LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Mordprozess „Schléiwenhaff“: Zwölf Verhandlungstage angesetzt

Seit diesem Dienstag müssen sich zwei Männer vor der Kriminalkammer des Bezirksgerichts Luxemburg wegen Mordes verantworten. Den Angeklagten Lee Alphonse K. (36 Jahre) und Alden S. (24 Jahre) werden zwei Morde (mit den Mordmerkmalen Heimtücke sowie niederen Beweggründen) sowie Diebstahl, Behinderung der Justiz und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. K. befindet sich seit Dezember 2016 in Untersuchungshaft. S. ist seit September 2019 auf freiem Fuß. Beide stehen im Verdacht, im November 2016 eine 27-jährige Rumänin und einen 36-jährigen nigerianischen Staatsbürger erschossen zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten ferner vor, die Justiz behindert respektive den Vorfall vertuscht zu haben. Die beiden Angeklagten kennen sich. Sie waren bei einem privaten Sicherheitsunternehmen tätig.

Viele DNA-Spuren

Am 10. November 2016 wurde die Leiche eines 36-jährigen Mannes nigerianischer Herkunft in einem Waldstück bei Leudelingen („Schléiwenhaff“) gefunden. Der Mann wurde erschossen. Das zweite Opfer, die Rumänin, war vier Tage später gegen 9.35 in Strassen entdeckt worden. Die Obduktion ergab, dass auch sie mit einem Kopfschuss getötet wurde. In ihren kurzen Vernehmungen vor Gericht haben die beiden Männer die Mordvorwürfe an der Frau weit von sich gewiesen.

Gestern wurde der Gerichtsmediziner Dr. Ulrich Preiß vom „Département de médicine légale“ im „Laboratoire National de Santé“ in Düdelingen vernommen. Er hatte beide Opfer obduziert. Hinsichtlich der abgegebenen Schüsse auf das erste Opfers O. zeige die Obduktion, dass der Mann von hinten mit einem aufgesetzten Schuss in den Kopf getötet wurde. Wahrscheinlich saß der Nigerianer dabei auf dem Beifahrersitz. Doch es muss geklärt werden, wer ist gefahren und wer hat geschossen? Der Fundort der Leiche war auf jeden Fall nicht der Tatort, soviel stand für den Gerichtsmediziner fest.

Wer hat geschossen?

Beim zweiten Opfer war der Knochendefekt größer. Der Einschuss war links, der Ausschuss rechts. Laut Gerichtsmediziner wurde die Frau mit einem größeren Kaliber erschossen. Er sprach von einer kleinkalibrigen Walther-Pistole im ersten und einem Revolver Smith & Wesson im zweiten Fall. Die sichergestellten Waffen und Schalldämpfer wurden untersucht. Auf dem Revolver wurde DNA-Spuren vom Opfer O. und dem mutmaßlichen Täter K. sichergestellt. Auf der Pistole fanden die Experten Spuren von O., Lee K. und der Rumänin.

Eine entscheidende Rolle spielt im Prozess wohl das DNA-Gutachten der Genetikerin des Staatslaboratoriums Dr. Elizabet Petkovski. Die genetischen Spuren waren ausgewertet worden. Die Analyse ergab, dass quasi auf allen Gegenständen der genetische Fingerabdruck von K. und O. sichergestellt wurde. In der Garage von K. fanden die Ermittler Glasspuren und Blutspuren der Rumänin. Eine DNA-Spur vom zweiten Angeklagten S. wurde nicht gefunden.

Die Kammer muss jetzt klären, inwieweit der Angeklagte S. etwas mit dem Mord an dem nigerianischen Staatsbürger und der Rumänin zu tun hat. Auf zwölf Verhandlungstage - bis zum 25. Oktober 2019 - ist der Indizienprozess angelegt. Eine Menge Zeugen und vier Sachverständige sind geladen.

Der Mordprozess wird heute um 15.00 fortgesetzt, geplant ist die Vernehmung weiterer Experten.