LUC SPADA

L. meinte neulich zu mir, dass sie traurig war, dass ich zu einer anderen Person meinte, als diese mir auf den Sack ging, dass „in 100 Jahren eh alles egal ist“ und mich anschließend weigerte, weiterzureden.

Dass ich doch nicht so bin, so negativ, so menschenverachtend, ja, zynisch, verständnislos, und eigentlich doch JEMAND bin, der Leuten Mut macht, gut zuhören kann, und nie verurteilt. Und das wären Eigenschaften, die mit meinem Spruch nicht vereinbar sind. Hm.

Und P. meinte mal zu mir, ich müsse aufpassen, dass ich nicht irgendwann ein Miesepeter werde. Und dann mit 50 feststellen, dass man schlecht gealtert ist. Das war, weil ich eine Truppe junger Frauen, die Junggesellinnenabschied feierten, mit „wir sehen uns zur Scheidung“ kommentierte. Sorry, aber beim Anblick von ein paar betrunkenen Frauen, die das „jetzt noch einmal und nie wieder“ feiern, verliere ich jegliche Hoffnung auf Liebe, Menschheit und Verstand. Das Gleiche gilt natürlich auch für die männliche Variante.

Wenn du Miesepeter googlest, sagt Google dir, dass ein Miesepeter ein ständig unzufriedener Mensch ist. Das bin ich nicht.

ABER, wenn dein größtes Problem ist:

OH MEIN GOTT, ICH KONNTE MIR DIE FUSSBODENHEIZUNG NICHT MEHR LEISTEN.

Dann könnte ich… da… da werde ICH VERDAMMT NOCHMAL PISSIG.

IN HUNDERT JAHREN IST ES SCHEISSEGAL! DEINE SCHEISS FUSSBODENHEIZUNG! DEINE RENTE! DEIN AUTO IST DANN MIT ODER OHNE SCHRAMME EGAL. EGAAAAL!

Noch bevor L. mich mit meinem Spruch konfrontiert hat, habe ich den gleichen Spruch schon einmal ein paar Wochen davor in einer Bar in Luxemburg benutzt.

Es drehte sich irgendeine Frau im Laufe des Abends zu meiner Begleitung M., um sich etwas zu laut über ihr jetzt vor kurzem orientierungslos gewordenes Leben zu beschweren, weil sie sich von ihrem Job als Beamte für zwei Jahre abgewendet hat, um sich neuzuorientieren.

In Luxemburg hat, wenn ich das richtig verstanden habe, ein(e) Beamte(r) die Möglichkeit, zwei Jahre lang unbezahlt „in den Urlaub“ zu gehen. Oder war es nur ein Jahr? Irgendwie so. Nach dieser unbezahlten freien Zeit, in der man eine lange Weltreise machen, Künstler werden oder einfach nur rumgammeln kann, darf man ganz easy wieder zurück in seinen Job.

„Ich weiß jetzt gar nicht mehr, was machen. Das ist alles so schwierig“, heulte sie rum.

Irgendwann legte auch ich los und meinte, dass sie nicht so jammern soll, dass sie gar nicht mitbekommt, was sie für ein Glück hat, sie kann doch spätestens nach zwei Jahren zurück. Und dann ihr ganzes Leben lang weiter Beamtin spielen. Da tut das doch auch vielleicht mal ganz gut. Eine PAUSE. Da sieht man mal was anderes als jeden Tag die gleiche Wand.

Mein Humor kam nicht bei ihr an. Vielleicht, weil es kein Humor war.

Was es mich überhaupt angeht, mich einzumischen. Ich dann wieder, dass sie dann auch nicht so laut reden soll, wenn sie nicht will, dass ich es mitbekomme, und vor allem nicht mit MEINER Begleitung. Ich kann echt zickig sein. Das ging dann noch bisschen so weiter. Und immer wenn ich Ruhe gab, fing sie wieder an. Hin und Her.

Ping. Pong.

Sie dann, sie möchte sehen, ob sie vielleicht das Zeug zur bildenden Künstlerin hat. Ich dann wieder, dass wenn sie sich immer ein Hintertürchen aufhält, bleibt es Kunst von jemandem, der sich nie getraut hat. Entweder oder. Nicht wenn „das“ nicht klappt, dann schnell zurück zur Sicherheit. Aber sie will Kunst machen und trotzdem sicheres Gehalt. Ich so, hä? Ernsthaft? Ja, und irgendwann kam mein Spruch zum Einsatz.

Ich möchte, dass der Moment stimmt, dann ist in hundert Jahren auch nicht alles egal. Meine Freundin L. ist aber immer noch ein wenig skeptisch.