Eine Nachricht nach der anderen geht auf Maries* Telefon ein. „Wann treffen wir uns denn mal?“, will Niko* wissen. Anfangs ist die Euphorie noch groß. Doch nach dem ersten Treffen verändert sich Nikos Verhalten. Statt Nachrichten im Sekundentakt herrscht nun Totenstille. Warum? Niko schreibt einfach nicht mehr zurück. Maries Nachrichten bleiben unbeantwortet. Für ein Verhalten wie dieses gibt es einen Namen, den man in letzter Zeit häufiger hört: „Ghosting“. Übersetzt etwa: Wie ein Geist verschwinden.
Die ganze Geschichte von Marie und Niko lief so: Die beiden haben sich über die Dating-App „Tinder“ kennengelernt. Alles begann mit einem harmlosen Chat. Nach wochenlangem Chatten haben sie sich dazu entschieden, sich zu treffen. Die beiden verstehen sich gut, sind auf einer Wellenlänge und das Interesse scheint auf beiden Seiten geweckt zu sein. Das Ganze könnte ernster werden, so scheint es zumindest. Marie macht sich Hoffnungen und fragt Niko nach einem weiteren Treffen.
Darauf scheint Niko allerdings keine Lust mehr zu haben, denn Maries Nachrichten und Anrufe bleiben unbeantwortet. Den Mut, Marie zu gestehen, dass er keine Lust auf weitere Dates hat, hat Niko allerdings nicht. So muss sich Marie nun damit abfinden, dass ihr Dating-Partner sich von heute auf morgen in Luft aufgelöst hat.
Der Begriff „Ghosting“ kommt aus Amerika und beschreibt das Phänomen, wenn Menschen, die man „datet“, sich in Luft aufzulösen scheinen. Anrufe oder Nachrichten bleiben unbeantwortet. Es wirkt so, als hätte man mit einem Gespenst oder Geist zu tun gehabt. Über das Phänomen wurde zuletzt häufiger berichtet. So spekulierten US-Medien etwa nach dem Ende der Beziehung zwischen den Hollywood-Stars Charlize Theron (39) und Sean Penn (54) über Ghosting.
Mischung aus sozialer Inkompetenz und Überforderung
Ghosting ist eine Mischung aus sozialer Inkompetenz und Überforderung. In der Regel ist es so, dass die Lust, sich mit der anderen Person auseinander zusetzen, einfach fehlt. Einer Aussprache geht man gezielt aus dem Weg.
Marie fühlt sich von ihrer „Geister-Bekanntschaft“ im Stich gelassen. Das Klischee, dass Tinder und Co. keine Basis für eine seriöse Beziehung sind, wurde für sie bestätigt. Doch nicht nur das. Marie stellt sich natürlich Fragen und sucht nach möglichen Fehlern, die sie begangen haben könnte. Niko hatte sich bei ihrem ersten Date als Gentleman erwiesen, doch mit seinem jetzigen Verhalten den genauen Gegenteil bewiesen. „Es ist unfair, respektlos und feige, einer Person Sympathie vorzutäuschen und dann einfach von der Bildfläche zu verschwinden,“ regt sich die 20-Jährige auf.
Angeblich gibt es aber Anzeichen dafür, einen potenziellen Ghoster zu erkennen. Oftmals sind es nämlich die Personen, die sich nach einer Auseinandersetzung wochenlang nicht melden oder Konflikten prinzipiell aus dem Weg gehen. Auf jeden Fall kann man froh sein, eine Person, die so etwas tut, los zu sein. Dies bestätigt auch Marie. Zwar überwog anfangs die Enttäuschung, doch jetzt ist sie erleichtert, dass nicht mehr aus ihrem Flirt geworden ist. „Wenigstens weiß ich jetzt, dass er nicht nur Mister Charming ist, sondern im wahren Leben dann doch ein Arschloch ist,“ stellt die Studentin mit Humor fest.
* Namen wurden von der Redaktion geändert


