COLETTE MART

Der sozioökonomische Index über die sozialen Ungleichheiten zwischen den Gemeinden, der vor Kurzem vom STATEC veröffentlicht wurde, gibt im Vorfeld der Gemeindewahlen einen interessanten Einblick in die geografische Verteilung der sozialen Probleme und der Armutsgefährdung in unserem Land. Für die Parteien, die derzeit ihre Wahlprogramme zusammenstellen, lohnt sich ein genauerer Blick auf diese Analyse, denn es gilt, sich Gedanken über diese Ungleichheiten zu machen und die richtigen Hebel anzusetzen, um ihnen entgegenzuwirken.

Darüber hinaus werden auch einige Vorurteile widerlegt, nach denen sich zum Beispiel der Reichtum und hohe Einkommen in der Stadt Luxemburg konzentrieren. In der Tat befindet sich die Hauptstadt auf 48. Position von 105 Gemeinden, also ungefähr in der Mitte, was das Medianeinkommen der Bevölkerung angeht. Dabei sind die Immobilienpreise in der Stadt überdurchschnittlich hoch, und soziologisch gesehen zählt die Hauptstadt zahlreiche Akademikerfamilien mit zwei Gehältern, respektive auch hohe Bankangestellte verschiedener Nationalitäten. Lange wurde der Stadt Luxemburg nachgesagt, die hohen Wohnungspreise würden junge Familien und allgemein junge Menschen aus der Stadt verdrängen. Jetzt stellt sich aber heraus, dass das Medianeinkommen in der Hauptstadt keineswegs das ist, was man glauben könnte, und dies hat vor allem damit zu tun, dass die Hauptstadt die Verantwortung für den Bau von Sozialwohnungen praktisch für das ganze Land übernimmt, und aus diesem Grund auch Menschen anzieht, die weniger Mittel haben, auf dem regulären Immobilienmarkt eine Wohnung zu bekommen. In den nächsten Jahren wird die Stadt um die 1.000 Sozialwohnungen verwalten; hinzu kommen etwa 1.000 Wohnungen zu erschwinglichen Preisen, die nach dem Prinzip der Erbpacht verkauft oder auch vermietet werden, so dass also hier der Überteuerung auf dem Wohnungsmarkt politisch entgegengewirkt wird, mit genau jenem Resultat, das wir im sozioökonomischen Index wiederfinden. Die gut verdienenden Bürger, die in einem Haus mit großem Garten leben wollen, ziehen sich dann auch in die Gemeinden rundum die Hauptstadt zurück, so dass hier die höchsten Einkommen verzeichnet werden.

Was jetzt die Arbeitslosenquote anbelangt, ist diese überdurchschnittlich hoch in den Südgemeinden, um Ettelbrück und in einigen Gemeinden des Nordens. In Esch erreicht sie über 13 Prozent, und in Wiltz über 11 Prozent. Die Armutsgefährdung, die auf alleinerziehende Eltern zukommen kann, ist eher gleichmäßig über das ganze Land verteilt, betrifft jedoch in einigen kleinen Gemeinden zehn Prozent der Bevölkerung.

Die Lehren, die im Vorfeld der Gemeindewahlen unbedingt aus diesem Index zu ziehen wären, sind, dass alle größeren Gemeinden des Landes ihre Verantwortung im Bau von Sozialwohnungen übernehmen müssen. Außerdem sollte die Ansiedlung neuer Firmen im Land dezentraler organisiert werden, damit sich die Arbeitslosenquote gleichmäßig reduziert. Alle Kommunen und Parteien sind also in den nächsten Jahren gefordert, den sozioökonomischen Index in ihrer politischen Strategie zu berücksichtigen.