LUXEMBURG
MARCO MENG

Ist Luxemburgs Finanzbranche zukunftsfähig?

Der Finanzplatz Luxemburg ändert sich - was können die Unternehmen tun, um nicht abgehängt zu werden? Unter dieser Fragestellung stand gestern auf der Handelskammer das vom Versicherungsbroker Farad Group organisierte „Finance Forum“.

Finanzminister Pierre Gramegna stellte genau diese Frage bei seiner Eröffnungsrede: Ist Luxemburgs Finanzsektor in fünf, in zehn Jahren noch kompetitiv? Wie ändern Antigeldwäscheregeln und andere Vorschriften das Bank- und Fondsgeschäft? Wie ist Luxemburg als europäisches Eingangstor für chinesische Investitionen ausgestellt und als Plattform für Private Equity-Fonds? Eine weitere Nische, die stark am Wachsen ist, sind „grüne Finanzierungen“. Luxemburg gehört hier laut dem „Green Finance Index“ zu den führenden Finanzplätzen in diesem Bereich. Wie kann das ausgebaut werden?

Claude Marx, Generaldirektor der Finanzaufsicht CSSF, wies darauf hin, dass neben dem Brexit, der erst noch gemeistert werden müsse, die Finanzwelt noch anderen Problemen wie einem hohen Bestand an „faulen Krediten“ gegenüberstehe und einer weiteren Bankenkonzentration, zum Beispiel durch Fusionen. „Gegenwärtig prüfen wir, ob der derzeitige Rahmen für die Robo-Video-Identifizierung oder die Blockchain-Technologie angemessen ist oder nicht“, sagte Marx. Hier seien auch viele regulatorische Änderungen nötig, denn: „Als Napoleon Bonaparte 1804 den ‚Code Civil‘ veröffentlichte, hatte er wohl keine Übertragungen oder Eigentumsnachweise durch diese Technologie im Sinn.“

Thomas Kusstatscher, Senior Adviser bei der Europäischen Investitionsbank (EIB), betont, dass die EU-Bank den Ausbau von grüner Finanzierung als eine ihrer Prioritäten sieht. „Ziel ist nachhaltiges Wachstum“, sagte Kusstatscher, wobei innovative Finanzierungsinstrumente von der EIB unterstützt würden. Zehn Jahre nach der Emission der ersten grünen Anleihe an der Börse Luxemburg sei die Nachfrage nach solchen Finanzierungsinstrumenten groß. „Green Bonds“ sind aber beileibe keine Wertpapiere aus einer „schönen Welt“, wie Eudes Nitoumbi, Leiter der Geschäftsentwicklung „Issuer Services“ bei Société Générale Securities, betonte. Auch für sie gilt, dass ein gesunder Mix aus „Return and Risk“ vorhanden sein muss. Als gutes Zeichen sieht er, dass ein regulatorischer Rahmen für solche Finanzierungen geschaffen werden soll, das zeige nämlich, dass „grün“ die kritische Masse erreicht habe. Und Regulationen könnten solche Anleihen und Fonds attraktiver machen.

Jane Wilkinson, Leiterin der nachhaltigen Finanzierung bei der „Luxembourg Green Exchange“ der luxemburgischen Börse, ist überzeugt, dass dieses Segment dem Finanzplatz Luxemburg gut tut; viel Geld sei so über die Börse nach Luxemburg gekommen. „Es ist noch eine Nische, aber eine stark wachsende“, sagt sie. Xiang Zhong, Chef der Abteilung „Financial Markets and Institutions“ der „Bank of China“ (Luxembourg), schließt sich dem an. In China allerdings mangele es an institutionellen Investoren - und vor allem die investieren derzeit in grüne Anleihen - weshalb hier die Ausgabe solcher Papiere in Europa attraktiver sei. Ziel soll auf jeden Fall sein, solche Produkte auch für Privatanleger attraktiv zu machen.

Digitalisierung als Chance nutzen

Zu den großen Herausforderungen zählt auch die Digitalisierung. Welche Auswirkungen hat die technische Entwicklung und haben Fintech-Unternehmen auf die Finanzbranche? Nasir Zubairi, der das „Luxembourg House of Fintech“ (LHoFT) leitet, mahnte die Branche: „Wer stets tut, was er immer tat, wird nur bekommen, was er stets bekam.“ So wie ganz früher einmal das Telefon abgelehnt worden sei, sagten auch heute manche, Fintech sei Humbug. „Es wird aber geschehen“, sagte Zubairi, „und wer das ignoriert, wird später nicht auf der Gewinnerseite stehen.“ Paypals Kapitalisierung, so ein Beispiel, sei heute höher als die der drei größten deutschen Banken.

„Und die Innovation ist exponenzial“, so Zubairi. Ob die heutige Finanzwelt zur technisierten Zukunft passt? Billionen Dollar an Vermögen werden bald von einer Generation an die jüngere wechseln - und die ist technikaffin. „Darum wurde das LHoFT gegründet, wir sind Ansprechpartner“, sagte Zubairi. „Wir helfen traditionellen Banken in die Welt von morgen.“