HOLLERICH
NICO PLEIMLING

Die Berliner Band Kadavar rocktedas Publikum am Mittwoch im Den Atelier

Wie die 1970er Jahre wirklich waren, wissen wohl nur jene Zeitgenossen, die dieses Jahrzehnt auch wirklich bewusst miterlebt haben. Die Musik von damals - sei es in Form von Studio- oder Live-Aufnahmen - lässt nur andeuten, wie das Lebensgefühl sich in diesen Jahren wirklich anfühlte.

Ein Hauch der 70er

Am Mittwochabend konnten die rund 400 Anwesenden im Den Atelier vielleicht andeutungsweise einen Hauch mehr davon abbekommen, als das deutsche Trio Kadavar ein erstes Mal Station machte auf großherzoglichem Territorium, um seine intensive 70er Jahre inspirierte Rockmusik durch die Lautsprecher im Club in der Hollericher Straße zu pumpen.

Um 20.30 stand aber erst einmal die Lokalband Mother Heroin mit Michel Welter, einem der Booker des hauptstädtischen Clubs, im Rampenlicht. Das Quartett passte musikalisch gut zum Berliner Headliner und spielte ein ordentliches Set. Abschließend gab es ein Geburtstagsständchen für den Drummer der Luxemburger Band.

Eine andere Liga

Ordentlich war ihr Set, allerdings wirkten Mother Heroin im direkten Vergleich mit Kadavar wie brave Schoßhündchen, ohne ihren Auftritt schlecht reden zu wollen. Das deutsche Trio, das bislang zwei Alben veröffentlicht hat, spielt ganz einfach in einer anderen Liga, wirkt musikalisch viel reifer und strahlt eine fast unerreichbare Souveränität aus. Von der ersten bis zur letzten Note des 70-minütigen Sets passte alles. Kadavar sind eine eingespielte Maschine, die kaum zu bremsen ist.

Weder altbacken, noch aufgesetzt

Die Musik des Trios wirkt zwar so, als sei sie in den 70er Jahren geschrieben worden, allerdings kommt sie nie altbacken oder aufgesetzt daher. Sie ist also genauso authentisch, wie die urigen Bärte der drei Bandmitglieder. Fast lässig spielten die Musiker ein sehr tightes Set mit smarten Tempowechseln, das mit Garagen-Stampfern und Uptempo-Stücken mit verspielten, jedoch nie aufdringlichen Soli und sehr soliden Drums gespickt war.

Kadavar werden, machen sie so weiter, bald in Hallen und auf größeren Festivalbühnen zu sehen und hören sein. Der Auftritt im praktisch intimen Kreis in Hollerich überzeugte ein generationenübergreifendes Publikum zwischen 20 und 60 Jahren einheitlich, das gegen 22.30 wieder ins Jahr 2013 entlassen wurde.