BAD MONDORF
CLAUDE KARGER

„Mondorf Domaine Thermal“ erwirtschaftet auch 2018 Überschuss - Vorbereitung auf große Renovation

Verwaltungsratspräsident Paul Hammelmann musste es gleich zu Beginn der Bilanzpressekonferenz des Mondorfer „Domaine Thermal“ betonen: Vor Anfang 2023 werden die Kunden keine Beeinträchtigungen durch die vorgesehene umfassende Renovierung der Anlagen spüren. Nach 30 Jahren Dauerbetrieb drängt diese sich trotzt kontinuierlicher Instandhaltungsinvestitionen nun auf, nicht zuletzt weil das saure Thermalquellenwasser stark an den Bädern genagt hat..

Im entsprechenden Entwurf des Finanzierungsgesetzes, das Infrastrukturminister François Bausch im vergangenen Oktober auf den Instanzenweg brachte, sind rund 133,5 Millionen Euro für die Totalsanierung vorgesehen, das „établissement public“ Thermaldomäne wendet noch weitere neun Millionen auf.

Die Arbeiten werden phasenweise durchgeführt, die Planung sei „soweit fertig“, wie Generaldirektor Pierre Plumer unterstrich. Dennoch werden die Kunden ab 2021 schon merken, dass sich etwas auf dem Areal tut, wo bereits 1847 die ersten Kurgäste die Wohltaten der Thermalquelle genossen. Dann beginnt nämlich der Bau eines neuen „Bâtiment Annexe“ gleich neben dem Hotel, dort wo heute noch die Umkleideräume des ehemaligen Freiluftschwimmbads stehen.

Wenn die eigentlichen, wohl mindestens drei Jahre währenden Renovierungsarbeiten beginnen, werden eine Reihe von Diensten in dem Gebäude untergebracht, das später Platz für die weitere Ausdehnung der Thermalaktivitäten bieten soll.

Dass diese während der Bauzeit etwas langsamer drehen werden, liegt auf der Hand. Oder wie Pierre Plumer es ausdrückte: „Wenn sSe ein Schwimmbad renovieren, müssen Sie es ganz schließen“. Das bedeutet dann auch weniger Arbeit an dem einzigen Thermalstandort Luxemburg. Allerdings würden keiner der insgesamt 324 Mitarbeiter entlassen, wie der Verwaltungsratspräsident betonte.

5.903 Kurgäste

Der größte Anteil der Mitarbeiter ist übrigens im Gesundheitsbereich beschäftigt, wo man zahlreiche hochqualifizierte Fachkräfte benötige, wie Plumer erklärte. Hier wurden im vergangenen Jahr 5.903 Kurgäste betreut, eine multidisziplinäre Mannschaft gewährleistet eine individualisierte Rundumversorgung, zu der neben Bewegungstherapie und Ernährungsberatung auch etwa die psychologische Betreuung gehört. Die Expertise der „Domaine Thermal“-Profis wird laut Pierre Plumer auch immer mehr von Unternehmen gefragt, die Gesundheits- und Wellbeing-Programme für ihre Belegschaften aufbauen wollen.

Gefragt sind auch die Spa-Bereiche, in denen rund 50 verschiedene Entspannungs- und Schönheitsdienste angeboten werden, darunter - relativ neu - auch spezifische Angebote für Männer.

Teil des Thermalkomplexes sind auch zwei Hotels, das 2015 renovierte „Mondorf Parc Hotel“ (Vier Sterne Superior) mit 108 Zimmern und die „Villa Welcome“ mit 22 Zimmern. 3,4 Millionen Euro Umsatz brachte dieser Geschäftsbereich im letzten Jahr. Dann bietet das Thermalbad vier Restaurants (De Jangeli, Maus Kätti, Chalet du Brill und 36°).

Die berühmte „Roseraie“ ist derzeit als „Pop-Up Bar“ geöffnet, harrt aber ihrer Renovierung. Umsatz des Gastronomiebereichs im vergangenen Jahr: 3,8 Millionen Euro. 1,7 Millionen Umsatz brachte der Event-Bereich. Im „Domaine Thermal“ kann man von Hochzeiten bis Konferenzen so ziemlich alles organisieren. Die Wellness- und Fitnessanlagen stehen sowohl den Kurgästen als auch externen Kunden zur Verfügung. Es gibt natürlich verschiedene Abo-Formeln, der Kunde kann sich seine Nutzung der Angebote - die verschiedenen Schwimmbäder, die zwölf Saunen, die Hammams, den 1.800 Quadratmeter großen Fitnesssaal mit den knapp 80 wöchentlichen Kursen - aber auch auf die Minute genau ausrechnen lassen. Die Angebote in allen Sparten werden laufend angepasst.

Es gibt neue Pflegedienstleistungen und neue Gastronomieangebote. Etwa Grillabende auf den Terrassen und thematische Abende. Das „Domaine Thermal“ investiert aber auch in seine Internetpräsenz: 2020 kommt so eine neue Webseite, die besser auf die Anforderungen von Smartphones und iPads eingestellt ist. Unter dem Strich bleibt für 2018, bei einem Umsatz von 27,8 Millionen Euro, ein Plus von 281.000 Euro.

Es ist das dritte Jahr in Folge, in dem das „Domaine Thermal“ schwarze Zahlen schreibt, nach einer langen Durststrecke, bedingt durch die rückläufige Nachfrage angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise, die ein strikteres Management und eine Reorganisation des Personals notwendig machte.

Der 45 Hektar große Park und das „Domaine Thermal“ sind seit 160 Jahren untrennbar verflochten. Die von Edouard André geschaffene Grünanlage wird von der Gander durchflossen, einem der vier Grenzflüsse Luxemburgs. Kurios: fünf Hektar des Parks liegen auf französischer Seite. Hier gibt es einen der größten und schönsten Rosengärten des Landes mit rund 3.000 Exemplaren von 250 verschiedenen Sorten auf 15.000 Quadratmetern.

Es gibt aber auch einen Aromagarten, in dem rund 120 verschiedene Kräuter gezogen werden, von denen der Gast in einem der Restaurants des „Domaine Thermal“ so manche auch auf seinem Teller findet.

Wer durch den Park schlendert, kann sich nicht zuletzt über Flora und Fauna informieren, sondern auch über die Geschichte Mondorfs und der Thermalstation. Der Spaziergänger kommt aber auch an schönen Skulpturen vorbei. Mehr als 25 sind derzeit zu sehen, unter anderem von den Künstlern Wercollier, Flick, Lofy, Mich oder auch Berman. Zudem gibt es hier eine Reihe von Unterhaltungsangeboten, wie die Tretboote auf der Gander, EasyGolf oder Tennis.

In der Nähe der Thermalanlagen kann das nationale „Fligermusée“ besucht werden, während das „CinéWaasserhaus“ Kinoerlebnisse bietet. Der Park zählt eine Menge bemerkenswerter Bäume. Aber auch hier hat der Baumbestand in den letzten Jahren unter Krankheiten und Schädlingen gelitten. Laut Pierre Plumer mussten daher in den letzten drei Jahren mehr als 600 neue Bäume gepflanzt werden. Wie Paul Hammelmann betonte, ist der Park neben den pflanzlichen Augenweiden und dem Unterhaltungsangebot aber vor allem etwas: eine „Oase der Ruhe“ abseits großer Straßen und Flugschneisen, knapp 20 Minuten Fahrtzeit von der Hauptstadt entfernt. clk

Mehr: www.mondorf.lu