LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Das letzte Mal ist gar nicht so lange her. Da gab es eine Finanzkrise, die Luxemburg 2008/2009 heftig traf, zu neuen Eigentümerverhältnissen und vielen Arbeitslosen führte. Ganze Länder zitterten in der Folge. Sie wurden gerettet. Und jetzt?

Jetzt hat das Coronavirus immer mehr Auswirkungen auf die Wirtschaft. In einer global vernetzten Welt ist das nur allzu verständlich. Noch profitieren die Hersteller von Schutzmasken und Desinfektionsmitteln, während internationale Modehersteller, Unternehmen mit hoher Produktion respektive hohem Absatz in China ihre Erwartungen herunterfahren und Messen abgesagt werden. Doch so ganz langsam stellt sich die Frage nach längerfristigen Auswirkungen. Ist die Wirtschaft nur ein bisschen verschnupft - oder droht eine Rezession?

Klar ist, dass viel Hype im Spiel ist, Verschwörungstheorien über die Weltfinanz oder 5G, das uns alle vernichten wird; der übliche Quatsch halt. Aber es gibt auch ganz reale Fakten: Unternehmen, die Dienstreisen untersagen, Lieferketten, die unterbrochen sind, Flüge, die nicht mehr stattfinden. Das alles bleibt nicht ohne Auswirkungen, schon gar nicht auf ein so mit der Welt verbundenes Land wie Luxemburg.

Das letzte Mal, als es die große Krise gab, hat die Europäische Zentralbank das Füllhorn ausgepackt, haben die EU-Länder den Europäischen Rettungsschirm aufgespannt, gab es Anleihen und die Zinsen fielen tief, so tief, dass sie vor allem eines antrieben: Die Verschuldungsquote von Individuen und Unternehmen. Vor allem in den USA stieg sie enorm an.

Jetzt reagieren die Börsen, zittern, geben nach, berappeln sich wieder. Sie sind vor allem eines: Gradmesser des Vertrauens. Und das gibt nach in dem Maße, in dem Auswirkungen befürchtet werden. Natürlich kann man sich sagen, dass viel mehr Menschen an der Grippe sterben als am Coronavirus. Und doch ist er zu einem beherrschenden Thema geworden, das sehr konkrete Auswirkungen auf die Bilanzen hat.

Wenn eine Rezession kommen sollte, trifft sie Europa und damit Luxemburg. Hier geht es allen gut, doch die Wachstumsraten sind niedrig. Die meisten Politiker freuen sich schon, wenn ihr Land die zwei Prozent-Hürde überspringt. Zweistellige Raten hat keiner.

Noch immer ist in Luxemburg der Finanzsektor besonders wichtig, steht er doch für ein Drittel der Staatseinnahmen. Wenn dieser international vernetzte Bereich Schwierigkeiten hat, wird sich das hier auswirken. Einige Banken wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank, die gerade so ihre Wunden lecken, wären schlecht dran.

Doch wie will die Politik reagieren? Den Zins tiefer als tief zu legen ist unmöglich. Viel Geld ist gerade nicht zu verteilen. Und in wieweit ehemals verlässliche internationale Partner wie die USA mitziehen würden, steht in den Sternen.

Angesichts der Ausweitung des Virus ist es aber an der Zeit, darüber nachzudenken, was wäre wenn. Denn die ersten Folgen sind schon da. Wohlgemerkt: Hier geht es nicht um Hygiene oder Versorgung, sondern um eine mögliche Rezession, für die es neue Mittel braucht.