GÖBLINGEN
CLAUDE KARGER

"Fünf Meter Null Fünf? Okay. Jetzt drüben“: Jacques Bonifas, der Präsident der „Georges Kayser Altertumsfuerscher“ und Ausgrabungsleiter läuft mit einer Messlatte über die Ausgrabungsstätte „am Miecher“ zwischen Göblingen und Nospelt, während ein Kollege mit einem Theodolit die Distanzen bestimmt. Unablässig piept ein Metalldetektor, hört man das Schaben der kleinen Kellen, mit denen die Ausgräber zu Werke gehen, um Bodenschicht um Bodenschicht abzutragen, bringen Helfer den Schutt aus Jahrhunderten mit Schubkarren weg, versuchen andere, Baumwurzeln aus dem Weg zu schaffen. Es ist der letzte Tag des diesjährigen Archäologie-Jugendlagers auf dem ehemaligen gallorömischen Gutshof.

Seit dem 30. Juli nahmen bis zu 30 Jugendliche an dem „Camp“ teil. Aber ständig kommen auch erwachsene Helfer hinzu. Ein Herr mit einem spanischen Akzent fragt, wo er Hand anlegen kann. Ein Mitarbeiter des Außenministeriums erkundigt sich, was noch zu tun ist. Die „Georges Kayser Altertumsfuerscher“ haben viele Freunde, zahlreiche Freiwillige sind seit Jahren dabei. An diesem Samstag drehen die Ausgrabungen rechts des Hauptgebäudes der ehemaligen „Villa Rustica“ auf Hochtouren. Denn endlich herrscht gutes Wetter. Wenn es wie in den letzten Tagen stark regnet, steht der Betrieb ziemlich, denn dann laufen die Aushubgräben voll Wasser, das dann einige Zeit braucht, bis es wieder im Waldboden versickert. Auch jetzt steht es noch in einem der mit ziemlicher Sicherheit vorrömischen Pfostenlöcher, die freigelegt werden konnten. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass hier das Erdreich dunkler verfärbt ist: Verrottetes Holz hinterlässt solche Spuren. Wann hier eine Holzstruktur stand, das müssen weitere Forschungen ergeben. Drei bis vier Bauphasen aus mehreren Jahrhunderten vermuten die Ausgräber an diesem Ort. In einer Ecke wurde eine Stelle mit wasserdichtem Estrich gefunden. In einer anderen außergewöhnlich viel Metall. In einer weiteren scheint einmal ein großer Ofen gestanden zu haben.

Warten auf das Gesamtbild

Beim „Camp“ in diesem Jahr wurden wenig Anhaltspunkte für Datierungen gefunden. Drei Münzen kamen zu Tage, eine davon, aus dem 1. Jahrhundert, lag unter der Stelle mit dem Estrich, die also vermutlich erst nach dieser Zeit eingerichtet wurde. Aber Jacques Bonifas hält sich mit Spekulationen zurück, es werde noch dauern, bis es ein Gesamtbild des Areals gibt und die vielen Scherben und anderen Überreste menschlicher Nutzung ausgewertet sind. Ob sie ausreichen, den Zweck der Gebäude zu bestimmen, die einst hier standen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Sicher ist: Es werden noch einige Ausgräbergenerationen hier auf Spurensuche gehen. „Da liegen noch fünf Hektar im Wald, die archäologisch erkundet werden müssten“, lacht Jacques Bonifas. 

Grabungen seit über 50 Jahren

Dass hier Einiges im Boden verborgen ist, wusste die örtliche Bevölkerung seit langem. Bereits in den 1930ern führte ein Dorflehrer im Wald „am Miecher“ zwischen Göblingen (Gemeinde Koerich) und Nospelt (Gemeinde Kehlen) erste Grabungen durch. Die systematische Erforschung jedoch begann der Nospelter Pfarrer und Hobbyarchäologe Georges Kayser ab 1964 mit einem kleinen Freiwilligen-Team aus der Gegend. Bereits 1968 war das erste Gebäude - das Hauptwohngebäude der Villa - freigelegt. Die Mauern wurden vom nationalen Denkmalschutzamt gefestigt. Nach und nach kamen mehr Teile des gallo-römischen Gutshofs ans Licht, der während mehr als vier Jahrhunderten funktionierte. Seit dem Tod von Georges Kayser führt die asbl „Georges Kayser Altertumsfuerscher“ die Ausgrabungen fort. Die gewonnenen Erkenntnisse kann der Besucher jederzeit an Informationstafeln „am Miecher“ nachlesen. Die GKA möchten eins der Gebäude rekonstruieren und hoffen, bald mit den Arbeiten beginnen zu können. Zuletzt machten sie die Ausgrabungsstätte an den keltischen Adelsgräbern in der Nähe wieder für das Publikum zugänglich. Im Beisein zahlreicher Entscheider wurde das Projekt am vergangenen 24. Mai offiziell eingeweiht. Wer die GKA und ihre Ausgrabungen näher kennen lernen will, sollte ihnen am 18. September am Tag der offenen Tür „am Miecher“ einen Besuch abstatten.  

Mehr: www.gka.lu