel, sich am 6. September 2018 mit Emmanuel Macron den Fragen der Bürger gestellt zu haben. Die Europäischen Staats- und Regierungschefs müssen im Dialog auch die Schwächen der EU hervorheben und die Ängste der Bürger nachvollziehen und anerkennen. Sie müssen die Vorgehensweise der Europäischen Institutionen erklären und begründen. Nur so bekommen wir wieder ‚mehr Europa in der Union und mehr Union in unserem Europa‘, wie es J.-C. Juncker ausdrückte.

Aber vor allem müssen wir als überzeugte Europäer den Populisten und Nationalisten entgegentreten. Die eigene Stimme nicht erheben, heißt den Identitären das Lenkrad zu überlassen. Ich bin überzeugt, dass die große Mehrheit in Luxemburg und in den anderen europäischen Ländern weiterhin an ein geeintes, demokratischeres und souveränes Europa glaubt. In dieser ganzen Debatte möchte ich mitreden und an diesem Projekt möchte ich mitarbeiten.“