PISSINGEN
GAST. FREYMANN

Vom ersten Rückschlag ließ sich Norbert Thorn nicht entmutigen

Er entspricht nicht dem Klischee eines Unternehmers, will diesem Bild auch gar nicht entsprechen. Er zieht den Hobel und den Arbeitskittel dem schicken Bürosessel und dem Businessanzug vor. Die Rede ist von Norbert Thorn, der vor genau fünf Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, als er seinen eigenen Schreinerbetrieb in Pissingen gründete. Sein zweiter Versuch, den der heute 36-jährige seitdem zu keinem Moment bereut hat, wie er dem „Journal“ gegenüber bestätigt.

Wie kamen Sie auf die Idee, sich selbstständig zu machen?

Norbert Thorn Dieser Gedanke kam mir eigentlich schon sehr früh. Nach drei Jahren Lehre legte ich erfolgreich meine Gesellenprüfung ab. Mein nächster Schritt war, mich auf meinen Meisterbrief als Schreiner vorzubereiten. Dies gelang mir dann auch auf Anhieb, ich war damals als 20-Jähriger einer der jüngsten Laureaten. Nun war für mich der Weg frei, den Weg in die Selbstständigkeit zu wagen und mir damit einen lang ersehnten Traum zu erfüllen. Doch vorher hieß es freilich, noch Erfahrung zu sammeln, und darum arbeitete ich zunächst in verschiedenen Betrieben mit der Zielsetzung, mich in diesem Beruf zu perfektionieren und die Facetten des Metiers noch besser kennenzulernen.

Als ich dann den ersten Versuch startete, war ich gerade mal 22 Jahre alt: Ein ehemaliger Arbeitskollege von mir und ich beschlossen, gemeinsam einen eigenen Betrieb zu gründen. Allerdings trennten sich unsere Wege nach einiger Zeit wieder, und ich wurde vom einstigen Arbeitgeber erneut zum Arbeitnehmer.

Damit war die Idee der Selbstständigkeit für Sie aber nicht beerdigt?

Thorn Nein, ich hatte das zu keinem Moment aufgegeben. Während ich noch für einen „Patron“ arbeitete, traf ich schon meine Vorbereitungen für einen zweiten Start. Dieses Mal jedoch ohne Geschäftspartner. Eigentlich war es ja nur eine Wiederholung. Zudem war der Job selbst ja kein Neuland für mich. Zugute kam mir auch, dass ich in diesen acht Jahren mir noch sehr viel an praktischen Erfahrungen und Wissen aneignen konnte, was mir zusätzlich den zweiten Start erleichtern sollte.

In der Zwischenzeit hatte ich meinen Großeltern, die einen landwirtschaftlichen Betrieb führten, einen Teil der Gebäude abgekauft, die dann etappenweise in eine jetzt 450 Quadratmeter große Werkstatt umgebaut wurden.

Ich hatte mir in dieser Zeit auch bereits einen kleinen Maschinenpark angeschafft, den ich dann regelmäßig erweiterte, indem ich mir für den Anfang gut erhaltene gebrauchte Arbeitsmaschinen oder wie im letzten Jahr, wo ich ein ultra-modernes, computergesteuertes, praktisch neuwertiges Vorführgerät preisgünstig erwarb. Immerhin zahlte ich dabei ein Drittel weniger als der aufgeführte Listenpreis.

Oft scheitern Projekte, weil keine Bank mitziehen will, wie war es bei Ihnen?

ThornFür mich persönlich kann ich das so nicht behaupten. Ich fand ein offenes Ohr bei meiner Hausbank, wo ich seit meinem Einstieg ins Berufsleben vor mehr als 20 Jahren bereits Kunde bin und die ich von meinem Projekt überzeugen konnte. Zudem verfügte ich auch über ein solides Startkapital, was natürlich zur positiven Bewertung seitens der Bank beitrug.

Bei der Unternehmensgründung wurden mir dann auch sämtliche staatlichen Zuschüsse zugesichert, die nicht unbedeutend waren und die eine hilfreiche Finanzspritze für einen neuen Betrieb darstellen.

Wie sieht die Bilanz nach fünf Jahren aus?

Thorn Das einzige, was mir anfangs ein bisschen Sorge bereitete, war die Werbung. Zu dem Zeitpunkt betrieb ich die Schreinerei noch als ein Einmannbetrieb. Doch die Mund-zu-Mund-Publizität half mir in der Anfangsphase sehr, sodass ich bald - und dies bis zum heutigen Zeitpunkt - nicht über leere Auftragsbücher klagen musste.

Ich denke, der Grund ist einfach, dass ich meinem Prinzip stets treu geblieben bin, indem ich mich nicht auf Nischenprodukte eingeschränkt habe. Wir sind auch Ansprechpartner für Extrawünsche, die wir natürlich auch sehr gerne erfüllen, und das vielfältige Angebot, das wir dazu noch anbieten, von Inneneinrichtungen über Türen und Treppen, maßgeschneiderten Küchen bis zu Spezialschränken oder freistehende Möbel, hat mir sicherlich den Start erleichtert. Und so konnte der anfängliche Einmann-Betrieb auf inzwischen zwei Gesellen und einen Lehrling wachsen, nicht zuletzt wegen eines treuen Kundenkreises. Das sind hauptsächlich private Auftraggeber mit einer sehr guten Zahlungsmoral.

Kein Wunsch, größer zu werden und sich als Chef irgendwann aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen?

Thorn Nein, ich selbst kümmere mich um die Kundenbetreuung, ziehe aber immer noch sehr gerne und regelmäßig den Arbeitskittel an: Ich bin eben kein Büromensch. Den Betrieb will ich auch in Zukunft in seiner jetzigen Größenordnung weiterführen, denn ich will einfach kreativ bleiben, und da ist ein überschaubarer Handwerksbetrieb ohne einen aufwendigen administrativen Apparat das Beste.