COLETTE MART

Vorige Woche wurde, auch hier in Luxemburg, der internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung zelebriert. Diskret, aber doch konsequent und hartnäckig, arbeiteten Nichtregierungsorganisationen (NGOs) mit der Stadt Luxemburg Hand in Hand, um die Luxemburger Öffentlichkeit für eine extreme Form der Gewalt gegen Frauen zu sensibilisieren. Als Teil dieses Programms wird am 2. März der Dokumentarfilm „In Search“ in der Kinemathek gezeigt, in dem die kenianische Regisseurin Beryl Magoko ihre eigene Verstümmelung verarbeitet, und durch Interviews mit Betroffenen das Thema zur Sprache bringt. Ein Blick auf die Sensibilisierungsbemühungen weltweit zeigt, dass immer häufiger Betroffene selbst sich zu Wort melden, weil ihnen das Unvorstellbare im 21. Jahrhundert passierte, aller nationaler Gesetzgebungen, Menschen- und Kinderrechtsdeklarationen zum Trotz.

Demnach lohnt sich die Frage: Welchen Weg verzeichnet der Kampf gegen FGM (Female Genital Mutilation) seit Schriftstellerin und Feministin Benoîte Groult mit ihrem Buch „Ainsi soit-elle“ 1975 auf diese Menschenrechtsverletzung aufmerksam gemacht hatte, seit erstmals 1979 „Terre des Hommes“ in einer Pressekonferenz das „best gehütetste Geheimnis der Welt“ preisgab, und seitdem ebenfalls der „Hosken Report“ 1979 eine Bestandaufnahme der Praktik in zahlreichen Ländern der Welt geliefert hatte?

In der Tat haben afrikanische Frauen selbst begonnen, über ihr Schicksal zu schreiben, wie zum Beispiel Waris Dirie, die Weltruhm erlangte, und Fadumo Korn, die in Deutschland zu einer Aktivistin in dieser Frage wurde. Interessanterweise haben zahlreiche afrikanische Staaten FGM gesetzlich verboten, und in Ostafrika gingen die Verstümmelungen von 71 auf 15 Prozent zurück, laut „Le Monde“. Dramatisch bleibt die Lage allerdings in Westafrika und am Horn. Noch immer wird geschätzt, dass 200 Millionen Frauen beschnitten sind, jährlich zusätzlich drei Millionen bedroht sind, und die Verstümmelung ebenfalls in Europa in Migrantenmilieus stattfindet.

Trotzdem gibt es immer wieder Medienberichte, laut denen ganze Dörfer FGM stoppen, meist aufgrund der Sensibilisierungsarbeit von NGOs, die versuchen, auf die Mentalitäten der Menschen einzuwirken und auch Beschneiderinnen gezielt zu beeinflussen. Ein sehr interessanter Beitrag zur Problematik lieferte vorigen Sommer „Die Zeit“, mit einem Artikel über den Alltag in der Klinik Waldfriede in Berlin, wo verstümmelten Frauen geholfen wird. Gesprächstherapie, Selbsthilfegruppen, Rekonstruktion der Geschlechtsorgane durch einen chirurgischen Eingriff sind hier das Thema, um das schwarze und weiße Frauen sich finden, und miteinander reden können. Diese Kommunikation zwischen Frauen verschiedener Kulturen steht dann auch im Mittelpunkt des Dokumentarfilmes „In Search“, in dem Betroffenen sich ausdrücken; schwarze und weiße Frauen waren an der Realisierung des Films beteiligt.

Die rekonstruktive Chirurgie wäre demnach ein Weg, den europäische und afrikanische NGOs und Kliniken einschlagen könnten, um Frauen gezielt zu helfen, ein normales Leben zurückzugewinnen.