COLETTE MART

Die Besteuerung von Erbschaften in direkter Linie stand in den letzten Tagen im Mittelpunkt der Aktualität. Der angehende Wirtschaftsminister Franz Fayot sieht in ihr eine Möglichkeit, soziale Ungleichheiten auszubügeln, während für die DP eine solche Steuer nicht in Frage kommt. Die Luxemburger Erbschaftskultur und -gesetzgebung sind eng mit unseren Traditionen und unserer Mentalität verbunden, und in der Tat würde die Besteuerung von Erbschaften zwischen Eltern und Kindern wohl kaum eine Akzeptanz bei uns finden.

Keineswegs ist davon auszugehen, dass letztere den steigenden Immobilienpreisen entscheidend entgegenwirken könnte, da diese auch mit verheerenden Bodenspekulationen in Verbindung stehen, sickern doch Beträge in Millionenhöhe an Investoren aus dem In- und Ausland, die dann Wohnungen mittelmäßiger Qualität für überteuerte Preise an Familien verkaufen.

Die Erbschaft in direkter Linie ist eine entscheidende Hilfe innerhalb der Familien, überhaupt noch eine Wohnung und ein Haus zu kaufen, denn Erbschaften verstorbener Großeltern kommen oft den Enkelkindern zugute. Da Menschen heute allgemein länger leben, profitieren eher die Enkelkinder als die Kinder selbst von Erbschaften, da letztere bereits weit über 60 Jahre alt sein können, bevor sie eine Erbschaft antreten. Bis dahin haben viele bereits ein Haus oder eine Wohnung gekauft und abbezahlt, und durch diese eigenen Bemühungen in den Familien sammelt sich über Generationen ein Vermögen an. Die Aussicht auf eine Erbschaft vermittelt in den Familien ein Gefühl der Sicherheit, und schafft auch ohne Zweifel ein Bewusstsein dafür, die kommenden Generationen zu unterstützen, in eine Immobilie zu investieren, respektive zu sparen. Demgemäß ist allerdings ein immer breiterer sozialer Graben auszumachen zwischen jenen Familien, in denen es Besitz und Erbschaft gibt, und jenen, in denen über Generationen zum Beispiel Miete gezahlt wird. Ob es Besitz oder Ersparnisse in einer Familie gibt, hängt nicht nur von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Einkommensschicht zusammen, sondern auch vom persönlichen Bezug zum Geld, zum eigenen Wertesystem und zur Familienkultur. Während wir in unserem Alltag eher zu Konsum und Statusdenken ermutigt werden, schwindet der Stellenwert des Sparens in der Gesellschaft, dies umso mehr, da Ersparnisse auf der Bank keine Zinsen mehr einbringen. Demnach sind kleine Kredite innerhalb vieler Familien gängiger geworden als sparen. Anstatt für den kommenden Urlaub, eine Hausrenovierung oder ein Auto zu sparen, wird wohl eher ein Kredit aufgenommen.

Dies bedeutet, dass viele Geld ausgeben, ohne es zu besitzen, während die Dimension des Sparens immer relativ weniger im Bewusstsein der Menschen verankert ist.

Erbschaften bestehen demgemäß nicht nur in der Transmission von Immobilien und Geld. Sie bestehen auch in dem Erlernen, von Generation zu Generation, eines vernünftigen und nachhaltigen Umgangs mit Geld, zu einem Bewusstsein, das Familienvermögen zu schützen und zu erweitern, und nicht in jede Konsumfalle zu treten, und jedem Statussymbol hinterherzurennen.