LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„Points-of-View“ im „Cercle Cité“ mit Arbeiten der Künstler Suzan Noesen und Thibault Brunet

Unter dem gemeinsamen Ausstellungstitel „Points-of-View“ zeigen seit gestern die beiden Künstler Suzan Noesen und Thibault Brunet ihre sehr unterschiedlichen Arbeiten im „Cercle Cité“. „Gemeinsame Punkte gibt es trotzdem“, meint Kuratorin Anouk Wies bei der Pressebesichtigung. Die Expo ist Teil des „Luxembourg City Film Festival“, dementsprechend sind die Werke auch im filmischen Bereich angesiedelt. Darauf deutet bereits der Titel hin, bedeutet „Point-of-View-Shot“ (POV Shot) im Filmsektor doch eine Technik, mit welcher der Betrachter an die Stelle des Protagonisten rückt. Die Kameraeinstellung ermöglicht dem Zuschauer folglich den Blick durch die Augen einer Figur der dargestellten Handlung. „In diesem Fall ist es der sehr persönliche Blick der zwei Künstler“, so Wies.

Von der Realität in die Fiktion

„Ausgangspunkt beider Projekte ist die Realität, um dann aber in einer fiktiveren Welt zu landen“, schildert die Kuratorin. Zu Thibault Brunets Werk „Soleil noir“ passt der Expo-Titel „Points-of-View“ derweil besonders gut. „Tausende von Punkten bilden im Endeffekt sein Bild“, erklärt Wies. Bei der multidisziplinären Künstlerin Suzan Noesen kommt der plastischeren Gestaltung indes eine größere Rolle zu, wobei dennoch auch hier Videoinstallationen im Mittelpunkt stehen. Die Techniken, mit denen beide arbeiten, sind grundverschieden.

Die Luxemburgerin Suzan Noesen lebt mit ihrer Großmutter, einer Bauersfrau, auf dem Land und geht in ihrer Arbeit „Libera Pagina!“ von der Realität dieses Alltags aus. Ein fiktionaler Kurzfilm („Livre d’heures“), ausgehend von dieser Wohngemeinschaft wird übrigens auch während des „Luxembourg City Film Festival“ gezeigt (am 8. März um 18.30 im Utopia, später in der Blackbox des „Casino Forum d’Art Contemporain“). „Es ist kein Dokumentarfilm“, stellt Noesen gleich klar.

Unterschiedlich strukturierte Leben

„Mir ging es darum, zu analysieren, inwiefern wir unsere Leben anders strukturieren und wie die Zeit im Alltag strukturiert ist“, erklärt die Künstlerin. Im weitesten Sinn geht es ihr also um die Identität, durch die sich unterschiedliche Generationen auszeichnen. Diese Idee gibt sie in ihrer Installation im „Cercle Cité“ auf eine doch poetische Weise und in einer abstrakten Logik wieder. „Ich spiele mit dem Rhythmus der Blickwinkel“, erklärt sie vor dem Video „Quatre mains“, in dem immer zwei Szenen parallel zueinander laufen. Auf der einen Seite sind so etwa mehrere Sekunden lang die Hände ihrer Großmutter zu sehen, die Kartoffeln schält, auf der anderen Seite ihre eigenen, die das Gleiche tun, bevor dann eine andere alltägliche Handlung gezeigt wird. Ziel ist es, die Wahrnehmung der Welt aus dem Blickwinkel verschiedener Generationen und ihre jeweiligen Lebensweisen darzustellen.

Gemalte Bilder gehören ebenfalls zu dieser Installation. „Ich wollte dem Ganzen neben den digitalen Projektionen eine manuelle und physische Seite beifügen und gleichzeitig mit der Wiederholung der Motive spielen, die auch in den Videos auftauchen“, beschreibt Noesen. Es gibt demnach Verbindungen, obwohl die einzelnen Werke auch unabhängig voneinander funktionieren.

Eintauchen in eine virtuelle Welt

Der französische Künstler Thibault Brunet hat eigentlich mit Fotografie angefangen, um schließlich zunehmend mit diesem Medium zu spielen und sich dem Video-Bereich zuzuwenden, dies aber nicht im klassischen Sinn. Das Besondere an seiner großformatigen Videoinstallation ist, dass die Bilder eben nicht mit einer herkömmlichen Kamera aufgenommen wurden, sondern mit einem 3D-Scanner. Die Aufnahmen hat Brunet während einer Reise entlang der französischen Nordküste realisiert, einige auch speziell für dieses Ausstellung an den Grenzen Luxemburgs. Mit der Realität hat die Projektion nichts mehr zu tun, vielmehr glaubt man sich in einer virtuellen Welt wiederzufinden, beziehungsweise als Betrachter regelrecht in sie eingesogen zu werden.

„Bei diesem Projekt geht es mir darum, mit der Virtualität zu spielen. Eigentlich ist dies der rote Faden, der sich durch meine gesamte Arbeit zieht. Dazu vermische ich verschiedene Techniken miteinander. Die ganze Technik, die dahinter steckt, zu erklären, ist nicht leicht, beziehungsweise wäre auch nur schwer verständlich. Die Bilder, also die Landschaft, nehme ich mit dem 3D-Scanner auf, bearbeite sie dann am Computer und setzte sie als 45-minütiges Ganzes zusammen“, erklärt der Künstler. Das Resultat ist ein relativ befremdender Blick auf eine Landschaft, die eine fantastische Dimension einnimmt. „Alles, was hier zu sehen ist, existiert, ist aber gleichzeitig auch virtuell“, sagt Brunet. Im Endeffekt lässt er durch seine Arbeite eine komplett neue Welt entstehen.

Die Ausstellung läuft bis zum 17. März. Alle Infos unter www.cerclecite.lu