LUXEMBURG/KIRCHBERG
CHRISTIAN BLOCK

Im Mudam kommunizieren Roboter untereinander und mit dem Publikum

Wenige Stunden vor Beginn der Show geht es noch ruhig zu im ersten Stockwerk des „Musée d’Art Moderne“. Hinter der Bühne, auf der die Roboter am Nachmittag zum Leben erweckt werden, hat sich Dr. Patrice Caire eingerichtet. Die Wissenschaftlerin am „Interdisciplinary Centre for Security, Reliability and Trust“ (SnT), die seit etwa zehn Jahren in Luxemburg lebt, hat das „CoRobots“-Projekt initiiert, „um zu zeigen, wo die Entwicklung dran ist, wozu Roboter fähig sind und eine Idee davon zu vermitteln, was in Zukunft möglich sein wird“. Wie sie im „Journal“-Gespräch erklärt, legt sie Wert darauf, dass sich die Menschen selbst ein Bild von Robotern machen - und gleichzeitig sehen, wo die Herausforderungen für die Wissenschaft liegen.

Interdisziplinäres Team

Für die Installation im Rahmen der Ausstellung „Eppur si muove“ („Und sie bewegt sich doch!“) hat Caire im Januar dieses Jahres eine 15-köpfige Mannschaft zusammengestellt. Neben Ingenieuren, Informatikern, Forschern und Museumswissenschaftlern waren das auch Drehbuchautoren, Sound-Designer und Techniker. Denn um eine Interaktion mit dem Publikum herzustellen, reicht es nicht, Roboter ein paar Tricks vorführen zu lassen. Im Grunde besteht die Show aus zwei Teilen: In der ersten Sequenz geht es um die Kommunikation zwischen Robotern, genauer zwischen der Drohne und zwei humanoiden Robotern. Zum Einsatz kommen dabei herkömmliche Roboter „off-the-shelf“, die umprogrammiert wurden. Darin lag bereits eine Herausforderung des Projekts, da die jeweiligen Unternehmen ihr Produkt schützen und sich nicht alles frei umprogrammieren lässt. Eine andere Herausforderung wartete vor Ort auf: Durch die offene Bauweise des Mudam drängt die Geräuschkulisse aus dem Eingangsbereich ins obere Stockwerk. Spezielle Mikrofone mussten her, damit die Roboter die Besucher hören können - und „vice versa“.

Selbst ist der Roboter

„Situationsbewusstsein und Autonomie sind heute sehr wichtige Eigenschaften von Robotern“, erklärt die Expertin für künstliche Intelligenz, die fast ihr halbes Leben in den USA gearbeitet hat. Roboter müssten selbstständig Entscheidungen treffen können oder in sehr unterschiedlichen Situationen reagieren können.

Hinzu kommen bestimmte Regeln, um etwa zu verhindern, dass der Roboter von der Bühne fällt oder, in einem andern Kontext, eine gewisse Mindestdistanz zu einer Person wahrt. „Roboter müssen sich auf eine Art verhalten, die wir von ihnen erwarten“, erklärt Patrice Caire, die sich im Rahmen eines anderen Projekts auch mit dem Einsatz von Robotern zuhause beschäftigt, um beispielsweise älteren Menschen zu helfen.

Die Installation soll auch zeigen, wie komplex ein Roboter an sich aber auch das Zusammenspiel von Robotern ist. Die Drohne, die den Überblick im Raum hat, übermittelt Informationen an den humanoiden Roboter, der dann wiederum mit den Besuchern interagiert, zum Beispiel in Form eines Quiz. Zuvor können die Museumsbesucher im ersten Teil der Vorführung den Forschern über die Schulter schauen.

Neue Möglichkeiten durch Kommunikationvon Robotern untereinander

Aus der Interaktion von unterschiedlichen Robotern untereinander oder ihrem Einsatz in intelligenten Häusern ergeben sich für die Wissenschaftlerin viele neue Möglichkeiten. „Wir sollten die Eigenschaften von Robotern verwenden, ihre Speicherfähigkeit, ihr Lernfähigkeit durch die Cloud oder ihre Fähigkeit, sich mit Tablets, Smartphones oder anderen Robotern zu verbinden“, sagt Caire. „Ziel ist es nicht, dass Roboter das Gleiche machen wie wir Menschen, sondern dass sie unsere Fähigkeiten erweitern“, führt sie aus und weist darauf hin, dass die Idee von Robotern sehr alt sei. Zum Beispiel finde sie sich in der griechischen Mythologie wieder. Verschiedene Automaten wie die wasserbetriebene astronomische Uhr des chinesischen Erfinders Su Song zeugten davon, „dass es die Idee von Robotern schon lange gibt“.

Auch deshalb sollen sich die Menschen ein eigenes Bild von der Interaktion mit Robotern machen. Bisher habe das Publikum durch alle Altersklassen hindurch mit Begeisterung reagiert, resümiert Caire ihre Eindrücke aus den vergangenen drei Monaten.


Die Ausstellung und die Vorführungen laufen noch bis zum 16. Januar im Mudam, von mittwochs bis freitags, 14.00 bis 18.00 www.mudam.lu Eine Videopräsentation über „CoRobots“ findet sich unter folgendem Link tinyurl.com/corobots

Artikel zum Thema: Im Mudam kommunizieren Roboter untereinander und mit dem Publikum