LUXEMBURGPATRICK VERSALL

Rosch Mirkes, musikalischer Leiter der „Rencontres Musicales de la Vallée l’Alzette“,über klare Linien und die Anfangsjahre einer Erfolgsgeschichte

Rosch Mirkes nicht als Denker und Lenker der Rencontres Musicales de la Vallée de l’Alzette (RMVA) zu bezeichnen, käme einer Ungerechtigkeit gleich. Der diplomierte Musiklehrer und musikalischer Leiter des Festivals möchte es allerdings peinlichst vermeiden, sich selbst in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu katapultieren. Mirkes lebt eine Bescheidenheit vor, von der sich der eine oder andere selbst ernannte Kulturmanager eine üppige Schneide abschneiden könnte.

Wichtig sei die Arbeit, die Jahr für Jahr geleistet wird, damit das einzige Festival für Alte Musik hierzulande stattfinden kann; die Macher dahinter sollten nicht in den Fokus gerückt werden. Unterhält man sich mit Mirkes über das von Januar bis März in den Gemeinden des Alzettetals erfolgreich organisierte Musik-Rendez-Vous, so kristallisiert sich sehr schnell heraus, dass der heute als Musikpädagoge tätige Mirkes wöchentlich wohl mehr als eine Stunde seiner Freizeit für das Organisieren der in Dorfkirchen stattfindenden Konzerte opfert. Denn mit ein paar Mausklicks ist es nicht mehr getan, um die RMVA in der Erfolgsspur zu halten, in der sie nun seit einigen Jahren gleiten.

Feuertaufe in Lintgen

Die Musik spielte seit dem fünften Lebensjahr die erste Geige im Leben von Rosch Mirkes. Seine ersten musikalischen Gehversuche startet er im Kinderchor in Differdingen, von dem es bis zur örtlichen Musikkapelle nur ein paar Schritte waren. Mit elf spielte er bereits die Orgel in der Messe. Die Idee zu einem jährlich stattfindenden Musikfestival im Alzettetal resultiert aus den erfolgreichen Feierlichkeiten der 1100-Jahr-Feier der Gemeinde Lintgen: Die Gemeinde brannte Ende der Neunziger ein hochkarätiges kulturelles Feuerwerk ab, zu dem internationale Künstler wie die Wiener Sängerknaben das ihrige beitrugen.

Kurz nach diesem Jubiläum wurde Mirkes zum Präsidenten der lokalen Kulturkommission ernannt; das Konzept eines interkommunalen Musikfestivals existierte bereits in seinen Grundzügen. In Gesprächen mit den Gemeindeverantwortlichen galt es herauszufinden, ob überhaupt ein Interesse für eine regionale Zusammenarbeit auf kultureller Ebene bestünde. Rosch Mirkes war seiner Zeit ein Sieben-Meilen-Schritt voraus, da er früh erkannt hatte, dass zwei gleichzeitig stattfindende Konzerte in einem Umkreis von zehn Kilometern wenig Sinn machen würden, da sich die Veranstalter auf diese Weise gegenseitig die Besucher abwerben.

Lintgen stürzte sich im Jahr 2001 ein erstes Mal unter der Federführung von Rosch Mirkes in das Abenteuer eines Festivals für Alte Musik; ab 2003 konnten die Organisatoren weitere Ortschaften wie Colmar-Berg, Steinsel oder Walferdingen an Bord begrüßen. In den Anfangsjahren engagierten Mirkes und sein Team in der Regel Ensembles aus Luxemburg und stellten eigene Produktionen auf die Beine. „Wir sind langsam und gemächlich gewachsen, ehe es dann förmlich explodiert ist“, erklärt Mirkes.

Anfragen vonKünstleragenten

Qualität spricht sich schnell herum: Heute bekommt der musikalische Leiter im Wochentakt Anfragen von Künstlern und Agenten, die gerne in Luxemburg auftreten möchten. Dass insbesondere gewiefte Agenten bei der Vermittlung der Musiker ein goldenes Näschen verdienen möchten, liegt auf der Hand. Rosch Mirkes zieht es vor, kreuz und quer durch Europa zu reisen, um Ensembles zu entdecken. Er sucht den Kontakt zu deren Mitgliedern und engagiert die Künstler gerne persönlich. „Ich muss mir mehr Zeit nehmen für die Programmierung, das Publikum wird nämlich anspruchsvoller“, erklärt Mirkes. Als Mirkes die RMVA aus der Taufe hob, stand auf Kirchberg noch kein Konzerthaus, ergo war das Konzertangebot noch nicht so reichhaltig oder breit gefächert, wie das heute der Fall ist . Mann könne die Frage, ob die Philharmonie eine Konkurrenz für die RMVA darstelle, heute weder bejahen, noch verneinen. Er habe, so Mirkes, die Eröffnung der Philharmonie begrüßt, da er anfangs der Auffassung war, dass ein solches Haus die Leute zum Konzertbesuch erziehen könnte. Heute würden selbstverständlich auch Musikkenner in die Philharmonie gehen; er habe allerdings das Gefühl, dass für viele Philharmoniebesucher das Sehen und Gesehen-Werden von weit größerer Bedeutung sei, als die Partitur, die auf dem Notenpult liegt. Des Weiteren könne er Musikfreunde verstehen, die sich nicht unbedingt bei kühlen Temperaturen ein Konzert in einer alten Kirche antun möchten.

Auf der anderen Seite existiere allerdings ein Publikum, das das historisch-sakrale Ambiente eines Gotteshauses für das Konzert eines bestimmten Künstlers vorzieht. Mirkes sichert sich übrigens vertraglich ab, dass ein von ihm engagierter Künstler drei Monate vor, bzw. nach seinem Auftritt im Alzettetal nicht im Umkreis von so und so viel Kilometern auftreten darf.


Vokale Musik auf historischen Instrumenten

So können die RMVA-Macher ihrem Publikum Jahr für Jahr eine Auswahl an exklusiven Künstlern der Alten Musik bieten. Den Schwerpunkt der Programmierung hat der musikalische Leiter vor drei Jahren auf die Vokale Musik verlagert, die auf historischen Instrumenten vorgetragen wird.

Diese klare Linie erlaubt den Organisatoren nicht nur ihr Publikum auszubauen; die Konzertbesucher würden außerdem auf Anhieb erkennen, dass sich das Angebot der RMVA von jenem anderer Festivals oder Konzerthäuser unterscheidet. Rosch Mirkes wird auch in Zukunft nicht Hinz oder Kunz im Rahmen der RMVA auftreten lassen, nur um jemandem einen Gefallen zu tun, auf die Gefahr hin, dass der eine oder andere sich das Maul über die RMVA-Verantwortlichen zerreißt. Man habe, so Mirkes, eine Linie, der man auch weiterhin treu bleiben wird.


Das Auftaktkonzert der RMVA findet am 6. Januar
in der Pfarrkirche von Colmar-Berg statt.
Das komplette Programm unter www.rmva.lu