Sage mir, was du liest, und ich sage dir, was du bist. Getreu diesem Motto organisiert die Erzbistumszeitung nun schon seit ewigen Zeiten ihre Sommerlochstopfumfrage unter Luxemburgs Politprominenz, sind lesende Politiker (das Studieren von Akten gilt nicht als Lektüre) doch allgemein immer noch eher selten. Ein Leser allererster Güte scheint derweil Premierchef Bettel zu sein, will dieser sich doch „in seinem Urlaub mit dem Inferno beschäftigen“, womit - nur gut, dass das „Wort“ das präzisiert - aber „nicht das höllische Klima zwischen den drei Koalitionsparteien“ gemeint ist, sondern der gleichnamige Thriller von Dan Brown. Um einiges anspruchsvoller geht es bei Etienne Schneider zu, nimmt sich der Vizeregierungschef doch in seinem Urlaub (in Knokke?) u.a. „Eugénie, la dernière impératrice“ zur Brust. Respekt! Grünen-Anführer Félix Braz will seinerseits endlich den „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ (schwedischer Originaltitel: Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann) fertiglesen. Hoffentlich keine Anspielung auf seinen leicht älteren Partei- und Ministerkollegen Fränz Bausch. Ganz klar das beste Buch liest dann aber DP-Fraktionschef Berger, ist Mark Twains „Geheime Autobiografie“ doch fast so gut wie „Der Distelfink“. Versprochen...
Inferno
journal.lu - 10.08.2014

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