LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Chance für Jungfilmer: „100 Lieweg Bicher“ prämiert Videoclips über Diskriminierte

In Schule, Studium, Beruf, Freizeit und sozialem Leben prasseln täglich zahlreiche Informationen auf einen ein. Das muss das Hirn erst mal ordnen. „Aufgrund der vielen Informationen und Erlebnisse im Alltag ist eine Kategorisierung notwendig, aber dadurch werden auch Menschen kategorisiert“, sagt Jeff Kaufmann, beim „Service National de la Jeunesse“ (SNJ) nationaler Koordinator der „No Hate Speech“-Kampagne. Was dem einen das Leben vermeintlich erleichtert, kann es anderen tatsächlich sehr schwer machen. Und zwar dann, wenn der Entstehung von Stereotypen Vorurteile folgen. Durch die sozialen Netzwerke können sich diese schnell verbreiten: „Durch Teilen und Berichte entstehen aus Einzelfällen verallgemeinerte Bilder von einer ganzen Gruppe.“

Für junge Leute zwischen zwölf und 26 Jahren

Um mehr gegen die Verbreitung von Vorurteilen in Luxemburg anzugehen, startet der SNJ zum ersten Mal den Videowettbewerb „100 Lieweg Bicher“. Die Videos sollen eine Person vorstellen, die mit Vorurteilen, Stereotypen und gar sozialem Ausschluss konfrontiert ist. Damit wollen die Veranstalter die Kritikfähigkeit der Jugendlichen stärken. „Die Jugendlichen sollen die Möglichkeit haben, sich mit der Entstehung von Vorurteilen zu beschäftigen“, sagt Kaufmann und erklärt, „damit sie verstärkt kritischer denken, auch beim Lesen im Internet.“

Der Wettbewerb gehört zu der nationalen Kampagne „No Hate Speech“. Als „Hate Speech“ gelten alle Ausdrucksweisen, die zu rassistischem, fremdenfeindlichem, homophobem, religiösem, kulturellem oder sexistischem Hass anstacheln. Ein Video zum Wettbewerb einreichen können junge Luxemburger zwischen zwölf und 26 Jahren. Mitmachen können aber auch Jugendliche, die an eine luxemburgische Schule oder Hochschule gehen. Der erste Preis ist mit 300 Euro dotiert, Zweit- und Drittplatzierte erhalten 150 und 50 Euro. Trost für jene, die keinen Preis gewinnen: Alle zum Wettbewerb zugelassenen Videos werden als digitale Bibliothek „100 Lieweg Bicher“ in die Internetseite www.nohatespeech.lu eingebunden.

Bei den Teilnahmebedingungen gibt es ein paar Vorgaben zu beachten. Der Clip kann mit Fotoapparaten, Smartphones, iPads oder sonstigen kamerafähigen Geräten gedreht werden. Allerdings darf das Video nicht länger als 100 Sekunden sein. „Der Durchschnitt von Videos, die man im Internet anschaut, ist relativ kurz und 100 Sekunden sind ein gutes und anspruchsvolles Format, das zeigt auch unsere Erfahrung aus anderen Wettbewerben“, sagt Kaufmann. Ob das Video allein oder in der Gruppe gedreht wird, macht für die Zulassung zur Teilnahme keinen Unterschied.

Zum Video sollen eine kurze Vorstellung der Bewerber und eine Synopsis eingereicht werden. Zugelassen sind die Sprachen Luxemburgisch, Französisch, Deutsch oder Englisch, andere Sprachen sollen in einer dieser vier Sprachen untertitelt werden. Videos, die rassistisch oder vulgär sind, oder gegen Bild-, Autoren- oder Persönlichkeitsrechte verstoßen, werden nicht zum Wettbewerb zugelassen.

Am Ende gibt es zwei Auswahlverfahren: Zuerst entscheidet eine unabhängige Jury, welche Filme am 2. April in der Cinémathèque gezeigt werden. Dort bestimmt dann das Publikum die drei Gewinner der symbolischen Preise.

Clips für digitale Bibliothek im Internet

Mit dem Wettbewerb haben sich die Veranstalter vier Ziele gesetzt: Zum einen will man die Öffentlichkeit für Vorurteile gegenüber Personen oder Gruppen sensibilisieren, zum anderen soll das Grundbewußtsein für Toleranz und Menschenrechte verstärkt werden. Außerdem wird die Stärkung des kritischen Denkens bei Jugendlichen verfolgt, damit diese Vorurteile zurückweisen. Zu guter Letzt soll die „Living Library“ auf der Seite www.nohatespeech.lu auch digital sensibilisieren.

Die „No Hate Speech“-Kampagne wurde im Jahr 2013 vom Europarat gestartet, mittlerweile nehmen mehr als 40 Länder daran teil. Nach einer Umfrage des Direktorats für Jugend und Sport des Europarats gab die Mehrheit der Bevölkerung an, 2015 schon einmal von Hetzrede im Internet betroffen gewesen zu sein. 83 Prozent sahen sich wegen Geschlecht, sexueller Orientierung, ethnischer Zugehörigkeit, Alter, Behinderung oder religiösen Überzeugungen beleidigt oder diskriminiert. In Luxemburg dauert die Kampagne bis Ende 2017, bis dahin sollen auch die Clips auf der Internetseite öffentlich sein.


Einsendeschluss für den Wettbewerb „100 Lieweg Bicher“ ist der 30. Januar über www.wetransfer.com an 100liewegbicher@youth.lu. Mehr Informationen unter www.nohatespeech.lu/100liewegbicher.